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Ministerpräsident Horst Seehofer im Weißbräuzelt: Große Attacken ritt der CSU-Vorsitzende kaum. Über weite Strecken lobte er die starke Wirtschaftskraft des Freistaates. Die Ansprache war im Ton meist ruhig und selbstbewusst, garniert mit ironischen Seitenhieben. Die Zuhörer quittierten das mit Applaus, große Begeisterungsstürme blieben aus.

Ministerpräsident Horst Seehofer in Erding

"Klare Zusagen" zu Startbahn drei

Erding – Die Zuhörer im vollen Weißbräuzelt erlebten gestern den Wahlkampfauftritt eines gut aufgelegten Ministerpräsidenten. Horst Seehofer demonstrierte bayerisches Selbstbewusstsein.

Die zentralen Anliegen der Flughafenregion bestimmten schon die Ankunft von Ministerpräsident Horst Seehofer auf dem Erdinger Volksfestplatz: die Probleme rund um den Verkehr. Gestern fuhren die beiden schwarzen Staatskarossen mit Blaulicht auf dem Dach etwas verspätet vor dem Weißbräuzelt vor. Seehofer habe im Stau gestanden, zuletzt auf der Anton-Bruckner-Straße, hieß es da aus der CSU-Landesleitung. Kaum ausgestiegen, ertönten Trillerpfeifen und eine Vuvuzela von einer Schar von Startbahn-Gegnern vor dem Zelt.

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„Heimatzerstörer“, riefen die Demonstranten von Aufgemuckt dem Ministerpräsidenten entgegen. Nicht zu überhören, dennoch verzichtete der Landesvater auf einen direkten Schlagabtausch. Warum, sagte er später bei seiner Rede. „Wenn sich die SPD Erding vor allen anderen aufbaut“, so der CSU-Chef, dann spreche er nur im Zelt zur dritten Startbahn. Es sei demokratischer Brauch, dass keine Partei die Veranstaltung einer anderen störe.

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Zu dem umstrittenen Thema formulierte der Ministerpräsident drei „klare Zusagen“. Erstens werde der Freistaat vor einer Entscheidung der Gerichte sein Baurecht nicht in Anspruch nehmen. Zweitens: „Es wird unter keinen Umständen mit einer Startbahn etwas geschehen, bevor nicht die versprochenen Erschließungen auf Straße und Schiene erfolgt sind“, sagte Seehofer. Wenn drittens die Gerichte entscheiden sollten, dass das Baurecht rechtmäßig ist, dann werde die Regierung mit der Bevölkerung und Verantwortlichen vor Ort über das Vorgehen reden.

Bilder von Seehofer in Erding

CSU-Chef Horst Seehofer zu Gast in Erding

CSU-Chef Horst Seehofer zu Gast in Erding

Die Zusage zu Straße und Schiene dürfte speziell Oberbürgermeister Max Gotz gefreut haben. Er hatte die Gäste zu dieser „wunderbaren Verlängerung“ des Herbstfests begrüßt. Auch Landtagskandidatin Ulrike Scharf lobte den Ministerpräsidenten bei ihrer forschen Rede als den „besten Mannschaftsführer der Welt“. Ganz wie der FC Bayern könnten mit ihm die Erdinger Bewerber das Triple in Bundes-, Land- und Bezirkstag schaffen.

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Den größten Teil seiner Redezeit verwendete der Ministerpräsident auf den „stolzen Staat Bayern“, der „eine Insel der Stabilität in der ganzen Welt“ sei. Diese herausgehobene Stellung verdanke das Land seiner Bevölkerung – von den Beschäftigten, über Mittelständler und Landwirte bis hin zu den Konzernen. Die Erdinger applaudierten.

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Nach 41 Minuten sprach der Wahlkämpfer ein offensichtlich ungeduldig erwartetes Thema an. Ein Satz genügte – „Wir zahlen auf fast allen Straßen Europas“ – und schon johlten die ersten. Mit der Bundeskanzlerin werde es eine Lösung zu der von ihm geforderten Autobahn-Maut für Ausländer geben. „Das wird kommen“, versprach der CSU-Vorsitzende.

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Die einstündige Rede schloss der Ministerpräsident mit dem Satz: „Gott mit Dir“ – unterbrochen von einem Seehofer-Schmunzeln – „Du Land der Erdinger“. Nach dem Schlusswort des CSU-Kreisvorsitzenden, Landrat Martin Bayerstorfer, erhoben sich die meisten Besucher zum Singen der Bayernhymne von den Plätzen (begleitet von der Stadtkapelle und diesmal mit richtigem Text).

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Während des anschließenden Deutschlandlieds bewegte sich der Ministerpräsident, umringt von Leibwächtern, schon zum Zeltausgang. Und die schwarzen Limousinen brausten keine zwei Stunden nach ihrem Eintreffen schon wieder ab. Staugefahr bestand nicht. Der Konvoi hatte keinen weiten Weg vor sich. Direkt vor den Toren der Stadt, bei Schollbach, wartete ein Helikopter auf Horst Seehofer und brachte ihn zum nächsten Termin.

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Timo Aichele

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