Viele Igel werden von Mährobotern nicht als Hindernis erkannt.
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Viele Igel werden von Mährobotern nicht als Hindernis erkannt.

Bund Naturschutz ruft zum Verzicht von technischen Geräten im Garten auf

Mähroboter gefährden Igel

  • Gabi Zierz
    VonGabi Zierz
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Erding – Die Igel sind wieder unterwegs. Auf die Gefahr, die Mähroboter in Gärten für sie darstellen, weist der Bund Naturschutz, Kreisgruppe Erding, hin. Sie wirbt generell für mehr Artenvielfalt im Garten.

„Um satt zu werden, müssen die Igel manchmal mehrere Kilometer zurücklegen. Dabei begegnen ihnen viele Gefahren. Eine davon kommt sehr leise daher: Mähroboter“, sagt Sabine Lanzner, 2. Geschäftsführerin der BN-Kreisgruppe Erding. Die automatischen Gartenwerkzeuge seien eine Gefahr für Kleintiere im Garten, würden die Entwicklung blühender Artenvielfalt verhindern und den Ordnungswahn vieler Gartenbesitzer fördern.

Der BN bittet deshalb um mehr Mut zur Wildnis: Je vielfältiger der Garten gestaltet sei und je mehr insektenfreundliche Pflanzen darin wachsen, umso wohler fühle sich der Igel, so Lanzner: „Wer bereits einen Mähroboter besitzt, sollte die Geräte nur tagsüber arbeiten lassen und längere Zeitintervalle für den Einsatz wählen.“

Sobald es dämmere, gehen Igel auf Nahrungssuche. Am liebsten fressen sie nachtaktive Laufkäfer, doch die werden immer weniger. Im Frühjahr und Spätherbst stehen auch Regenwürmer auf dem Speiseplan.

„Igel sind keine Fluchttiere. Nähert sich ein Mähroboter, harren sie aus und warten ab. Einige rollen sich zusammen, doch auch diese Strategie hilft nur großen kräftigen Tieren, die von den Sensoren der automatischen Mäher erkannt werden“, sagt Lanzner. Kleinere Igel, Lurche und Reptilien würden nicht als Hindernis erkannt und deshalb überrollt, verletzt oder getötet. „Auch wenn viele Hersteller die Sicherheitsstandards ihrer Roboter-Modelle in den höchsten Tönen loben, bleiben die automatischen Mäher ein großes Risiko für unsere Wildtiere“, so Lanzner weiter.

Der BN bittet deshalb alle Igelfreunde: Wer nicht auf den Mähroboter verzichten kann, sollte die Mähzeiten unbedingt auf den Tag verlegen und vorab gründlich kontrollieren, ob Tiere gefährdet sein könnten. Das gelte auch für den Einsatz anderer motorisierter Gartengeräte wie Fadenmäher oder Motorsensen in unübersichtlichen Ecken des Gartens.

Überhaupt wird dem BN in heimischen Gärten zu viel gemäht. „Fast überall sieht man normale Rasenflächen“, sagt Lanzner. Durch häufiges Mähen würden Kräuter, Wildgräser oder Moose verschwinden und Knospen weggemäht, bevor sie sich richtig ausbilden können. Für Bienen, Hummeln, Grillen oder Schmetterlinge bleibe der Rasen eine grüne Wüste.

„Insgesamt haben wir in Bayern eine Gartenfläche von 135 000 Hektar. Eine riesige Fläche, die wir als lebendigen attraktiven Lebensraum oder als langweilige Rasenfläche gestalten können. Es wäre so einfach, ein paar Blumen im ansonsten satten Grün zuzulassen, und schon hätte man Futter für viele Insekten“, erklärt BN-Kreisvorsitzende Gabriele Betzmeir.

Die beste Lösung wäre deshalb, zunächst durch weniger Mähen der Artenvielfalt eine Chance zu geben, findet sie. Es gebe immer Ecken im Garten, die man in ein Naturparadies verwandeln könne: Blühränder an den gemähten Rasenflächen, naturnahe heimische Heckenpflanzen, Trockenmauern, Teiche oder Totholzhaufen. „Ein igelfreundlicher Naturgarten mit heimischen Blühpflanzen, Laub- und Reisighaufen zum Verstecken ist ein Paradies – nicht nur für Igel, sondern auch für viele andere Arten.

Besonders jetzt diene dichtes Altgras an und unter Sträuchern Igeln als Schlafstätte oder auch Jungvögeln als Versteck, betonen Lanzner und Betzmeir und rufen dazu auf, auf Mähroboter zu verzichten. Tipps für naturgemäße Gartenarbeit gibt es in Internet auf www.bund-naturschutz.de.

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