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„Fein sein, beinander bleibn“: Mit viel Charme und Authentizität haben (v. l.) Karl, Burgi, Bärbi, Christoph, Moni und Michael Well das Forsterner Publikum überzeugt. Der ausgelassenen Stimmung konnte selbst ein heftiges Gewitter keinen Abbruch tun.

Musikalischer Großfamilienverbund

Forstern - Die musikalische Familienzusammenführung der Geschwister Well begeisterte am Mittwoch im Forsterner Festzelt.

„Vui los is ja ned bei eich in Forstern. Da holt der Fuchs de Hehna ja beim Tag!“ Frotzeleien müssen die Gastgeber schon ertragen, wenn sie sich die Geschwister Well ins Zelt holen. Die Geschwister Well, das sind die Wellküren plus zwei Drittel der Biermösl Blosn plus Karl Well. Wie gut diese stubenmusikalische Familienzusammenführung klappt, das zeigten sie am Mittwoch: Mal zart, mal hart; mal im Duett, mal zu sechst: Die Wells nutzen alle Möglichkeiten aus, die ihnen die neue Formation bietet.

So zeigen die Wellküren eindrucksvoll, dass man Harfe und Hackbrett auch rockige Klänge entlocken kann. Burgi, Bärbi und Moni spielen, bis die Instrumente qualmen. Und auch die Herren wissen, wie sie ihre Musikgeräte bedienen müssen - stehen ja genügend rum auf der Bühne: Von Alphorn bis Akkordeon, von Klarinette bis Kontrabass, von Tuba bis Trompete.

Bilder: Die Geschwister Well in Forstern

Bilder: Die Geschwister Well in Forstern

Zugegeben, komplett neu erfunden haben sich die Geschwister nicht. Eingefleischte Fans entdecken sicher die eine oder andere Anlehnung an große Wellküren-Hits oder Biermösl-Klassiker. Hat’s gestört? Überhaupt nicht.

Zwar mögen die Stückerl auf den ersten Blick ein bisserl zusammenhanglos daher kommen. Die Geschwister bereiten sich auf eine Welttournee vor, singen zungenbrecherisch einen Werbejingle für einen Pharmakonzern und schmettern ein Lied übers Landleben - „des is für Karlsdorf“, unkt Christoph „Stofferl“ Well, der dann auch noch einen auf Rapper macht: Mit tiefsitzender Baggy-Lederhos’n und Mütze auf dem Kopf schmettert er seinen 40-Cent-Rap zum sinkenden Milchpreis. Zwischendrin erzählen sie von der Weihwasser-Pipeline, die direkt von Polen nach Altötting führt. Immer mehr Kunden wollen sich da anschließen lassen, Waschanlagen zum Beispiel. „Des wär’ doch auch was für euch“, frotzelt Stofferl. „Dann hätt’ euer Pfarrer vielleicht auch nix mehr dagegen, dass am Sonntag gewaschen wird.“ Da wird scharf geschossen mit allerlei lokalen Anspielungen, auch die Gstanzl in der Zugabe sind voll davon.

Einen roten Faden durchs Programm gibt es dann doch: das Miteinander im Großfamilienverbund, das so herrlich überzogen dargestellt und gerade deswegen so wahr ist. Wer ist die Schönste, der Schlauste, der Fleißigste? Die Wells streiten sich, schreien sich an, ärgern sich. Die Frage, wer dem Stofferl vor knapp 50 Jahren in der Küche den Schürhaken über die Nase gezogen hat, beschäftigt die Geschwister noch heute. Alle beschuldigen sich gegenseitig, bis der Bühnenstreit derart eskaliert, dass auch ein ergreifender Andachtsjodler ihn nur kurz besänftigen kann. Es folgt der Alpenwahnsinn - ein Medley von „Freude, schöner Götterfunken“ bis „We Will Rock You“ gespielt auf Alphörnern, die nach biermösl’scher Tradition auf den Bierbänken der ersten Reihe ruhen. Doch der Friede hält nicht lange, und so baut sich ein finaler Geschwisterkampf auf. Fetzig-schräg lassen die Wells ihre Instrumente sprechen, bis sich schließlich bei „Fein sein, beinander bleibn“ alle wieder vertragen. Wenn das keine Liebeserklärung an Familienbande ist, die so eng geknüpft sind, dass sie nicht mal ein Schürhaken aus Kindertagen zerreißen kann.

Vroni Macht

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