Moosgeister-Treiben in Erding

Das erste Faschingsfinale ohne den Chef

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Erding - Endspurt im Erdinger Fasching: Das Moosgeister-Treiben zog gestern wieder hunderte Narren an – wenn auch nicht ganz so viele wie in manchen Vorjahren. Vor allem einer fehlte heuer: Unterster Moosgeist Walter Schweinberger.

 

Zum ersten Mal waren gestern die Ardinger Moosgeister ohne ihren Gründervater unterwegs. Walter Schweinberger, der ehemalige Erdinger Stadtapotheker, hatte den schaurigen Gestalten mit ihren gruselig verzerrten Masken, den langen Zottelmähnen und dicken Fellen um die Schultern einst Leben eingehaucht. Mehr als 30 Jahre lang hatte er sie angeführt, an jedem Faschingsdienstag. Nach Schweinbergers Tod im vergangenen August machten die grausigen Gestalten an diesem Faschingsdienstag ohne ihren Untersten Moosgeist die Innenstadt unsicher. Hunderte Faschingsfreunde ließen sich das traditionelle Treiben zum Kehraus nicht entgehen. Das nachmittägliche Vergnügen war gut besucht – wenn es auch schon Jahre gegeben hat, in denen mehr los war. In zum Teil höchst kreativen Kostümen genossen die Narren die letzte Möglichkeit in dieser Faschingssaison, sich verkleidet auf die Straße zu wagen. 

Nicht wenige wurden für die anderen Besucher zum beliebten Fotomotiv – das Duo Darth Vader und Yoda etwa kam aus dem Posieren gar nicht mehr heraus. Aus den Boxen schallte Partymqusik, die Trommler der Gruppe Obsessão heizte mit Samba-Rhythmen ein, die Schankwagen der Wirte waren umlagert – schon lange, bevor sich die Moosgeister an der Stadtapotheke in Bewegung setzten. Das Treiben geht zurück auf die schaurig-schöne Sage rund ums Schwarze Kalb. Der Legende nach soll vor langer, langer Zeit in München eine böse Frau nach ihrem Tod als Geist in Gestalt eines Schwarzen Kalbes durch ihr Haus gespukt sein. Ein Priester wollte den Geist austreiben, schaffte es aber nur, ihn in eine zinnerne Flasche zu sperren. Die wiederum vergrub er der Legende nach im Erdinger Moos. An einem 11.11. wurde der Geist wieder erweckt. 

Bilder: Moosgeistertreiben in Erding

Seither ergießt sich Jahr für Jahr im Fasching eine Flut wilder, maskierter Gestalten in die Erdinger Altstadt. Am Tag vor Aschermittwoch wird der Spuk ins Moos zurückgetrieben. Inszeniert wird diese Sage seit dem Jahr 1983 von der Brauchtumsgruppe Erdinger Moosgeister um Schweinberger. Nach dessen Tod ist vor wenigen Wochen der Erdinger Weißbräu als Veranstalter eingesprungen, um die Tradition am Leben zu halten. Nur das ratternde, knatternde Geistergefährt, das bisher qualm- und feuerspuckend mit dem Schwarzen Kalb die Moosgeister angeführt hat, gab es nicht. Aus Gründen der Versicherung musste auf den Bulldog verzichtet werden. Dem Grusel-Spaß tat das aber kaum einen Abbruch, und mit Trommeln, Ratschen und Glocken machten die Moosgeister selbst genügend Krach. Zu übersehen sind die Gesellen mit ihren teils mehreren Kilo schweren Holzmasken ohnehin nicht. Und entziehen kann man sich ihnen auch kaum. Vor allem dann nicht, wenn sie es darauf angelegen, ein bisschen Moosgrün ins Gesicht der Besucher zu zaubern – mit Tupfen aus grüner Schminke auf Nase und Wangen.

vam

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