Informationsgespräch im Gerichtssaal: Amtsgerichtsdirektor Peter Boie (4. v . r.) und Richter Dr. Stefan Priller (l.) empfingen die Staatsanwälte aus der Mongolei. Foto: Moritz

Mongolische Staatsanwälte lernen am Amtsgericht Erding

Erding - Eine Delegation mongolischer Top-Juristen hat das Erdinger Amtsgericht besucht. Das war der Grund:

Die Mongolei ist ein aufstrebendes Land, das nicht zuletzt aufgrund seiner Bodenschätze für die westliche Welt zum immer interessanteren Handelspartner wird. Der Transformationsprozess von der einstigen Sowjetrepublik zur parlamentarischen Demokratie ist weit gediehen. Jetzt geht es unter anderem im Bereich der Justiz um die Details.

Und genau deswegen ist eine sechsköpfige Delegation von Staatsanwälten und IT-Spezialisten aus der Mongolei in Ulan Bator in den Flieger gestiegen, um 15 Stunden später nach Zwischenstopps in Moskau und Berlin im Erdinger Moos zu landen. Sie nehmen an einem Projekt zur Modernisierung der Organisationsstrukturen und Arbeitsabläufe in den mongolischen Justizbehörden teil. Dessen Leiter ist Lkhagva Zaya, der zugleich als Dolmetscher fungiert.

Eine Woche sind die Mongolen in Bayern zu Gast. Gleich am ersten Tag kamen sie nach Erding. Unter anderem am hiesigen Amtsgericht wollen die Juristen die Computerprogramme kennenlernen, die vor einigen Jahren in der bayerischen Justiz installiert wurden, um Verfahren zu normieren, Daten zu archivieren und allgemein verfügbar zu machen sowie den Richtern Muster für Urteilsbegründungen an die Hand zu geben. In Erding wurden diese IT-Programme ab 2008 eingeführt, berichtete Direktor Peter Boie.

Warum Erding - besucht werden bis zum Wochenende weitere Justizeinrichtungen in München und Amberg - ausgewählt wurde, ist kein Zufall. Träger des Projekts ist die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, die für das Entwicklungshilfeministerium Entwicklungshilfeprogramme betreut. Hier engagiert sich der in Erding tätige Richter Dr. Stefan Priller, der mehrmals in der Mongolei war.

Zaya berichtet, dass man die Programme auch in der Mongolei einführen wolle. Das deutsche Rechtssystem gelte in seinem Land als Erfolgsmodell. Teile davon, wie die Zivil- und Strafprozessordnung wurden bereits übernommen.

Boie stellte sein Gericht vor: Hier seien zwölf Richter und 75 Mitarbeiter beschäftigt. Pro Jahr fielen 1500 Zivil- und 1250 Strafverfahren an. Das Familiengericht bearbeite 1000 Fälle. Den Abend nutzte die Delegation, um die Stadt kennenzulernen.

(ham)

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