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Für den Brandschutz in die Luft gehen  (v. l.) Jupp Fusenig, Ralph Kreitz und Christian Renner.

Luftbeobachter im Einsatz gegen Waldbrände

Brandschutz aus der Vogelperspektive

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Die vergangene Woche war brandgefährlich. Deswegen sind täglich ehrenamtliche Luftbeobachter abgehoben, um im Notfall Feuern in den zundertrockenen Wäldern zu entdecken.

Erding – Schon ein Lagerfeuer reicht. Aus der Vogelperspektive sind die Rauchschwaden kilometerweit zu sehen. Auf diesen Überblick setzt der Katastrophenschutz beim Einsatz von ehrenamtlichen Luftbeobachtern. In der Hitze und Trockenheit dieser Tage sind ihre Dienste ein wichtiger Baustein zur Verhinderung von Waldbränden.

Orientierungshelfer für die Feuerwehr

„Wir schauen nach Rauchsäulen. Wenn wir etwas sehen, fliegen wir hin“, erklärt Luftbeobachter Ralph Kreitz. Im Ernstfall steuert also der Pilot die Cessna der Luftrettungsstaffel zum Brandherd und kreist im Tiefflug darüber. Der Luftbeobachter funkt die Integrierte Leitstelle an und gibt die Position durch. Ein Brandherd mitten im Wald hat ja keine Adresse. Also ist die Vogelperspektive der vom Fliegerhorst Erding gestarteten Maschine auch für die Einsatzkräfte eine wichtige Orientierungshilfe. „Wir führen die Feuerwehr aus der Luft“, berichtet Kreitz, Förster und Revierleiter beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Erding. „Das wird auch immer wieder geübt.“

Die Luftrettungsstaffel Bayern hat 33 Stützpunkte im Freistaat. Vom Fliegerhorst aus werden die Landkreise Erding, Ebersberg und Traunstein überwacht. Wenn die Regierung von Oberbayern Überwachungsflüge anordnet, startet eine Maschine von Erding zu einem festgelegten Rundkurs über den Ebersberger Forst bis in die Chiemgauer Alpen und zurück. Nicht nur Waldgebiete haben die Beobachter besonders im Blick, auch „Störfallbetriebe“ auf der Route, zum Beispiel die Chemie-Werke in Aschau und Bruckmühl.

Der Luftbeobachter meldet per Funk den Flug bei der Integrierten Leitstelle in Erding an, die Verbindung steht auch für den Fall eines Einsatzes. Doch erst einmal führt der Luftbeobachter den Piloten. „Jetzt auf Kurs 170 Richtung Süd“, sagt Christian Renner. Jupp Fusenig am Steuerknüppel kennt die Route aber bereits. Der 77-jährige Rentner aus München ist einer der zehn erfahrenen Piloten am Luftrettungsstaffel-Stützpunkt Erding.

Für Renner ist es eine Premiere. Der 28-jährige Verwaltungsfachwirt am Landratsamt Erding trägt bei diesem Flug das erste Mal Verantwortung als Luftbeobachter. Kreitz, der dieses Ehrenamt bereits seit drei Jahren ausübt, sieht Renner von der hinteren Sitzbank über die Schulter und muss nicht eingreifen.

„Das ist für den Staat die günstigste Variante“, berichtet Kreitz. Der Einsatz der Piloten und Luftbeobachter ist ehrenamtlich. Behördenmitarbeiter wie der 54-jährige Isener Kreitz und Renner können sich zwar Arbeitsstunden aufschreiben, müssen aber natürlich auch an Wochenenden und Feiertagen ran. Die Luftrettungsstaffel berechnet dem Bezirk Oberbayern lediglich die Maschinenstunden. Bei der Cessna seien es 180 Euro pro Stunde, berichtet Gerolf Schmidl, Stützpunktleiter der Luftrettungsstaffel in Erding.

Auch Unfälle und Borkenkäfer im Blick

Die Luftrettungsstaffel sei eine bayerische Besonderheit, sagt der 54-jährige Pretzener. „Wir fliegen im Wesentlichen Brandschutzflüge“, berichtet der passionierte Flieger, der bereits seit dem 15. Lebensjahr Pilot ist, seit 20 Jahren für die Staffel. Auch bei der Luftarchäologie und für die Dokumentation von Katastrophenschäden wie nach Sturm Wiebke 1990 oder dem Junihochwasser 2013 stellt die Organisation ihre Dienste und Flugzeuge zur Verfügung.

Am Stützpunkt sind es laut Schmidl zehn Piloten und acht Luftbeobachter – Förster, Feuerwehrleute und Mitarbeiter des Landratsamts. Mit Übungen und in Lehrgängen an der staatlichen Feuerwehrschule in Würzburg werden sie für ihre ehrenamtliche Aufgabe fit gemacht.

Förster Kreitz richtet seine Aufmerksamkeit bei den Flügen noch auf weitere „Hitzeschäden“: Borkenkäferbefall. Wenn er rot verfärbte Baumspitzen entdeckt, weiß er: Rund um diese Stellen ist der Schädling am Werk. Dann macht er ein Foto und verständigt später die betroffenen Waldbesitzer.

Bei den fünf Flügen in der vergangenen Hitze-Woche haben die Erdinger Besatzungen der Luftrettungsstaffel Bayern keine Brände entdeckt. „Jetzt traut sich keiner, ein Wiedfeuer anzuzünden“, meint Kreitz. „Wenn wir im Tiefflug über einem solchen Feuer kreisen, dann werden die Leute am Boden hektisch“, erzählt er mit einem Schmunzeln. Denn auch die Landwirte wüssten: Waldbrände sind in der Regel von Menschen verursacht, und ein so ausgelöster Feuerwehreinsatz kann für den Verantwortlichen teuer werden.

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