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Die bestens besuchte Matinee in der Stadtbücherei war dem Dichter H.C. Artmann gewidmet (v.l.): Peter B. Heim, Johannes Scholten, Dieter Knirsch, Winfried Scholten, Quirin Vogel, Vroni Vogel, Nicolas Wachter und Büchereileiterin Ingrid Müller-Heß. 

Matinee in der Stadtbücherei

Sieben Kulturschaffende widmen sich literarischem Einzelgänger

Hans Carl Artmann war ein literatscher Einzelgänger, der die Gabe besaß, Menschen an sich zu binden und ein vielgestaltiges Werk zu schaffen. In einer kurzweiligen Matinee am Sonntagvormittag in der Erdinger Stadtbücherei erinnerten Peter B. Heim, Johannes und Winfried Scholten, Vroni Vogel und Nicolas Wachter an den österreichischen Dichter.

ErdingHans Carl Artmann war ein literarischer Einzelgänger, der die Gabe besaß, Menschen an sich zu binden und ein vielgestaltiges Werk zu schaffen. In einer kurzweiligen Matinee am Sonntagvormittag in der Erdinger Stadtbücherei erinnerten Peter B. Heim, Johannes und Winfried Scholten, Vroni Vogel und Nicolas Wachter an den österreichischen Dichter, der drei Mal Erding besuchte, das letzte Mal 1978. Dieter Knirschs und Quirin Vogels Klavierimprovisationen korrespondierten mit den Worten.

Die Veranstaltung war bestens besucht. Winfried Scholten hatte das Konzept zur Matinee erarbeitet und den Schriftsteller auch persönlich kennengelernt. Den Kontakt hatte damals Kulturpreisträgerin Emanuela Schwankl hergestellt. Vroni Vogel gab eine kurze Einführung zu Hans Carl Artmann, der am 12. Juni 1921 in Wien-Breitensee geboren wurde und am 4. Dezember 2000 in Wien starb. Der mehrfach mit Preisen ausgezeichnete Dichter gehörte zur Wiener Nachkriegsavantgarde, in sein Werk flossen Elemente des Expressionismus, Dadaismus und Surrealismus ein. Artmann hat vieles virtuos gestaltet. Es gibt von ihm sogar einen Asterix-Band auf Wienerisch.

Es war schon eine große Aufgabe, seine kunstvoll verdichteten „Persischen Quadrainen“ so vorzutragen, dass der Zuhörer den Schlüssel in die Hand bekam, diese Gedichte zu ergründen. Sprecher Wachter meisterte seinen Part exzellent. Begeisternd war auch der Vortrag von Johannes Scholten, der gekonnt Artmanns Mundartgedichte vortrug. Er vermittelte die gefährliche Abgründigkeit, den Wiener Schmäh und packenden Sprachwitz dieser Lyrik auf unterhaltsame Weise.

Die Pianisten Knirsch und Vogel reagierten spontan auf die Texte mit Wienerischen Klängen im Dreivierteltakt, orientalischen Tonleitern und Ausflügen in den Jazz, teils auch nur mit prägnanten musikalischen Einwürfen.

Winfried Scholten, für den Artmann eine Herzensangelegenheit war, gab kenntnisreich Einblick in die Machart der „Quadrainen“, in denen sich morgen- und abendländische Einflüsse begegnen und auch in alle weiteren lyrischen Texte. Mit seinen aufschlussreichen Ausführungen lieferte er wichtige Hinweise zum Textverständnis.

Heim sprach über Leben, Werk und Bedeutung Artmanns – fundiert recherchiert, in klare Worte gefasst und locker vorgetragen. Am Ende gab es noch ein großes Dankeschön der Mitwirkenden an die Büchereileiterin Ingrid Müller-Heß und ihr Team. Ihrem Engagement sei es zu verdanken, dass so viele spannende Veranstaltungen in der Stadtbücherei abgehalten werden. 

 red

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