Fand viel Gehör: CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach im Weißbräu. Foto: wk

Wolfgang Bosbach bei der Jungen Union

„Mit Beschimpfungen werden wir die Wähler nicht zurückholen“

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  Erding – In seiner Partei gilt er als Rebell. CDU-Bundestagsabgeordneter Wolfgang Bosbach war bei der Jungen Union in Erding zu Gast und erklärte, warum sein Spitzname eigentlich gar nicht stimme.

JU-Kreisvorsitzender Alex Attensberger begrüßte den 64-jährigen Rheinländer im voll besetzten Saal des Erdinger Weißbräu und gestand, dass dieser sein „politisches Vorbild“ sei. CSU-Bundestagsabgeordneter Andreas Lenz lobte Bosbach als „Mann der klaren Sprache“. Lenz bedauerte es, dass sich der Abgeordnete aus der Politik zurückziehe und bot ihm schmunzelnd die CSU als neue Heimat an.

Bosbach kokettierte anfangs damit, dass er sich schon gewundert habe, warum er bei der Begrüßung so viele freundliche Worte gehört habe: „Aber dann fiel mir ein, ich bin ja gar nicht bei der eigenen Partei, sondern bei der CSU.“ Er ging zunächst auf die Politikverdrossenheit der Bürger ein, die für ihn eher eine „Politikerverdrossenheit“ sei. „Denn entweder die Leute trauen uns Politikern alles zu, oder nichts“. Er sei der Meinung: „Politik verdirbt nicht den Charakter, sondern es gibt Charaktere, die die Politik verderben.“ Er sei eigentlich kein Rebell, stellte Bosbach fest, „aber heute bist du ja schon ein Rebell, wenn du bei deiner Meinung bleibst. Ich vertrete in keiner einzigen Frage eine Position, die nicht schon einmal die Position meiner Partei war.“

Man dürfe sich nicht wundern, dass sich rechts was tue, „wenn die CDU nach links wandert“. Die Union müsse sich mit der AfD unbedingt politisch auseinandersetzen, „denn nur mit Beschimpfungen werden wir die Wähler nicht zurückholen“.

Im September vergangenen Jahres die Grenzen zu öffnen, sei richtig gewesen, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete zur Flüchtlingswelle, denn damit sei eine humanitäre Katastrophe verhindert worden. „Aber dann hätten wir geltendes Recht umsetzen müssen.“ Deutschland habe 890 000 Flüchtlinge aufgenommen, 80 Prozent hätten keine Papiere gehabt: „Aber wir müssen doch wissen, wer in unser Land kommt.“

Für ihn trage aber „das traurigste Kapitel in der Flüchtlingspolitik die Überschrift Europa“, meinte Bosbach, allein wenn man sehe, dass sieben Länder in der EU weniger als 1000 Flüchtlinge aufgenommen hätten.

Was eine Obergrenze betrifft, so habe Bundespräsident Gauck vor einiger Zeit gesagt: „Unser Herz ist groß, unsere Aufnahmefähigkeit begrenzt.“ Wenn Horst Seehofer das sagen würde, „wäre es wilder Rechtspopulismus“, wetterte Bosbach. Beim Satz „Wir schaffen das“ hätte man zuerst klären müssen, „wer ist ,wir ‘ und was ist ,das‘“.

Das ,Wir‘ seien für ihn die vielen ehrenamtlichen Helfer. Hier zollte der 64-Jährige dem Freistaat Bayern „ein Riesenkompliment“ für die Leistung.

Der 64-Jährige fragte auch: „Warum haben wir ein Problem mit dem Begriff Leitkultur? Es muss das Band sein, das uns alle verbindet.“ Es müssten alle die gleichen Regeln einhalten, dann sei ein friedliches Zusammenleben möglich.

Er teile auch nicht den Satz: „Der Islam gehört zu Deutschland, denn dann gehört die Scharia auch zu uns.“ Bosbach wünschte sich unter lautem Beifall der Zuhörer: „Es wäre schön, wenn die Christen in muslimischen Ländern die gleichen Rechte hätten wie die Muslime bei uns.“ Wir hätten nun mal eine christliche und keine islamische Tradition. Deshalb verstehe er auch nicht, warum man aus einem Weihnachtsmarkt einen Wintermarkt machen müsse und aus einem St. Martinszug ein mobiles Lichterfest. „Wir müssen die Migranten nicht integrieren“, stellte der Politiker unmissverständlich fest. „Wir müssen ihnen dabei helfen, aber integrieren müssen sie sich schon selber.“

Zum Streit der Unionsschwestern sagte er: „Gewinnen können wir die Wahl nur miteinander.“ Er riet zu mehr Optimismus. „Der würde uns gut tun.“ Aus dem Publikum meinte ein junger Gast bei der Verabschiedung: „Den kannt ma in da CSU guad braucha.“

Wolfgang Krzizok

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