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Erding nicht unbedingt von seiner schönsten Seite: Auch in der Altstadt stehen Geschäfte leer. Das Bild zeigt das frühere Mayr-Wirt-Gebäude an der Haager Straße.

Interview zu Gewerbeimmobilien in Erding  

Die Mieten haben sich verdoppelt

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In Erdings Innenstadt stehen einige Gewerbeimmobilien leer. Einer der Gründe ist die Konkurrenz des Gewerbegebiets im Westen.

Erding– Der Videospiel-Laden am Spielberger-Eck steht leer, die Ladengeschäfte im Mayr-Wirt sind verwaist, im ehemaligen Möbelhaus Falterer herrscht gähnende Leere.Doch ist der Leerstand von Gewerbeimmobilien in Erding tatsächlich so groß, wie es den Eindruck macht? Welchen Einfluss hat das Gewerbegebiet im Westen? Und was kostet eigentlich der Quadratmeter derzeit zur Miete? Darüber sprachen wir mit Karl Kainz, Geschäftsinhaber des gleichnamigen Erdinger Immobilienbüros, und seinem Mitarbeiter, dem Bank- und Immobilienkaufmann Maximilian Hofer.

-Herr Kainz, wie ist die Situation in Sachen Gewerbeimmobilien in Erding?

Karl Kainz: Der Markt in Erding ist zweigeteilt – die Innenstadt auf der einen und der Westpark auf der anderen Seite. In den Westpark wollen viele Gewerbetreibende, vor allem Filialisten. In der Stadt hingegen gibt es noch einige eingesessene Unternehmen. Aber wenn dort irgendwann kein Nachfolger mehr da ist, versuchen die Leute, die Geschäfte zu vermieten.

-Also gibt es gar nicht so viele Leerstände im Zentrum?

Kainz: Es gibt immer wieder Leerstände. Aber die Situation war schon mal deutlich schlimmer.

-Warum hat man trotzdem das Gefühl, dass so viele Läden leer stehen?

Kainz: Man muss immer auch die Hintergründe kennen. Nehmen wir das Beispiel Haager Straße. Es ist nicht so, dass es dort keine Interessenten gäbe. Im Fall des Mayr-Wirt zum Beispiel steht bekanntermaßen ein Abriss an.

Maximilian Hofer: Solange nicht feststeht, wie und wann es konkret weitergeht, macht es zudem keinen Sinn, es zu vermieten.

Kainz: Das wäre auch für den Mieter unfair, der sich gerade etabliert und dann wieder ausziehen muss.

-Gefühlt gibt es im Zentrum nur noch Handy-Läden und Optiker.

Kainz: Das Problem haben viele Innenstädte: Es werden immer mehr Filialisten, während inhabergeführte Geschäfte aufhören. Ich habe die Befürchtung, dass sich ähnlich große Städte da allmählich angleichen.

-Ist da die Konkurrenz des Gewerbegebiets im Westen spürbar?

Hofer: Definitiv. Das Gewerbegebiet zieht viele Kunden.

Man bekommt dort alles an Ort und Stelle und hat viele kostenlose Parkplätze. Das lockt auch Unternehmen an.

Kainz: Aber es tut der Innenstadt nicht gut – im Übrigen genauso wie die Tatsache, dass viele Ärzte in den Medizin Campus abgewandert sind. Früher war man in der Innenstadt beim Doktor, hat danach noch einen Kaffee getrunken oder etwas eingekauft. Heute fährt man zum Facharztzentrum und danach gleich nach Hause.

-Was macht Erding trotzdem attraktiv?

Kainz:Was unglaublich attraktiv ist, sind die schönen Cafés. Zu uns kommen viele Auswärtige, die hier eine Wohnung suchen und Erding mit Städten in der Umgebung vergleichen. Von denen bekommen wir oft gesagt, dass es so eine schöne Stadt sei.

-Wie hoch sind aktuell die Mietpreise für Gewerbeimmobilien in Erding?

Kainz: In Erding haben sich die Mietpreise in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt. Für rund 60 Quadratmeter große Ladenlokale im 1a-Geschäftskern, also direkt in der Innenstadt, lag der Durchschnittspreis im Herbst 2007 bei 12,50 Euro pro Quadratmeter. 2008 machte sich die Finanzkrise bemerkbar, da gingen die Preise runter. Inzwischen liegen sie bei 22,50 Euro je Quadratmeter. Für Ladenlokale im 1a-Geschäftskern mit etwa 150 Quadratmetern sind die Preise im gleichen Zeitraum von elf auf 21,50 Euro gestiegen. Mehr als verdoppelt haben sie sich die Büromieten – von 5,80 auf 12,30 Euro.

Karl Kainz (l.) und Maximilian Hofer.

-Wie sieht es außerhalb der Innenstadt aus?

Kainz: Es gibt durchaus vernünftige Vermieter, die noch in Innenstadtnähe den Quadratmeter für unter zehn Euro anbieten. Bei so einem Preis bekommt man dann auch Mieter, die einen langfristigen Vertrag unterschreiben. Außerhalb findet man auch Gewerbe- und Büroflächen die weit unter den Durchschnittspreisen. Im Industriegebiet bekommt man den Quadratmeter schon für sechs Euro.

Hofer: Wer nicht auf Laufkundschaft angewiesen ist, etwa Physiotherapeuten oder Arbeitsvermittler, findet außerhalb ideale Räume.

-Was macht eine Immobilie interessant für Gewerbetreibende?

Kainz: Das kann man pauschal nicht sagen. Kleinere Flächen um die 60 Quadratmeter sind gefragt für den Verkauf von Lebensmitteln.

Hofer: Aber auch für Start-Ups, die sich etwas aufbauen wollen. Sie können sich hohe Mieten meist nicht leisten.Kainz: Jedoch ist bei dieser Größe der Umsatz gut zu schaffen, den man braucht, um die Miete zu zahlen.

Hofer: Größere Ladengeschäfte fragen eher bestehende Firmen nach, die sich vergrößern wollen. Das Objekt muss einfach passen.

-Und natürlich muss auch der Preis stimmen.

Kainz: Ganz klar, es kommt auch auf die Miethöhe an. Übertreiben es die Leute, haben sie einen Leerstand. Wir raten zu moderaten Preisen und versuchen, die Leute von überzogenen Preisvorstellungen runterzubringen. Lieber sollen sie weniger verlangen und haben dafür einen langfristigen Mieter, als dass sie mehr verlangen, und der Mieter alle paar Jahre wechselt, weil er sich die Kosten nicht mehr leisten kann. Es muss fair für beide Parteien sein.

-Und wie sieht der Erdinger Wohnungsmarkt aus?

Kainz: Der Markt ist abgegrast. Es gibt zu wenige Mietwohnungen. Es wird Zeit, dass sich am Poststadl und im Erdbeerfeld etwas tut. Das wären ein paar hundert Wohnungen. Die fehlen einfach.

Hofer: Die Nachfrage ist so groß, dass wir teilweise Angebote nur wenige Stunden online haben, weil uns quasi über Nacht 100 Anfragen erreichen, die wir alle beantworten müssen.

Kainz: Jedoch können wir nur etwa zehn Prozent der Menschen, die bei uns eine Wohnimmobilie zur Miete suchen, tatsächlich eine vermitteln. Die Situation ist schlimm, besonders für Familien mit Kindern. Manche sind sogar so verzweifelt, dass sie einfach alles anfragen, teilweise sogar Apartments.

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