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Auch als Schlagerstar Meggy Montana kam Wolfgang Krebs beim Erdinger Publikum gut an. 

Der Meister der Rollenspiele

Erding – In viele Rollen schlüpft der bekannte Parodist Wolfgang Krebs, wenn es darum geht, die Leute vom Abwandern in die Stadt abzuhalten. Sein neues Programm mit dem auf den ersten Blick verwirrenden Titel „Geh zu, bleib da!“ lockte viele am Donnerstagabend in die Erdinger Stadthalle. In seinem Kampf gegen die Landflucht brachte Krebs einige unerwartete Gags und Lacher unters Publikum.

Zunächst ist Wolfgang Krebs, immer vor der Kulisse einer scheinbar heilen Voralpen-Landschaft, der Schlawiner Schorsch Scheberl. Er stammt aus einem Ort, dessen langer Name keine Wiedergabe erlaubt, und er macht dort quasi alles. Natürlich auch die Organisation der politischen Wahl – mit einem raffinierten Trick: „Die Bleistifte in der Kabine haben eine so kurze Schnur, dass damit nur ein Kreuz auf der Liste bei der CSU möglich ist. Bei einem, der anders wählt, fällt die Kabine um.“

So weiß der Schorsch nicht nur, wer die SPD gewählt hat. Er kennt auch „die aus dem Neubaugebiet, die sich nirgendwo engagieren“, und kann erklären, weshalb Frauen auf dem Land Unterwäsche aus Lack und Leder tragen: „Damit sie immer riechen wie ein neuer Traktor.“

Krebs tritt aber auch als die Allgäuer Schlager-Ikone Meggy Montana auf. Zur Freude der instinktiv mitklatschenden Menge intoniert er seinen Hit „Was ich am meisten an mir mag, das ist mein guter Bausparvertrag“. Dazu rockt er über die Bühne und zeigt trotz seiner 52 Jahre keinerlei Konditionsschwäche.

Am liebsten aber persifliert der ehemalige Postbeamte bayerische Politiker, etwa Edmund Stoiber. In Mimik und Sprache nicht vom Original zu unterscheiden, findet er, dass „Bayern dort am schönsten ist, wo ich gerade bin“. Jetzt ist er in Erding, „der Stadt mit den meisten Kreisverkehren“.

Er ist sauer darüber, dass seine Daten nicht auch ausspioniert wurden, spricht in gewollter Wort-Verwechslung von der „Kopulation zwischen CSU und den freien Quälern“. Hubert Aiwanger, deren Chef, „der kein A sagen kann“, ahmt er zielsicher nach: „Der musste sich übrigens nicht über den Tisch ziehen lassen, der saß schon auf Söders Schoß.“

Auch der amtierende Landeschef, der „mit den Mitteln des Autos dafür sorgt, dass die Leute in der Stadt nicht zu alt werden“, bekommt sein Fett ab. Innenminister Joachim Herrmann legt Krebs in den Mund, dass die „größte Peinlichkeit auf der Welt zwischen Kanada und Mexiko liegt“. Denselben Sprachfehler, das Pressen des Mundwassers zwischen den Schneidezähnen, attestiert er sowohl Inge Meysel als auch Ex-Bundespräsident Joachim Gauck. Natürlich imitiert Krebs die kracherte Lache von Horst Seehofer, der seinen italienischen Amtskollegen Matteo Salvini als „eine Art Björn Höcke all’arrabiata“ bezeichnet. „Aber bevor die Italiener etwas registrieren an ihrer Grenze, hat die Mafia längst aus Heizöl Grappa hergestellt.“

Und dann kehrt Krebs zurück zu seinem Feldzug gegen das Stadtleben, diesmal als König Ludwig II. „Am Wochenende besuchen Leute aus der Stadt meine riesigen Immobilien, die ich einst im so genannten Außenbereich gebaut habe. Und danach gehen sie wieder in ihr Ein-Zimmer-Apartment für 1000 Euro Kaltmiete, in dem sie in Dusche und Toilette zwei Geschäfte gleichzeitig erledigen. Sie sagen ganz stolz, dass sie in Schwabing wohnen, dabei ist es aber nur Milbertshofen-Süd.“ (Friedbert Holz)

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