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Geballte Hochwasserkompetenz: Stadthallen-Chefin Jutta Kistner stellte mit Christian Leeb (Wasserwirtschaftsamt), Christian H. Wirz (Europaverband Hochwasserschutz e.V.), Christian Rank (Rank Wasserschutzsysteme), Christian Schmidt (Versicherungskammer Bayern), Elisabeth Floßmann (Josef Hain GmbH), Xaver Storr (IBS Technics GmbH), Roland Kaiser (TBS Torbau Schwaben) und Messe-Veranstalter Detlef Garthen (v. l.) den ersten bayerischen Hochwasserschutztag vor. Er findet am 7. April in der Stadthalle Erding statt.

Messe in der Stadthalle 

Hochwasser: Richtig bauen schützt

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Was kann jeder Immobilienbesitzer selbst tun, um sein Hab und Gut vor Hochwasserschäden zu schützen? Dieser Frage geht der erste bayerische Hochwasserschutztag nach, der am 7. April in der Stadthalle Erding stattfindet.

ErdingEs war das erste Juni-Wochenende 2013, das sich bei vielen Bürgern im Landkreis ins Gedächtnis eingebrannt hat. Nicht als die ersten sonnigen Sommertage, sondern als das Wochenende, das in vielen Gemeinden Zerstörung brachte. Zerstörung in Form von Wasser und Schlamm.

Seit diesem Ereignis haben vor allem die Behörden dem Hochwasser den Kampf angesagt. Doch auch jeder private Immobilienbesitzer kann selbst Vorsorge treffen. Wie, das thematisiert der Messeservice Garthen in einer eigenen Ausstellung. Der Hochwasserschutztag – die erste Veranstaltung dieser Art in ganz Südbayern – findet am Samstag, 7. April, in der Stadthalle Erding statt.

Schäden könnenExistenzen gefährden

„Ob Starkregen, Überschwemmungen oder ein nach tagelangem Dauerregen steigender Grundwasserspiegel: Die durch Wassermassen angerichteten Schäden können ganze Existenzen vernichten“, erklärte Stadthallen-Chefin Jutta Kistner in einer Pressekonferenz zur Messe. Diese soll den Bürgern Hilfe zur Selbsthilfe bieten – und zwar schon bevor das Unglück passiert. Bei kostenlosem Eintritt können sich die Besucher bei mehr als 20 Ausstellern Informationen aus erster Hand holen.

Mit an Bord sind viele Unternehmen, die von wasserdichten Lichtschächten über Pumpen bis hin zu Lacken zur Sanierung von Wasserschäden eine breite Produktpalette anbieten. Aber auch das Wasserwirtschaftsamt München ist vertreten, außerdem Versicherungen sowie die Feuerwehren Erding und Altenerding. Sie zeigen im Freien unter anderem, wie man Sandsäcke befüllt. Der Europaverband Hochwasserschutz ist mit einem mobilen Prüfcontainer vor Ort, und das Hochwasser-Kompetenz-Centrum (HKC) bringt sein Infomobil zur Überflutungsvorsorge mit.

„Der Fokus dieser Messe ist sehr gut gewählt“, sagte Wasserwirtschaftsamtsleiter Christian Leeb im Pressegespräch. Es sei richtig, die Bürger zu informieren, denn „die beste Vorsorge ist der bauliche Schutz – neben einem ausreichenden Versicherungsschutz für die Nachsorge“. Dazu erklärte Christian Schmidt von der Versicherungskammer Bayern, dass viele Hausbesitzer nicht wüssten, dass ihr Gebäude nicht gegen Hochwasserschäden versichert ist. Nach aktuellen Zahlen der Versicherungskammer schützen nur rund 44 Prozent der Hausbesitzer in der Stadt Erding und 35 Prozent im Landkreis ihr Haus umfassend. Dabei könnten 99,8 Prozent aller Gebäude in Bayern problemlos versichert werden.

Versicherung ab100 Euro im Jahr

„In der Stadt Erding zum Beispiel gibt es nur vier Gebäude, die wir so nicht versichern würden“, sagte Schmidt und schob gleich hinterher: „Aber auch für diese gibt es Möglichkeiten, mit entsprechenden Nachrüstungen einen Schutz zu bekommen.“ Gerade rund 100 Euro koste es im Jahr, in Erding ein Standardhaus gegen Elementarschäden zu versichern.

Gut angelegtes Geld, wie Schmidt erklärte, sei die Höhe eines durchschnittlichen Wasserschadens doch mit dem zu vergleichen, was ein Feuer im Schnitt anrichte. „Das kann bis zum Totalschaden gehen“, sagte er und verwies auf einen Beschluss der Bayerischen Staatsregierung. Demnach werden ab 1. Juli 2019 Unwetter-Opfern keine staatlichen Soforthilfen mehr gewährt, sofern das Gebäude versicherbar gewesen wäre – und das seien eben fast 99 Prozent aller Gebäude.

Ansprechen möchte die Messe neben Immobilienbesitzern, die ihr Haus nachrüsten wollen, auch junge Bauherren. „Schützt euch rechtzeitig“, lautet deshalb die Botschaft von Elisabeth Floßmann von der Josef Hain GmbH aus Ramerberg, die unter anderem Lösungen für Kellerfenster und Lichtschächte anbietet.

Explizit sind auch Menschen angesprochen, die nicht direkt an einem Gewässer leben. Denn immer mehr Schäden entstehen durch Starkregen oder steigendes Grundwasser. „70 Prozent unserer Kunden leben in Gebieten ohne Gewässer in der Nähe. Sie hätten nie damit gerechnet, jemals mit diesem Problem konfrontiert zu sein“, sagte Christian Rank, Inhaber der Firma Rank Wasserschutzsysteme aus Inning am Ammersee.

„Es ist uns ein Anliegen, dass die Leute sich in Ruhe mit diesem Thema beschäftigten“, fasste Kistner zusammen. Sie hat selbst Erfahrungen mit Hochwasserschäden machen müssen. Als „großes Plus“ der Messe bezeichnet sie die persönliche Beratung: „Das schafft das Internet nicht.“ Freilich könne die Schau den Besuch der Experten zuhause nicht ersetzen. Doch es gehe in erster Linie darum, sich über Schutzmöglichkeiten zu informieren, Kontakte zu knüpfen und vielleicht schon den groben finanziellen Rahmen für Nachrüstungen festzulegen.

Der Hochwasserschutztag

findet am Samstag, 7. April, von 10 bis 18 Uhr in der Stadthalle statt. Der Eintritt ist frei. Die Messe beginnt um 10.30 Uhr mit einer Podiumsdiskussion, an der unter anderem Oberbürgermeister Max Gotz teilnehmen wird. Den ganzen Tag über gibt es Fachvorträge. Infos zu Ausstellern und Programm gibt es im Internet auf www.hochwasserschutztag.de.

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