Vor Gericht 

Marihuana-Plantage im Keller

Erding – Für den Anbau von Drogen mussten sich zwei Männer vor Gericht verantworten. Beide kamen mit Bewährungsstrafen davon und müssen tief in die Tasche greifen.

Fast unglaublich, aber mitten in Erding betrieben zwei Drogenkonsumenten in einem Keller eine Marihuana-Plantage. Der Acker unter der Erde brachte quantitativ wie qualitativ hervorragenden Stoff hervor. Die beiden Angeklagten, 31 und 33 Jahre alt, kennen sich seit rund drei Jahren.

Anfang 2015 kamen sie auf die Idee, einen Kellerraum in Erding zu mieten, um Marihuana anzubauen. Ganz professionell investierten sie 1500 Euro in Wärmelampen, Ventilator und Geruchsneutralisierer. Die erste Ernte war zwar für den Müll, weil das Duo zum Trocknen keine Geduld aufbrachten. Dann klappte alles wie am illegalen Schnürchen. So sehr, dass der Hausmeister der Wohnanlage am 18. März nicht umhin kam, den verräterischen Duft im Keller wahrzunehmen und die Polizei zu alarmieren.

Die Beamten staunten nicht schlecht: Neben 25 größeren Pflanzen, bereit zur Ernte, fanden sich noch 48 Setzlinge für die nächste Aussaat sowie über ein Kilogramm abgeerntetes und getrocknetes Marihuana – von bester Qualität mit einem Wirkstoffgehalt von insgesamt 97,3 Prozent.

Dass sich neben einer Gaspistole und Pfefferspray auch eine Waage und Verpackungsmaterial fanden, brachte die Kellergärtner in den Verdacht, Handel zu treiben. Das bestritten beide vor dem Amtsgericht Erding.

Der 33-jährige Selbstständige, frisch verheiratet und Vater eines Kindes, erklärte, dass er eben nichts mit dem Drogenhandel zu tun haben wollte und nur Eigenproduktion betreibe. Ihm habe der abendliche Joint geholfen, Einschlafprobleme nach einem Bandscheibenvorfall zu ignorieren. Seit der Entdeckung sei er clean.

Auch sein Freund, Angestellter, verheiratet Vater zweier Kleinkinder, gab eher mäßigen Konsum an und war wohl mehr vom Erfolg der Plantage berauscht. Er hat freiwillig ein Abstinenzprogramm begonnen und will dies fortsetzen.

Für den Staatsanwalt kam schon aufgrund der „nicht geringen Menge“ kein minderschwerer Fall in Frage. Er forderte eineinhalb Jahre Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt werden könnte, da beide nicht vorbestraft seien und in einem gesicherten sozialen Umfeld lebten.

Die Verteidiger bemühten sich dennoch um einen Strafrahmen für einen minderschweren Fall, beginnend ab drei Monaten. Insbesondere Rechtsanwalt Thomas Pfister aus München, der den 33-Jährigen vertrat, fragte an, „wem der Angeklagte eigentlich etwas getan hat?“

Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Björn Schindler hielt sich dennoch an den „Normalfall“ und verurteilte beide zu je einem Jahr und drei Monaten Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurden. Dafür sprach das von Reue geprägte Geständnis.

Als Auflage muss der 31-Jährige eine Geldauflage von 1000 Euro, sein Freund 1400 Euro an den Prop e.V. Erding überweisen. Ferner muss das Abstinenzprogramm fortgesetzt und mit freiwilligen Drogenscreenings nachgewiesen werden.

Gert Seidel

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