Virtueller Gast im Klassenzimmer: Kickboxweltmeister Daniel Dörrer schaltete sich aus Thailand in die Praxisklasse am Lodererplatz zu. Pädagogin Nicola Edler-Golla und ihre Schüler stellten ihm viele Fragen.
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Virtueller Gast im Klassenzimmer: Kickboxweltmeister Daniel Dörrer schaltete sich aus Thailand in die Praxisklasse am Lodererplatz zu. Pädagogin Nicola Edler-Golla und ihre Schüler stellten ihm viele Fragen.

Kickbox-Weltmeister Daniel Dörrer erinnert Erdinger Schüler daran, dass sie nur für sich lernen

Motivierende Botschaften aus Thailand

  • Wolfgang Krzizok
    vonWolfgang Krzizok
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So macht der Unterricht auch Spaß: Kickbox-Weltmeister Daniel Dörrer schaltete sich in die Praxisklasse der Mittelschule Erding zu und gab den Schülern eine wichtige Botschaft: Alles was man tut, tut man nur für sich.

Erding – Wie motiviert man Schüler in Corona-Zeiten? Die Praxisklasse der Mittelschule Erding bekam dazu Besuch von einem zehnfachen Kickbox-Weltmeister. Allerdings war Daniel Dörrer nicht leibhaftig am Lodererplatz, sondern nur virtuell im Klassenzimmer.

Kurz nach Unterrichtsbeginn erschien auf dem Whiteboard im Klassenzimmer ein braun gebrannter, durchtrainierter Mann mit einem breiten Grinsen: „Guten Morgen Leute, ich bin der Dani. Wie geht’s euch im fernen, kalten Deutschland?“ Sehr schnell gewinnt der 36-jährige mehrfache Kickbox-Weltmeister aus Ellwangen die Aufmerksamkeit der Jugendlichen, die am Tag vorher schon ein paar Videos vom „Peaceful Warrior“, wie er sich nennt, angesehen hatten.

Nachdem die Pädagogin und Moderatorin Nicola Edler-Golla dem Champion die ersten Fragen zu seinem Werdegang gestellt hatte, trauten sich auch die Schüler. Dabei ging es nicht nur um die richtige Ernährung oder Dörrers Entscheidung, nach Thailand zu ziehen, ins Ursprungsland des Kickboxens, sondern vor allem auch um die Frage, wie er es schaffte, alles unter einen Hut zu bringen: Schule, Training, Freunde und später dann Universität, noch mehr Training, Privatleben.

Die Energie des Profisportlers ist im Klassenzimmer zu spüren, wenn er mit seinem gewinnenden Lächeln immer wieder betont: „Das alles ist gar kein Problem und gar nicht so anstrengend, wie ihr vielleicht denkt. Und wisst ihr, warum? Weil ich es für mich mache, für mich und niemanden sonst – nicht für Geld oder Ruhm, nein: Ich mache es nur für mich!“

Dass sich diese Botschaft auf die Lebenswirklichkeit der Praxisklassenschüler übertragen lässt und dass diese auch irgendwann einsehen, dass sie für sich lernen und für niemanden sonst, war der Gedanke von Klassenlehrerin Tanja Auhagen und Pädagogin Edler-Golla, die beide der Meinung sind, dass die Schüler enorm viel vom Sport lernen können. Ein sonst sehr ruhiger Schüler, der noch nicht lange in Deutschland lebt, aber schon in einem Kickboxverein trainiert hat, will wissen: „Was denkst du vor einem Kampf? Willst du deinen Gegner zerstören, oder willst du zeigen, wer der bessere Kämpfer ist?“ Dörrers Antwort ist eindeutig: „Niemals will ich einen Gegner zerstören. Ich habe immer größten Respekt vor seiner Leistung. Natürlich will ich aber gewinnen und zeigen, wer der Bessere im Ring ist, sonst würde ich nicht antreten.“

Zwischen den Schülern und dem Profisportler findet ein reger Austausch statt. Abschließend fragt eine Schülerin den Weltmeister, der irgendwann einmal als Sport- und Deutschlehrer arbeiten will, wie es ihm geht, wenn er wirklich mal verlieren sollte: „Das kommt natürlich auch vor, aber ich finde das nie schlimm, denn entweder ich gewinne oder ich lerne. Und aus Niederlagen lernt man nun mal am meisten. Man muss nur immer wieder aufstehen, das ist wichtig.“

Nach zwei kurzweiligen Stunden ist die Live-Konferenz beendet: Daniel Dörrer muss zurück zum Training und die Schüler zu den Mathe-Aufgaben. Auhagen und Edler-Golla hoffen, dass ihren Schützlingen, während sie eine Gleichung lösen, immer wieder einfällt, dass sie auch das nur für sich tun und für niemanden sonst. „Das wäre dann sozusagen ein Sieg nach mehreren Runden“, sagt Edler-Golla.

Wolfgang Krzizok

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