Gern auf Tauschgeschäfte lassen sich Miranda Rambau und Alois Höllinger ein.
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Gern auf Tauschgeschäfte lassen sich Miranda Rambau und Alois Höllinger ein.

Seit mehr als 15 Jahren werden Dienstleistungen auf Tauschbasis vermittelt

Erdinger Tauschring: Mit Geld nicht zu bezahlen

  • VonGerda Gebel
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Eine Fahrradreparatur, Hilfe beim Fensterputzen oder ein neuer Haarschnitt – und das ganz ohne Einsatz von Geld? Möglich ist das beim Erdinger Tauschring, der seit mehr als 15 Jahren Dienstleistungen auf Tauschbasis vermittelt.

Erding – Mehr als 350 Tauschringe gibt es in Deutschland. Das Prinzip ist immer dasselbe: Die Teilnehmer tauschen Dienstleistungen und auch Waren aus, ohne dafür mit Euro zu bezahlen. Die geleistete Arbeitszeit wird in einer bestimmten Zeitwährung verrechnet, in Erding sind das Punkte, in Taufkirchen Vilstaler und in Freising Crossies.

Ob Gartenarbeit, Computerhilfe oder Sprachunterricht, jede Art der Arbeit ist gleichwertig und wird in Erding mit 20 Punkten pro Arbeitsstunde verrechnet, wie Alois Höllinger berichtet. Der 70-jährige Rentner ist seit mehr als zehn Jahren im Tauschring aktiv. „Jeder bietet an, was er kann oder weiß. Jeder hat ja andere Talente“, meint Höllinger, der selbst Support bei IT-Problemen oder auch Transportdienste anbietet. Sein gut gefülltes Punktekonto wird für einen neuen Haarschnitt oder auch Schneiderarbeiten genutzt.

Die Jüngeren brauchen eine Leih-Oma, die Älteren vielleicht Hilfe in Haus und Garten

Geeignet ist der Tauschring für jüngere und ältere Teilnehmer gleichermaßen. Während die Jüngeren vielleicht eine Leih-Oma aus dem Tauschring brauchen, nehmen die älteren Tauscher gerne Unterstützung in Haus und Garten in Anspruch.

Wichtig sind dabei auch die sozialen Kontakte, die man mit den Teilnehmern knüpfen kann. „Im Gespräch ergibt sich manchmal ein Hilfebedarf, da habe ich dann auch schon mal Fenster geputzt bei einer alten Dame“, erklärt der EDV-Fachmann schmunzelnd.

Zusammen mit Miranda Rambau aus Hallbergmoos fungiert Höllinger als Administrator für die Vermittlungsplattform, die seit einigen Jahren hauptsächlich über das Internet betrieben wird. Auf der Website des Tauschrings (www.erdinger-tauschring.de) können die verschiedenen Angebote und Nachfragen eingesehen werden. Dort erfolgt auch die Punkteverwaltung.

Für kurzfristige Anliegen gibt es auch eine Gruppe über den Messenger-Dienst Telegram, über den spontane Vereinbarungen getroffen werden können, wie Miranda Rambau berichtet.

Bei monatlichen Treffen lernt man sich gegenseitig kennen

Die gebürtige Niederländerin ist ebenfalls seit über zehn Jahren in den Tauschringen von Erding und Freising aktiv. Im Angebot hat die 57-jährige Buchhalterin Übersetzungen oder auch Hilfe bei Bewerbungen. Gerne nimmt sie aus dem Angebotspool entspannende Shiatsu-Massagen in Anspruch.

„Bei den monatlichen Treffen lernt man sich gegenseitig kennen und erkennt manchmal erst im Gespräch die eigenen Talente“, meint Rambau. Sie nutzt auch gern die Reise- und Übernachtungsangebote, die über die überregionale Plattform www.obelio.com abgerechnet werden.

Machen Dienstleistungen wie Fensterputzen nur im regionalen Umfeld Sinn, so können wohnortunabhängige Tätigkeiten wie Übersetzungen auch über größere Entfernungen genutzt werden. Bei Dienstleistungen an der Person oder im Haushalt sei auch das gegenseitige Vertrauen wichtig, so Rambau. „Wenn man sich näher kennt, nimmt man auch mal ein Angebot an, das man sonst nicht genutzt hätte“, meint die Hallbergmooserin.

Um Neueinsteigern den Start zu erleichtern, bekommen sie 100 Punkte als Startkapital, also fünf Stunden Arbeit. Da aber keine Minuspunkte erlaubt sind, heißt es, gleich zu Beginn auch Angebote einzustellen.

„Alte Hasen“ wie Höllinger und Rambau unterstützen die Neulinge mit einer Liste möglicher Dienstleistungen. „Durch andere lernt man erst seine eigenen Talente kennen, das kann auch Socken stricken oder Kuchenbacken sein“, versichern die erfahrenen Tauscher.

Infos zum genauen Ablauf gibt es auf der Homepage www.erdinger-tauschring.de oder bei den monatlichen Treffen, die jeweils am dritten Montag des Monats beim Gasthaus Lindenwirt in Bergham stattfinden. Das nächste Treffen ist am Montag, 20. September, ab 19.30 Uhr. Dort ist auch die Marktzeitschrift mit den aktuellen Inseraten erhältlich. „Wir sind alles Leute mit einer ähnlichen Wellenlänge, etwas Idealismus gehört schon dazu, eben Leute, die sich gerne untereinander helfen“, sagt Höllinger.

Gerda und Peter Gebel

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