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Lebensmittel von hier gibt es jeden Freitag im Bauernhausmuseum in Erding. Die regionale Marke soll aber auch die Supermärkte erobern.

Kreistag befürwortet nach kontroverser Debatte mit 31:17 Stimmen Logo und Vermarktung

„Made in Erding“ wird regionale Marke

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Um eine eigene Regionalmarke Landkreis Erding ist im Kreistag eine kontroverse Debatte entbrannt. Einigen geht die Einführung bis zur Grünen Woche in Berlin im Januar zu schnell. Anderen ist „regional“ zu unspezifisch.

VON HANS MORITZ

Erding  Sie fordern auch andere Kriterien wie Bio und Fairtrade. Dagegen wehrt sich Landrat Martin Bayerstorfer (CSU), von dem die Idee stammt.

Dennoch beschloss der Kreistag mit 31:17 Stimmen, die Einführung und Etablierung einer regionalen Marke auf den Weg zu bringen. Dazu gehört auch, ein Logo zu entwerfen. Mitte September hatte der Strukturausschuss der Marke einstimmig Grünes Licht gegeben.

Im Plenum warb Nadia Fusarri erneut für die Stärkung der Produktion „Made in Erding“. Sie betonte, Regio sei das neue Bio. Viele Kunden würden darauf achten. Als Vorteile nannte Fusarri kurze Transportwege, Unterstützung der heimischen Wirtschaft, Frische, saisonale Ware, Nachhaltigkeit, Vertrautheit, Tradition und persönliche Kontakte. Zunächst soll ein Logo entwickelt werden. In der Summe sei es regionale Wirtschaftsförderung.

Alles geschieht unter dem Dach eines Vereins

Als Plattform ist ein Verein geplant, bei dem Landkreis, Gemeinden, Hersteller, Vertreiber, aber auch Bürger Mitglied werden könnten. Zudem muss eine Vermarktungsstrategie mit Vertrieb und Marketing unter dem Dach des Vereins aufgesetzt werden. Dieser Verein sei verantwortlich und bekomme laut Fusarri das Logo vom Landkreis zur Verfügung gestellt. Er behalte aber alle Rechte – könne es also auch wieder einziehen.

Florian Geiger (Grüne) widersprach dem Grundsatz, dass Regional das neue Bio sei. „Wir dürfen das eine nicht gegen das andere ausspielen, sondern miteinander verbinden.“ Er verlangte Mindeststandards für die Produktion und beantragte die Erstellung eines Konzepts, über das der Kreistag dann abstimmen solle. „Das wird schwierig“, widersprach Bayerstorfer, „denn verantwortlich ist der Verein. Dessen Mitglieder legen das Prozedere fest. Der Landkreis ist nur ein Teil davon.“ Über eine Satzung könnten daher nur die Mitglieder abstimmen.

Eichinger: Das Pferd wird von hinten aufgezäumt

Auch Dritte Landrätin Gertrud Eichinger (SPD) forderte klare Vorgaben. „Das darf man nicht nur an der Adresse oder am Standort festmachen.“ Sie sah das Pferd von hinten aufgezäumt: „Man muss doch erst eine Idee haben, ein Konzept, welche Ziele man erreichen will. Erst daraus kann man eine Marke entwickeln.“

Auch Ulla Dieckmann (SPD) verlangte, dass der Kreistag über ein Konzept diskutieren müsse.

Georg Els (FW) erkundigte sich, ob das mit anderen Verbänden, etwa dem für Tourismus, abgestimmt sei. Er halte nichts davon, eine neue Marke einfach überzustülpen. Max Kressirer (FW) meinte hingegen: „Wenn sich nicht einer vorwagt, bringt man es nicht zum Laufen.“ Siegfried Fischer warnte: „Wir verzetteln uns hier.“ Und Maria Grasser (FW) erklärte: „Es gibt klare Standards. Viele Kunden setzen aus Regionalität. In anderen Landkreisen gibt es bereits lokale Marken.“

Was ist mit Bio und Fairtrade?

Es kamen auch Forderungen auf, Bio und Fairtrade zu berücksichtigen. Dagegen wehrte sich der Landrat. „Die Marke soll dokumentieren, dass Waren und Dienstleistungen aus dem Landkreis Erding stammen.“ Ihm gehe es dabei weniger um Bio. „Im Landkreis gibt es viele konventionell wirtschaftende Bauern. Auch sie produzieren gesunde Lebensmittel.“

Fairtrade sei hier fehl am Platz: „Ich wüsste nicht, dass im Landkreis Bananen und Kaffee angebaut werden.“ Bei der Einführung des Bauernmarkts mit Produkten ausschließlich aus dem Landkreis habe auch keiner nach einem Kriterienkatalog gefragt. Jetzt wolle er einen größeren Aufschlag, nämlich die gezielte Vermarktung Erdinger Produkte in den Supermärkten.

Mit 31:17 Stimmen beschloss der Kreistag die Einführung von Marke und Vermarktung. SPD und Grüne lehnten das ab, die FW stimmte uneinheitlich ab. Unter den Gegnern: Hans Schreiner, gemeinsamer Landratskandidat von FW, Grünen und SPD. Im Strukturausschuss kurz zuvor war er noch dafür gewesen, in der Bürgermeisterdienstbesprechung allerdings dagegen. " KOMMENTAR

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