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Maria Braun: Die gute Fee im Haus der Handarbeit

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Erding - Im Haus der Handarbeit hat Maria Braun Stricktipps für Anfänger, Hilfe für Profis und Anleitung für jedes Muster und jeden Strickstil. Seit 50 Jahren ist die 72-Jährige als Erdinger Institution etabliert.

Seit 1976 gibt es das Haus der Handarbeit, so wie man es heute kennt: Wolle türmt sich an den Wänden, Hefte mit Strickvorlagen stapeln sich, und mittendrin steht die Chefin umringt von zwei, vier, machmal sogar zehn Kundinnen, die hier stricken. „Zum Glück ist Frau Braun in der Nähe“, sagt Gisela Crispino, die einen Trachtenjanker für ihren Sohn und das selbe Modell für ihren kleinen Enkel macht. Beim Anfügen der Ärmel zeigt diese ihr mit großmütterlicher Geduld, wie die Nadel geführt werden muss. Fehler sieht und behebt Braun dabei sofort.

„Ich kann mich noch sehr gut an den alten Laden erinnern“, erzählt Astrid Bzoch, während sie eine komplizierte Weste strickt. „Da hat es immer so toll gerochen, vor allem im Winter: nach der Wolle und dem feuchten Dielenboden und den Pelzen. Ich habe es geliebt, da reinzugehen.“ Ab 1955 war das Handarbeitsgeschäft 20 Jahre lang in dem Gebäude, das nun die Parfümerie Howerka beherbergt. Die Schwiegermutter der heutigen Chefin hatte dort nach dem Krieg ihren Laden aufgemacht; ihr Sohn führte die Kürschnerei.

„Ich habe eine Schneiderlehre gemacht“, berichtet die 72-Jährige, „und nach dem Krieg war ich arbeitslos“. Vom Amt wurde sie nach Erding zu Sophie Braun geschickt. „Mei, und ich hab’ gedacht: Da halt ich’s keine sechs Wochen aus.“ Die Arbeit war schwer, und die harten Pelze zu nähen, behagte dem jungen Mädel, das nur dünne Stoffe gewohnt war, gar nicht. „Aber dann hab ich meinen Mann kennengelernt, und dann war alles ganz anders“, sagt sie.

Regelmäßig kommen auch Kundinnen aus den Nachbarlandkreisen, und sogar am Flughafen wird die Adresse für Handarbeitsfragen herumgereicht. Für alle hat Braun Strickmuster umgerechnet und Maschen vorgeführt. Als eine Kundin zu der plaudernden und strickenden Runde kommt und ihr neuestes Werk vorzeigt, wird offenbar, was Braun noch mehr freut, als ihr Wissen zu vermitteln: Wenn die Kundinnen stolz die Ergebnisse ihrer Mühen vorzeigen. „Mei, das ist aber schön geworden“, strahlt Braun.

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