Mit ihrem Mercedes mit dem Spitznamen Vitali waren (v. l.) der Technische Produktmanager Michael Gotowtschikow (55) aus Erding, Holzhändler Klaus Kronseder (61) aus Angerskirchen und Elektromeister Jakob Karrer (60) aus Erding auf großer Tour.
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Mit ihrem Mercedes mit dem Spitznamen Vitali waren (v. l.) der Technische Produktmanager Michael Gotowtschikow (55) aus Erding, Holzhändler Klaus Kronseder (61) aus Angerskirchen und Elektromeister Jakob Karrer (60) aus Erding auf großer Tour.
Mobile Küche: Gekocht wurde im offenen Kofferraum. Im Auto zu sehen sind die Bananenkisten als Taschen-Ersatz.
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Mobile Küche: Gekocht wurde im offenen Kofferraum. Im Auto zu sehen sind die Bananenkisten als Taschen-Ersatz.
Feuerholzsuche im Kaukasus: Jakob Karrerer kämpft sich mit seiner Beute durchs kalte Nass.
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Feuerholzsuche im Kaukasus: Jakob Karrerer kämpft sich mit seiner Beute durchs kalte Nass.
Tierische Begegnung auf 4000 Meter Höhe in Tadschikistan: ein Yak.
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Tierische Begegnung auf 4000 Meter Höhe in Tadschikistan: ein Yak.

Mit dem Auto bis nach Tadschikistan 

Jede Menge Grenzerfahrungen

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9600 Kilometer mit dem Auto von Bayern nach Tadschikistan: Dieses Abenteuer haben Jakob Karrer, Michael Gotowtschikow und Klaus Kronseder gewagt. Ihr Fazit nach vier Wochen quer durch Europa und Asien: „Wir würden es sofort wieder tun.“

Landkreis – Ein Auto, drei Männer, 9600 Kilometer und unendlich viele Erlebnisse: Jakob Karrer und Michael Gotowtschikow aus Erding sowie Klaus Kronseder aus Angerskirchen haben bei der Tajik Rally mitgemacht – einmal quer durch zwölf Länder von Bayern nach Tadschikistan.

„Es war hervorragend. Wir alle würden sofort wieder fahren. Die Eindrücke sind überwältigend“, sagt der 60-jährige Elektromeister Karrer aus Erding noch immer sichtlich beeindruckt. Inzwischen ist das Trio, das unter dem Namen Tadschikbuam gestartet war, wieder zurück im Landkreis – um tausende Fotos und unzählige Erfahrungen reicher.

Besonders eines haben die Abenteurer dabei gelernt: An einem Grenzübergang weißt du nie, was passiert. Durch zwölf Länder sind sie gereist, und jedes hat seine ganz eigenen Kontrollen bei der Ein- und Ausreise. Immer wieder wollten die Zollbeamten zum Beispiel ganz genau wissen, was sich in den acht Bananenkisten verbirgt, in denen das Trio sein Hab und Gut verstaut hatte. „Auch unser Dachzelt hat großes Interesse geweckt“, erzählt Karrer. Für ordentlich Verwirrung und jede Menge interessierte Blicke sorgte nicht zuletzt das digitale Infrarot-Thermometer im Handschuhfach, mit dem viele so gar nichts anfangen konnten.

Und an der Grenze zwischen Kirgistan und Tadschikistan war der Strom ausgefallen. Also halfen die Männer kurzerhand dabei, das Notstromaggregat aus einer Bretterhütte zu holen und anzuschmeißen, sodass der PC wieder lief.

Zwischenfälle technischer Art am Auto gab es hingegen kaum. Ihr Mercedes Vito, Baujahr 2003, Spitzname Vitali, hat die Strapazen der Fahrt gut weggesteckt. „Einmal hatten wir Probleme mit der Servolenkung“, erzählt Karrer. Die Inspektion in einem kleinen Örtchen an der afghanisch-tadschikischen Grenze offenbarte noch mehr Schäden – unter anderem eine gebrochene Motoraufhängung. Die wollte der Dorfschmied mit Schlagbohrmaschine und Steinbohrer reparieren. „Zum Glück fiel aber der Strom aus, und wir haben das Ganze – vor den Augen des gefühlt halben Dorfes – einfach mit Draht fixiert.“

Rund ein Jahr hatten die Männer in die Vorbereitung der Reise gesteckt. Sie hatten ihr Auto umgebaut, die Route genau ausgetüftelt und sich mit den Eigenheiten der jeweiligen Länder auseinandergesetzt. Eine lange Zeit, die sich gelohnt hat, wie Karrer erzählt. Denn so lief fast die ganze Fahrt reibungslos – abgesehen von einigen Verzögerungen, beispielsweise bei der Überfahrt übers Schwarze Meer, wo die Ausreiseprozedur geschlagene zwölf Stunden dauerte.

„Wir hatten ja das Ziel, möglichst schnell nach Usbekistan zu kommen, um dort ein bisschen was anzuschauen“, blickt Karrer zurück. Denn auch das Kennenlernen fremder Kulturen gehört zur Rallye dazu. Und so konnten die drei auch Abstecher zum Aralsee, zum Kaspischen Meer oder in Städte wie aus 1001 Nacht machen. „Es war ein Traum, das ist der wahre Orient“, schwärmt Karrer. Die Stadt Samarkand zum Beispiel mit ihren Moscheen, oder die Oasenstadt Xiva, die beide zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören, beeindruckten die Männer – vor allem nach tagelanger Fahrt durch die karge Steppe Russlands und Kasachstans.

Im See Karakul, fast 4000 Meter über dem Meeresspiegel, nahmen die drei bei neun Grad Wassertemperatur ein (sehr) kurzes Bad. Sie wurden in einer Einsiedelei zu Tee, Brot und Yakbutter eingeladen. Und sie machten jede Menge Menschen glücklich, denen sie ihre mitgebrachten Sachen schenkten – Stofftiere, Sonnenbrillen, Werkzeug.

„Wenn man das Leuchten in den Augen dieser Leute sieht, die wirklich ein hartes Leben haben, ist das unbeschreiblich“, erzählt Karrer und berichtet von einer Schafhirtin, die eben mit ihrer Herde auf dem Rückweg vom Pamir-Hochplateau bereits 200 Kilometer zu Fuß zurückgelegt hatte. Sie freute sich sehr über einen Rucksack – und die drei Abenteurer über unzählige nette Bekanntschaften. „Wir haben durchweg sehr gastfreundliche und hilfsbereite Menschen kennengelernt – sogar die Polizisten bei Verkehrskontrollen“, sagt Karrer lachend. Die hätten sich stets mit Handschlag, Rang und Namen vorgestellt.

Noch etwas ist nach fast vier Wochen auf Achse in Tadschikistan geblieben: Vitali. Er wurde in der Hauptstadt Duschanbe an Caritas International übergeben – kein leichtes Unterfangen, wie Karrer erzählt: „Das Übergabe-Procedere zog sich über den ganzen Tag hin. Es mussten neue Gesetze interpretiert, Kaufverträge aufgesetzt und der Notar bei Laune gehalten werden.“

Am Tag zuvor hatten sich alle Rallye-Teilnehmer zur großen Abschlussparty getroffen. Da haben Karrer, Kronseder und Gotowtschikow den Altersdurchschnitt durchaus gehoben. „Wir waren schon eher die alte Generation“, gibt Karrer zu. „Aber wir hatten sicher nicht weniger Spaß.“

Den Reise-Blog der Tadschikbuam gibt’s online.

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