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Die beiden Wolfra-Geschäftsführer Norbert Sima (r.) und Florian Hundhammer ziehen trotz Corona-Krise eine positive Saftbilanz. Nun wird weiter investiert.

Aufhausener Kelterei modernisiert Fertigung – Keine Kurzarbeit

Mitten in der Krise investiert Wolfra kräftig

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Die Saftkelterei Wolfra ist bislang trotz erheblicher Einbußen im Gastronomie-Geschäft gut durch die Corona-Krise gekommen.

Aufhausen – Die Saftkelterei Wolfra ist bislang trotz erheblicher Einbußen im Gastronomie-Geschäft gut durch die Corona-Krise gekommen. Auf Kurzarbeit und Entlassungen konnte das zur Valensina-Gruppe gehörende Unternehmen verzichten. Deswegen hält Wolfra auch an seinem Investitionskurs fest.

Die Ernte fällt „heuer relativ gut, aber nicht sensationell“ aus, berichtet Mit-Geschäftsführer Florian Hundhammer im Gespräch mit unserer Zeitung. 15 Millionen Lifter Säfte und Schorlen beträgt die Jahresabfüllmenge.

Hundhammer und Geschäftsführer Norbert Sima hatten sich sehr auf 2020 gefreut, wollte man doch eigentlich das 90-jährige Bestehen der Kelterei groß feiern. Das Jahr begann laut Sima „hervorragend“. Im Handel habe man im ersten Quartal ein Wachstum von 7,8 Prozent erzielt. Auch der neue Markenauftritt sei bei den Kunden gut angekommen.

Gastro-Absatz brach ab März ein

Doch dann kam Corona, und vor allem die Gastronomie nahm während des Lockdowns kaum noch Getränke ab. Dabei beträgt dieses Segment 30 Prozent des Absatzes. „Und dennoch sind wir nicht Kurzarbeit gefahren“, freut sich Sima. Natürlich seien in der 80-köpfigen Belegschaft Überstunden abgebaut und Urlaubstage genommen worden. Aber es habe niemand entlassen werden müssen. „Frei werdende Stellen besetzen wir weiter nach“, versichert Sima. Ab Juni hätten sich die Zahlen wieder erholt, „wobei wir die Rückgänge heuer nicht kompensieren können“, rechnet Sima vor. Ein Stück weit habe man zu Beginn der Krise von der Hamstermentalität der Verbraucher profitiert.

Sima und Hundhammer wissen: Lebensmittel benötigt eine Gesellschaft immer. Und deswegen setzt Wolfra seinen Kurs der Modernisierung der Betriebsstätte an der Justus-von-Liebig-Straße fort. Eine neue Fülllinie ist einschließlich einer modernen Flaschenkontrolle laut Sima bereits installiert.

Mehrere Großbaustellen stehen an

In wenigen Wochen steht Wolfra eine Großbaustelle ins Haus – im wahrsten Sinne des Wortes. Sima kündigt den Einbau einer zeitgemäßen Flaschenwaschanlage an. „Die ist so groß und mit rund 100 Tonnen so schwer, dass wir einen Schwertransport brauchen. Zum Einbau müssen wir eine Seitenmauer einreißen“, kündigt Sima an. In diesem Zuge würden Boden, Lüftung und Transportbänder erneuert. „Zweieinhalb Wochen lang werden wir die Produktion deswegen stilllegen müssen.“

Ende des Jahres, spätestens Anfang 2021 erwartet man eine neue Presstechnik, Abfüllanlage mit Rückkühler und Etikettiermaschine. „Dieses Projekt wird dann noch einmal eine Nummer größer ausfallen“, kündigt Sima an.

Wolfra: Mit der Ernte 2020 zufrieden

Hundhammer ist mit der Ernte zufrieden – nach einem extrem schlechten Jahr 2019. „Zum Glück war der Winter sehr mild. Die Blüten konnten früh austreiben, und vor allem gab es keine späten Fröste, die alles zunichte gemacht hätten“, erklärt er. Die Äpfel kommen vor allem von Streuobstwiesen im Rottal, aber auch aus der Erdinger Region. Am kommenden Freitag besteht letztmalig die Gelegenheit, sein Gartenobst bei der Kelterei direkt in Aufhausen abzugeben. Hundhammer rechnet mit bis zu 2000 Tonnen Ernteertrag.

Sehr beliebt sind nach wie vor Rhabarber-Säfte. „Wir arbeiten mit Vertragsbauern zusammen“, berichtet der Geschäftsführer. Die Ernte sei längst eingefahren, sie mache etwa 150 Tonnen aus. Als „sehr schlecht“ bezeichnet Hundhammer die diesjährige Johannisbeer-Ernte. In früheren Jahren hätten die Bauern dafür zu wenig Geld bekommen. Deswegen seien viele auf anderes Obst umgestiegen, analysiert er. Mittlerweile werde der doppelte Preis erzielt. „Aber es ist noch sehr schwer, an ausreichende Mengen zu kommen“, berichtet Hundhammer.

Neu: die populäre 0,30-Liter-Mehrwegflasche

Das 90 Jahre alte Unternehmen geht mit der Zeit: Neu im Wolfra-Sortiment ist eine 0,3-Liter-Pfandflasche. „Dieses Gebinde ist auf dem Getränkemarkt sehr beliebt“, erklärt Sima. Es handle sich um ein klassisches Convenience-Produkt, das sich leicht mitnehmen lasse. Aber auch in Kantinen sei die 0,3-Liter-Flasche mit Schraubverschluss sehr populär, unter anderem in den Werken von Audi und VW.

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