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Bei der Großdemo wollen Sie Horst Seehofer ihre Lage klar machen: Die Milchbauern um Mathias Lohmeier (vorne). Auf dem Hof von (v. l.) Markus Haunolder trafen sich Thomas Zollner, Robert Straßer, Johann Altmann, Korbinian Taubenthaler, Konrad Brenninger und Johann Eicher, um ihre Nöte zu besprechen.

Sinkende Preise, hohe Kosten

Das Minusgeschäft der Milchbauern

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Erding - Die Milchviehhalter sind enttäuscht vom Bundesagrarminister Schmidt (CSU). Seine Soforthilfe für ihren Berufsstand werde das Problem nicht lösen. Bereits jetzt können die Milchbauern ihre Kosten nicht decken.

Die Milchbauern stehen mit dem Rücken zur Wand. Ihre Produktion läuft, Betriebskosten fallen an. Investitionen sind oft kreditfinanziert. Ihren Hof umstellen könnten die meisten also nicht einmal dann, wenn sie wollten. Um wirtschaftlich zu arbeiten, fehlen jedem von ihnen zigtausende Euro pro Jahr. Die 100 Millionen Euro Soforthilfe, die Bundesagrarminister Christian Schmidt in Aussicht gestellt hat, sind „eine Lachnummer“ – so sieht es Mathias Lohmeier, Kreischef des Bundes Deutscher Milchviehhalter (BDM).

Er rechnet vor warum. Bei 73 000 Milchviehhaltern in Deutschland bekäme jeder von ihnen gerade einmal 1400 Euro Soforthilfe. Der durchschnittliche Milchbauer im Landkreis Erding (42 Kühe und 300 000 Kilogramm Milch pro Jahr) macht aber bereits mit den aktuellen Preisen ein jährliches Minus von 63 000 Euro – verglichen mit einem Grundpreis von 46 Cent. Diesen Wert gibt die Erzeugergemeinschaft MEG Milchboard als kostendeckend an (siehe unten).

 Die Preisspirale dreht sich weiter nach unten. Der Dorfener Lohmeier liefert an Meggle und hat im April 26,4 Cent pro Kilo Milch bekommen. Im Juni und Juli sind es bereits 25,5 Cent. Im April 2014 waren es noch 39 Cent.

„Die 100 Millionen Euro, die stören den Verbraucher und uns auch“, sagt Lohmeier bei einem Treffen mit BDM-Mitstreitern auf dem Hof von Markus Haunolder in Pyramoos, St. Wolfgang.

Nach ihrer Überzeugung muss die Misere über die Produktionsmenge gelöst werden. „Das einzige, was funktionieren würde, wäre ein freiwilliger Lieferverzicht“, erklärt Lohmeier. Durch weniger Milch auf dem Markt würde dann auch der Preis wieder steigen. Das Problem ist allerdings: Ein Lieferverzicht von einigen wenigen würde auf dem globalisierten Milchmarkt nichts bewirken.

Bis zur Aufgabe der EU-Milchquote zum April 2015 habe das System funktioniert, meint Lohmeier. Daher fordert der BDM eine Deckelung der Milchproduktion in der Europäischen Union. Das hätten auch die Landwirtschaftsminister der deutschen Bundesländer bereits so beschlossen. Bundesagrarminister Schmidt ignoriere das.

Lohmeier beschreitet mittlerweile seinen eigenen Weg aus der Milchpreisfalle. Er stellt seinen Betrieb mit 80 Kühen auf Bio um. Natürlich sei Bio nur eine Nische mit zwei Prozent Marktanteil, sagt der Dorfener. Und er braucht zwei Jahre, bis die Zertifizierung durch ist, danach sind die Betriebskosten auch höher. Aber der Preis für Biomilch ist ziemlich stabil – aktuell bei 48 Cent pro Kilo.

Die Verlustrechnung

für einen durchschnittlichen Milchbauern im Kreis Erding mit 42 Kühen. Jahresproduktion:300 000 kg;

Grundpreis (ohne MwSt):0,26 Euro; Einnahmen: 85 000 Euro

kostendeckender Grundpreis laut MEG Milchboard: 0,46 Euro; nötige Einnahmen: 148 000 Euro

Jahresminus: 63 000 Euro. (Quelle: BDM)

Großdemo

Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) ruft alle Bauern zur Großdemo in München auf. Anlass ist der Agrargipfel in der Bayerischen Staatskanzlei, zu dem Ministerpräsiden Horst Seehofer die Verbände am Montag, 6. Juni, eingeladen hat. Die Demo beginnt mit einer Auftaktkundgebung von 13 bis 15 Uhr vor der Staatskanzlei. Wer mit dem Bulldog mitfahren möchte, kann sich bei Mathias Lohmeier, Tel. (0 80 81) 93 83 35, melden. Start ist um 9.30 Uhr an seinem Hof in Taggrub.

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