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Mitarbeiter des Kreiskrankenhauses werden anonym befragt

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Über 100 Zuhörer bildeten den Rahmen der Sitzung. foto: fx
Über 100 Zuhörer bildeten den Rahmen der Sitzung. foto: fx

Erding - Im Kreiskrankenhaus Erding sollen neue Saiten aufgezogen werden. Landrat Martin Bayerstorfer hat in der gestrigen Sondersitzung des Kreistags zahlreiche Änderungen und einen neuen Ton angekündigt. Sogar die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitskonzern Sana steht zur Disposition.

Diese Kreistagssitzung wird in die Geschichte eingehen. Über 100 Zuhörer, darunter der suspendierte Chirurgie-Chefarzt Dr. Bernhard Weigel und zahlreiche Mitarbeiter des Kreiskrankenhauses, brachten den Saal schier zum Platzen. Eilig mussten Stühle in den Raum und auf die Tribüne geschafft werden, um bloß niemand heimschicken zu müssen. An der Stirnseite hatten die Chefärzte, die Pflegedirektion und Klinik-Vorständler Ingo Hüttner Platz genommen. Vorstandsvorsitzender Joachim Ramming, der vielen als Auslöser der Turbulenzen gilt, fehlte krankheitsbedingt.

Landrat Martin Bayerstorfer ging zunächst auf die Geschichte des Kreiskrankenhauses Erding und der Klinik Dorfen ein. Nicht alle Jahre habe man einen Gewinn erzielen können, „wir haben aber nie Steuergelder unserer Bürger einsetzen müssen“, versicherte er. Er machte keinen Hehl daraus, dass man derzeit in einer schwierigen Situation stecke.

Ein Jahr vor Auslaufen des Geschäftsführungsvertrags mit dem Klinikkonzern Sana versicherte der Landrat: „Wir sind mit denen nicht verheiratet.“ Man könne über alles reden, auch darüber, ob man mit Sana weiter kooperieren wolle oder nicht. Auch auf die Mobbing-Vorwürfe ging Bayerstorfer ein. „Das klären wir auf.“ Er appellierte an alle Betroffenen, sich schriftlich an ihn zu wenden. „Nur dann können wir den Beschuldigungen konsequent nachgehen und Probleme abstellen.“

Überdies kündigte er anonyme Mitarbeiter-Befragungen an. „Mit einem Teil werden wir in den nächsten Tagen beginnen, die große Runde erfolgt aus organisatorischen Gründen in den nächsten Wochen und Monaten“, versprach der Landrat. Aber auch die Meinung der Patienten werde man intensiv abfragen. Nicht zuletzt wollen Landkreis und Verwaltungsrat die Bürger besser informieren. „In Kürze geht eine Infoschrift an alle Haushalte raus“, sicherte er zu.

2009 hätten beide Häuser ein so positives Ergebnis erwirtschaftet, dass 800 000 Euro an die Mitarbeiter ausgeschüttet werden sollen, die über den Hausvertrag angestellt sind. „Davon sollen alle Arbeitsbereiche profitieren“, kündigte er an, „dass wir das machen können, macht mich stolz“.

Ärztlicher Direktor Prof. Dr. Hans-Peter Emslander stellte ohne Umschweife fest: „Ja, wir stecken in einer Krise.“ Vor allem im Ansehen der Bürger habe das Haus enorm eingebüßt. Umso wichtiger sei es, so Emslander, den Blick nun in die Zukunft zu richten. Denn in Erding und Dorfen werde nach wie vor qualitativ hochwertige Arbeit in allen Bereichen geleistet. Als Beispiele nannte er die Infarkt- und die Schlaganfallversorgung. „Wir müssen lernen, dass die Abteilungen wieder stärker zusammenarbeiten.“ Dazu gehöre auch die Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten.

Pflegedienstleiterin Gertrud Friess-Ott gestand ein, dass manche die mangelnde Freundlichkeit untereinander beklagten. Dennoch sei man in jeder Hinsicht gut aufgestellt, nicht zuletzt durch die 2009 eröffnete Krankenpflegeschule. Sie gab aber auch zu: „Rund um München ist es schwierig, Personal zu bekommen.“ Auch machte sie keinen Hehl daraus, dass der Spagat zwischen wirtschaftlichem Arbeiten und guter Pflege schwierig sei. (Hans Moritz)

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