Nach Ausstieg des Landkreises Freising 

Finanzlücke im Erdinger Frauenhaus

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Erding - Der Kreis Freising steigt aus dem Verbund zur Finanzierung des Frauenhauses Erding aus. Auch Landrat Martin Bayerstorfer fordert Einsparungen.

Das Frauenhaus Erding geht einer ungewissen Zukunft entgegen. Es hat derzeit Platz für fünf Frauen und sieben Kinder, die von Gewalt bedroht sind. Im vergangenen Jahr waren 19 verschiedene Frauen und 16 Kinder dankbar für diesen Unterschlupf. Die Auslastung lag bei fast 90 Prozent. Doch die gemeinsame Finanzierung des Landkreises Erding mit zwei Nachbarn steht vor dem Aus. Der Kreis Freising hat zum Jahresbeginn 2018 gekündigt, Ebersberg könnte nachziehen.

Landrat Martin Bayerstorfer hatte im Kreistag berichtet, dass Freising nicht mehr bereit sei, „das hohe Defizit mitzutragen“. Das Landratsamt habe den Träger Sozialdienst katholischer Frauen (SKF) angeschrieben, sagte Bayerstorfer: „Mit der Bitte um die Benennung von Einsparungsmöglichkeiten.“ Damit widersprach der Landrat direkt Christina Treffler (ÖDP). Sie hatte die Aufstockung des Personals um eine Erzieherstelle gefordert. Zur Finanzierung hätte sie die gesparten Personalausgaben beim Sicherheitsdienst am Fachbereich Asyl heranziehen wollen.

Aktuell arbeiten eine Erzieherin auf einer Halbtagsstelle und die Sozialpädagogin Angela Rupp im Frauenhaus Erding. Die zweite Sozialpädagogenstelle mit ebenfalls 33 Wochenstunden ist seit Oktober unbesetzt und ausgeschrieben. „Ich wüsste nicht, wo ich Personal sparen kann“, erklärt Leiterin Rupp auf Nachfrage. Im Gegenteil: Wenn sieben oft verhaltensauffällige Kinder im Haus seien, sei eine Teilzeit-Erzieherin jetzt schon zu wenig.

Das Defizit betrug 2016 insgesamt 173 000 Euro. Davon übernahm Erding den Löwenanteil von 83 000 Euro, den Rest die beiden anderen Landkreise. Für 2017 wird mit einem ähnlichen hohen Fehlbetrag gerechnet.

Die Betroffenen zahlen pro Tag zehn Euro Miete, der Tagessatz, den die Landkreise übernehmen, beträgt täglich 128 Euro. Der Freistaat Bayern bezuschusse das Erdinger Frauenhaus mit gerade einmal 16 000 Euro, berichtet die SPD-Landtagsabgeordnete Doris Rauscher. Insgesamt erhielten die 40 bayerischen Frauenhäuser 2,5 Millionen Euro vom Staat.

Nach Ansicht von Rauscher ist das viel zu wenig. 140 000 Frauen in Bayern seien pro Jahr Opfer von sexueller oder körperlicher Gewalt. Dem stünden in Frauenhäusern lediglich 367 Plätze für Frauen und 456 für Kinder gegenüber. „Die CSU hat in den Haushaltsberatungen des Landtags die dringend notwendige Verdoppelung der finanziellen Mittel für Frauenhäuser abgelehnt“, kritisiert Rauscher. Auch in Erding gibt es laut Rupp „auch Zeiten, in denen ich mehr Anfragen als Zimmer habe“. Dabei sei es ja gerade wichtig, dass ein Frauenhaus möglichst immer Kapzitäten hat, um Notfälle aufzunehmen.

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