An Einzeltischen in der Schulturnhalle schrieben die Abiturienten im vergangenen Jahr ihre Prüfungen am Anne-Frank-Gymnasium. Heuer werden sie in verschiedene Räume aufgeteilt.
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An Einzeltischen in der Schulturnhalle schrieben die Abiturienten im vergangenen Jahr ihre Prüfungen am Anne-Frank-Gymnasium. Heuer werden sie in verschiedene Räume aufgeteilt.

Für hunderte Gymnasiasten und FOS/BOS-Schüler im Landkreis Erding beginnen nächste Woche die Prüfungen

Mehr Angst vor Ansteckung als vorm Abitur

Landkreis - Im zweiten Jahr in Folge finden die Abiturprüfungen unter Corona-Bedingungen statt. Dennoch sind die 347 Gymnasiasten und rund 500 FOS/BOS-Schüler in Erding gut vorbereitet.

Nächste Woche wird es ernst für hunderte Gymnasiasten und FOS/BOS-Schüler im Landkreis Erding. Am Mittwoch, 12. Mai, beginnen die Abiturprüfungen. Los geht’s mit Deutsch. Sechs Tage später folgt Mathe. Die Leiter der drei Gymnasien im Landkreis sind sich einig, dass die 347 Abiturienten – trotz der Corona-Pandemie – auch heuer bestens vorbereitet sind.

Es ist das zweite Abitur in der Corona-Pandemie. „Die Abiturienten mussten in diesem Jahr viel Angst bewältigen“, sagt Regine Hofmann, Leiterin des Anne-Frank-Gymnasiums (AFG) in Erding. „Positiv auf das Virus getestet zu werden, schwebt momentan wie ein Damoklesschwert über ihnen.“ Ansonsten stünden die Absolventen unter Strom, so wie auch die 102 Prüflinge im Jahr zuvor: „Sie sind in einem Tunnel, fokussiert und konzentriert auf die Aufgaben.“ Dreimal in der Woche werden die Schüler getestet, um die letzten Unterrichtstage so sicher wie möglich zu gestalten.

Es war kein leichtes Jahr für die 347 Abiturienten im Landkreis. Drei von vier Halbjahren der Oberstufe hat die Pandemie geprägt, dennoch hat kein Schüler seinen Abi-Termin auf das kommende Jahr geschoben. Am Korbinian-Aigner-Gymnasium in Erding treten heuer 152 Abiturienten zu den Prüfungen an, im Vorjahr waren es 163.

„Die Schüler sind bestens vorbereitet, die Lehrer haben den Stoff gut vermittelt“, sagt KAG-Leiterin Andrea Hafner. „Die reine Wissensvermittlung hat auch digital sehr gut funktioniert, da haben die Schüler selbstständiges, eigenverantwortliches Arbeiten gelernt. Ganz elementar für ein Studium.“ Zudem hatten die Abschlussklassen seit Februar Präsenzunterricht, erinnert Hofmann: „Die Schüler kamen schnell wieder in den Lernrhythmus hinein.“

Die Abiturienten aller drei Gymnasien sollen die Möglichkeit haben, sich am Tag vor den Prüfungen testen zu lassen. Wer dies nicht will, muss die Prüfungen in einem anderen Raum schreiben. Gleiches gilt für Schüler, die als Kontaktperson ersten Grades in Quarantäne sind. Diese dürfen sie für das Abitur unterbrechen.

Heuer sei es nicht möglich, die Prüfungen in der Turnhalle zu schreiben, erklärt Markus Höß, Leiter des Dorfener Gymnasiums. „Wir mussten umorganisieren, werden die 114 Abiturienten auf Kleingruppen im ersten und zweiten Stock verteilen.“

Das Szenario ist in den beiden Erdinger Gymnasien ähnlich, auch dort werden die Prüflinge in kleine Gruppen aufgeteilt. „Die Abiturienten sollen sich auf die Prüfungen konzentrieren, die Belastung soll möglichst gering sein“, sagt Höß.

Viel wurde gestritten, ob das Abitur aufgrund inhaltlicher Erleichterungen für die Schüler nicht einen Makel darstellen könnte. Eltern hatten Angst, dass es eine Hürde im Berufsleben sein könnte. Das sehen die Schulleiter anders. „Es ist ein gleichwertiges Abitur, die Aufgabe waren letztes Jahr schon fertig“, betont Hofmann.

Höß ist überzeugt, dass wieder viele mit Bestnoten abschließen werden – so wie in den Jahren zuvor. Sein Wunsch: „Zumindest die Abiturfeier im Juli wollen wir mit einer feierlichen Übergabe der Zeugnisse gestalten.“ Ihm ist es wichtig, gerade im schwierigen Corona-Jahrgang das Abitur wertschätzend zu feiern: „Das haben die Abiturienten in der aktuellen Situation verdient.“

An der FOS/BOS in Erding beginnen nächste Woche für rund 500 Schüler die mündlichen Abschlussprüfungen in Englisch. Als Vorsichtsmaßnahme und wegen der nach Ostern hohen Inzidenzwerte im Landkreis – gerade in der Gruppe der 15- bis 19-Jährigen – hatte Schulleiter Jens Baumgärtel die Schüler früh ins Homeschooling geschickt. Auch an der FOS/BOS hatten die Infektionsfälle seit Ende der Osterferien wieder zugenommen.

Hätte die Schule den Präsenzunterricht fortgesetzt, wären – bei durchschnittlich zwei bis drei Infektionsfällen pro Woche an der FOS/BOS – etwa 15 Lehrkräfte durchgehend in Quarantäne, darunter auch Englischlehrer. Dies wollte Baumgärtel mit Blick auf die Englischprüfungen nächste Woche vermeiden. Denn im Gegensatz zu Schülern darf eine vom Gesundheitsamt verordnete Quarantäne von den Lehrkräften für die Prüfungsabnahme nicht unterbrochen werden. Deshalb sei es wichtig gwesen, „die Kontakte in den letzten Wochen vor Prüfungsbeginn an unserer Schule, insbesondere in den Abschlussklassen, auf das absolute Mindestmaß zu reduzieren, damit die Prüfungen geordnet durchgeführt werden können.“ Zudem begann am vergangenen Freitag die Erstimpfung von 22 FOS/BOS-Lehrkräften.

MICHAELE HESKE und ANNA HOBMAIER

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