Sozialpädagoging Julia Parschan ist im Gespräch.
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Hilft bei Essstörungen: Julia Parschan ist Ansprechpartnerin beim Therapienetz.

Magersucht ist nicht die einzige Essstörung

Erding: Therapienetz Essstörungen hilft bei Problemen

Essstörungen sind oft ein Problem, bei dem man Hilfe braucht. Das Therapienetz Essstörungen mit einer Beratungsstelle in Erding kann helfen.

Erding – Dass viele Menschen in den vergangenen Monaten ein paar „Corona-Pfunde“ zugelegt haben, ist vermutlich ganz normal und auch nicht problematisch. Riskant könnte es werden, wenn sich als Reaktion eine Diät-Welle entwickeln würde. Dies wäre ein neuer Nährboden für die Entstehung von Essstörungen, befürchtet das Therapienetz Essstörung, das auch in Erding eine Beratungsstelle betreibt.

Essstörungen sind nicht nur Magersucht und Bulimie (Essbrechsucht), die am meisten bekannt sind. Auch Fettleibigkeit oder das „Binge Eating“, bei dem es zu periodischen Essattacken kommt, gehören dazu. „Diese Störungsbilder sind bei vielen Menschen noch nicht so im Bewusstsein“, erklärt Julia Parschan. Die Sozialpädagogin ist Ansprechpartnerin in der Beratungsstelle.

Das Therapienetz ist sehr bemüht, für jeden, der Hilfe sucht, auch die passende Hilfe zu finden. „Jeder kann bei uns einen Termin für ein unverbindliches und nach Wunsch auch anonymes Beratungsgespräch vereinbaren“, erzählt Parschan. Individualität sei bei der Beratung der Schlüsselbegriff. Bei jedem Menschen sei das Krankheitsbild unterschiedlich. „Im Rahmen einer Erstberatung finden wir gemeinsam heraus, wie es weitergehen kann und was die richtige Hilfsmaßnahme ist.“

So gibt es beispielsweise die Möglichkeit einer Vermittlung in eine ambulante Psychotherapie oder eine alltagspraktische Begleitung durch Einzelbetreutes Wohnen. Ebenfalls können Patienten in stationäre Hilfe, also in Fachkliniken oder essstörungsspezifische therapeutische Wohngruppen, vermittelt werden. In diesen Wohngruppen können sich die Klienten in einem geschützen Rahmen selbst ausprobieren, mit anderen austauschen, ihr Essverhalten stabilisieren und lernen, durch eine selbstständige Organisation ihres Alltags wieder Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

Diese Möglichkeiten bietet das Therapienetz mit seinen „Sonnen-WGs“ in München am Stachus. Einziehen können Mädchen und Frauen ab zwölf Jahren und junge Männer zwischen zwölf und 20 Jahren, die primär an einer Essstörung leiden und Schwierigkeiten haben, den Alltag zu bewältigen. Wie lange die Bewohner im Durchschnitt bleiben, ist laut Parschan ganz unterschiedlich: „Von einem halben Jahr bis hin zu drei Jahren ist alles möglich. Die meisten bleiben aber ein Jahr.“

Obwohl das Therapienetz zu 90 Prozent von Frauen aufgesucht werde, zeigen Studien, dass Männer genauso oft an Essstörungen leiden. Die Dunkelziffer bei Männern ist also deutlich höher. „Es hat natürlich auch immer damit zu tun, wer sich Hilfe und Unterstützung holt“, erklärt Parschan weiter. „Letztlich kommen bei uns, wie auch grundsätzlich im Helfersystem, mehr Frauen an.“

Ob sich die Corona-Krise auf die Entwicklung weiterer Krankheitsfälle ausgewirkt hat, kann Parschan noch nicht beurteilen. Dies würde sich erst in den nächsten Monaten bemerkbar machen. „Unsere Sorge zu Beginn der Corona-Zeit war es, dass die Klienten die Termine per Telefon nicht annehmen würden.“ Dies habe sich aber ganz und gar nicht bestätigt, im Gegenteil: „Es gab sogar ein paar Klienten, die sich getraut haben, eine Erstberatung zu vereinbaren und Hilfe zu suchen. Gegebenenfalls auch weil der Termin sicher erst einmal nur telefonisch stattgefunden hat.“

Jeder, der sich Sorgen über sein eigenes Essverhalten oder das einer nahestehenden Person macht, kann sich mit der Beratungsstelle des Therapienetz’ Essstörung in Erding in Verbindung setzen. Es werden sowohl Chatberatung, telefonische als auch persönliche Gespräche angeboten.

Kathi Kronthaler

Therapienetz Essstörung

Die Beratungsstelle befindet sich an der Spiegelgasse 2 in Erding. Terminvereinbarung unter Tel. (0 81 22) 9 57 76 93 oder per E-Mail an beratung@therapienetz-essstoerung.de.

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