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Landgericht Landshut

Messerstiche statt Umarmung: Schizophrene Erdingerin vor Gericht

„Stimmen gehört“: Eine 28-jährige Erdingerin versucht, ihren Mann zu töten. Das Landgericht ordnet daher eine Unterbringung an.

Erding/Landshut – Als sich seine Frau zu ihm ins Bett legte, erwartete ein Erdinger eine Umarmung. Doch als er sich ihr zuwandte, stach sie mit einem Messer auf ihn ein. Der 30-Jährige erlitt zwei Stichverletzungen am Oberarm, ehe er seine Frau von sich schubste. Sie habe auf Geheiß fremder Stimmen gehandelt, sagte die 28-jährige Frau am Dienstag vor dem Landgericht in Landshut aus.

Sie habe ihrem Mann „in das Herz stechen“ wollen, weil er sie nicht nach Mekka habe fahren lassen, hatte sie unmittelbar nach der Tat der Polizei gegenüber angegeben. „Mekka spielt keine Rolle“, sagte Verteidiger Patrick Schladt und verwies auf die Beweisaufnahme, die ergeben hatte, dass die Beschuldigte unter einer paranoiden Schizophrenie leidet, und zur Tatzeit einen akuten Schub hatte. Seine Mandantin habe somit rechtswidrig, aber nicht schuldhaft einen versuchten Totschlag begangen.

Wie schon Staatsanwältin Katharina Smolka beantragte Schladt die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus. Die erste Strafkammer gab dem statt. Die Prozessbeteiligten waren sich darin einig gewesen, dass von der 28-Jährigen aufgrund ihrer Erkrankung derzeit noch eine zu große Gefahr für ihr Umfeld ausgehe.

Der Beschuldigten gehe es durch die Behandlung im Klinikum Taufkirchen nun zwar einigermaßen gut, so Vorsitzender Richter Markus Kring in der Urteilsbegründung, doch stehe sie vor einer Situation, die sie wieder destabilisieren könnte: Die 28-Jährige erwartet ihr erstes Kind.

Kring verwies zudem auf die Tatsache, dass die Verkäuferin seit längerem um ihre psychische Erkrankung gewusst und dennoch immer wieder aus diversen Gründen ihre Medikamente abgesetzt habe. „Wahrscheinlich wäre es nicht zu der Tat gekommen, hätte sie ihre Medikamente genommen.“

Wie sie selbst vor Gericht einräumte, hatte die 28-Jährige auch vor der Tat ihre Medikamente abgesetzt, weil sie als Nebenwirkung immer wieder mal gezittert habe.

Folgt man der Einlassung der Mutter, so hat sich die Krankheit zum ersten Mal bemerkbar gemacht, als die Tochter die Abschlussprüfung nicht bestanden hat. Jeden Tag habe sie geweint. Habe man ihr helfen wollen, sei sie aggressiv geworden. Einmal habe sich ihre Tochter die Hand am Herd verbrannt. „Ich muss mich strafen“, habe sie das begründet.

Von Arzt zu Arzt sei sie mit ihrer Tochter, bis Schizophrenie diagnostiziert wurde. Laut der Mutter war es dann ein täglicher Kampf, die Tochter zur Einnahme ihrer Arzneien zu bewegen. Später übernahm diese Rolle der Ehemann. Weder er noch die Mutter hatten unmittelbar vor der Tat am 21. Mai 2020 Anzeichen für eine bevorstehende Katastrophe bemerkt.

Die Tochter sei zum Abendessen bei ihr gewesen und habe noch mit ihren Geschwistern gescherzt, so die Mutter. Sie sei an dem Abend „ganz normal“ gewesen, hatte auch der 30-jährige Ehemann, der gestern die Aussage verweigerte, dem Ermittlungsrichter gegenüber angegeben. Und: „Ich liebe meine Frau und möchte nicht, dass sie Probleme bekommt.“ Dementsprechend hatten er und die herbeigerufene Mutter nebst Tante nach der Tat zunächst lange überlegt, was zu tun sei. Da der Blutverlust jedoch nicht unerheblich war, wurde die Polizei gerufen.

Die psychiatrische Sachverständige Dr. Verena Klein hatte der Beschuldigten für die Tat die Schuldunfähigkeit attestiert. „Wahnhaftes Erleben“ habe sie dazu verleitet, nochmals aufzustehen und aus der Küche ein Messer zu holen. „Wahnhaftes Erleben“ habe auch bei den Stichen ihre Hand geführt.

Aufgrund der Medikation in Taufkirchen höre die 28-Jährige keine Stimmen mehr. Sie sei auf einem guten Weg. Von einer Aussetzung der Unterbringung zur Bewährung riet Klein allerdings dringend ab. Dazu sei die Frau noch nicht stabil genug. Zu Beginn ihres Klinikaufenthalts habe sie etwa phasenweise auf ihren Bauch eingeschlagen, um das ungeborene Kind zu töten. Mittlerweile freue sie sich aber sehr auf ihr Baby, beteuerte die 28-Jährige leise vor Gericht.

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