Wieder einmal volles Haus: Dr Vortrag über den Luftangriff auf Erding am 18. April 1945 lockte zahlreiche geschichtsinteressierte Bürger ins Museum Erding. Leiter Harald Krause begrüßte dazu Heimatforscher Thorsten Blaschke (Bild oben, stehend v. l.)

Museum Erding 

Luftangriff 1945 – eine Verwechslung?

Am 18. April, kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs, ist Erding bombardiert worden. Die Altstadt fiel in Schutt und Asche. Aber galt der vernichtende Schlag gar nicht der Herzogstadt? Antworten darauf gab Historiker Thorsten Blaschke im Museum.

Von Elvi Reichert

Erding Lange vor dem Beginn des Vortrags im Museum Erding fanden sich die ersten Besucher ein, um sich für den Vortrag von Thorsten Blaschke über den Luftangriff auf Erding am 18. April 1945 einen Sitzplatz zu ergattern. Fast 200 Menschen drängten sich erwartungsvoll im Foyer, um die Forschungsergebnisse zu erfahren.

Warum hat sich der Forsterner so intensiv für eben diesen Tag interessiert? „Ich hatte das Buch „Pflugschar und Hakenkreuz“ gelesen. Es kursierten viele Gerüchte, welche Nation Erding beschossen hat“, erzählte er. „Waren es die Russen? Die Engländer? Die Franzosen oder gar die Amerikaner?“

Blaschke wollte es genau wissen und ist anhand von alten Gefechtsberichten, minutiös erstellten Flugplänen, persönlichen Gesprächen und im Ausschlussverfahren, ja fast schon in kriminalistischer Feinarbeit, zu folgendem Ergebnis für den für Erding schicksalsträchtigen 18. April gekommen: Laut Gefechtsbericht war die 457. Bombergruppe an besagtem Tag um 9.23 Uhr in Glatton, etwa 120 Kilometer nördlich von London, gestartet und war zehn Stunden später wieder zurück. Die Flugroute führte unter anderem über Traunstein, Rosenheim und Freising. „Die Aufgabe des Geschwaders war die Zerstörung der Bahnhöfe, so auch der von Freising. Schlechte Sicht und ein Defekt am Zielgerät verhinderten eine Bombardierung Freisings durch die Höhengruppe“, berichtete Blaschke.

Um die Bomben abwerfen zu können, wurde 30 bis 40 Minuten lang ein 360-Grad-Radius mit Drift nach Süden geflogen. „Schicksalhaft war, dass für Erding an diesem Tag um 15 Uhr Entwarnung gegeben wurde, obwohl Freising bombardiert wurde. Um 15.34 Uhr kam die Höhengruppe über Bockhorn von Nordosten nach Erding und bombardierte Richtung Südwesten die Stadt“, sagte er den Besuchern. „Da Erding und Freising nur vier Minuten Flugzeit auseinander liegen, die Stadt Erding im Flugtagebuch auch nicht erwähnt war, ist davon auszugehen, dass durch die Bewölkung und den Drift fatalerweise Erding mit Freising verwechselt wurde.“

50 Bomben sind laut Polizeibericht damals auf Erding gefallen, jede der 250-Pfund-Sprengsätze enthielt 110 Kilo TNT. 120 Menschen verloren sofort ihr Leben, 24 weitere erlagen Tage später ihren Verletzungen. Viele litten bis zu ihrem Tod an den Spätfolgen, einige noch heute.

Widersprüchliche Aussagen kamen von Augenzeugen, die sich zu Wort meldeten. Vor dem Hintergrund der langen Zeit seit der Katastrophe mag die eine oder andere Erinnerung verblasst sein. Einige Besucher gaben Hinweise auf weitere Quellen.

Da Erding in keinem Gefechtsbericht in den US-Archiven erwähnt ist, liegt es nahe, dass der Fehler nie erkannt wurde. Deshalb kann für Blaschke dieser Tag nur so verlaufen sein.

Zeitzeugen gesucht

Thorsten Blaschke und das Museum Erding suchen nach dem Vortrag Zeitzeugen, die den Angriff am 18. April 1945 von Erding oder dem Umland aus miterlebt haben. Sie werden gebeten, sich unter Tel. (0 81 22) 40 81 58 ans Museum zu wenden.

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