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Gefahr gebannt: Diese Bürgerin lässt sich von Yvonne Daschner vom BRK Erding impfen. Bereits rund 2000 Bürger verfügen über einen ersten Schutz. Kommende Woche beginnt der zweite Durchgang.

Nach Beschwerden, Kritik und vielen Fragen: Ein Besuch im Corona-Zentrum des BRK

Der große Impf-Check

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Seit drei Wochen können sich die Erdinger in der Turnhalle am Lodererplatz in der Kreisstadt gegen das Corona-Virus impfen lassen. Doch seit dem Start am 27. Dezember gibt es immer wieder Kritik, Beschwerden und Fragen. Der Erdinger/Dorfener Anzeiger schaut hinter die Kulissen der Anti-Corona-Kampfzentrale des BRK-Kreisverbandes Erding.

Lieferung

Das BRK-Impfzentrum wird zweimal pro Woche mit Impfstoff beliefert – dienstags und freitags. „Wie viel es dann immer ist, ist leider immer noch die große Unbekannte“, erklärt Leiter Christian König. Mal seien es 90 bis 100 Ampullen auf einmal, im anderen Fall 20. Aus jeder lassen sich sechs Dosen verimpfen.

Terminvergabe

„Nach wie vor bekommen wir zwischen 600 und 2500 Anrufe am Tag und rund 150 Mails“, berichtet König. „Danach vergeben wir die Termine, die Impfwilligen bekommen Bescheid.“ Nun kann man sich auch zentral über www.impfzentren.bayern vormerken lassen. Wer sich anmelden will, obwohl er aufgrund seines Alters noch gar nicht an der Reihe ist, bekommt den Hinweis, es später noch einmal zu probieren.

Kapazität

Sofern ausreichend Impfstoff vorhanden ist, können pro Tag bis zu 150 Personen geimpft werden. Am Montag waren es laut König sogar 198. Ziel des Landratsamts sind 200 Dosen am Tag. Wann das möglich ist, hängt von zwei Faktoren ab: die Verfügbarkeit des Impfstoffs sowie das sinkende Alter der Impfwilligen. Wer jünger ist, hat meist weniger Vorerkrankungen, das beschleunigt das verpflichtende Beratungsgespräch beim Arzt.

Zeitaufwand

Impfwillige sollten 30 bis 35 Minuten einplanen, inklusive 15 Minuten Beobachtungszeit, ob nach der Spritze Nebenwirkungen auftreten.

Ablauf

Auf der Homepage des BRK kann man sich vorab informieren und sich die erforderlichen Unterlagen herunterladen, ausdrucken und ausfüllen. „Das spart Zeit“, rät König. Der Wachdienst misst bei jedem Besucher die Temperatur. „Das muss wegen der kalten Witterung im Ohr erfolgen“, erklärt BRK-Sprecherin Danuta Pfanzelt. Nach dem Impfgespräch wird die Spritze gesetzt. Nach 15 Minuten Beobachtungszeit darf man wieder gehen.

Kosten

Die Impfung ist für die Bürger kostenlos, sie bezahlt der Bund.

Impfstoff

Im Landkreis Erding wird ausschließlich das Vakzin des deutschen Herstellers Biontech eingesetzt. Das soll laut König vorerst auch so bleiben, selbst wenn das Serum von Moderna nun auch auf den deutschen Markt kommt.

Personal

Neben König als Leiter und Dr. Hermann Schöberl als Ärztlicher Leiter sind immer zugegen: ein Impfarzt, zwei medizinische Fachangestellte, die die Impfung vornehmen, vier Verwaltungskräfte und Helfer, darunter Personal aus dem BRK-Kinderhaus und Freiwilligendienstleistende. Das mobile Team besteht aus einem Arzt, einer medizinischen Fach- und einer Verwaltungskraft.

Fortschritt

Bis Mittwochabend haben im Impfzentrum rund 1800 Bürger einen ersten Schutz gegen Sars-Cov-2 erhalten, in den Heimen sind es bislang 240 – in Summe also annähernd 2000.

Zweiter Durchgang

Das BRK stellt die Hälfte des Impfstoffes für die zweite Injektion zurück. Die ersten Geimpften sind ab kommender Woche einbestellt – und sind danach gegen das Virus geschützt.

Zweite Impfstraße

Für die zweite Runde plant das BRK laut König eine eigene, zweite Impfstraße. „In der Regel bedarf es dann keiner ärztlichen Beratung mehr. Es geht also schneller.“

Warteschlange

„Die gab es einmal“, gibt König zu. Das war am 4. Januar. Das war der Grund: „Wir hatten für ein Heim 100 Impfungen vorgesehen. Es stellte sich aber heraus, dass 50 Bewohner Corona-positiv sind oder waren. Damit sind sie zunächst einmal immun und müssen nicht prioritär geimpft werden.“ Deswegen habe man „Reserveimpflinge“ einbestellt, darunter einige Feuerwehrleute. „Wir wollten auf keinen Fall den aufgetauten Impfstoff verfallen lassen.“ Der Fehler sei gewesen, dass man die Feuerwehrler aufgrund eines Absprachefehlers sofort hereingebeten habe und deswegen andere warten mussten.

„Grundsätzlich gibt es aber keine Wartezeiten,“ versichert König, „wenn man nicht viel zu früh kommt“. Leider passiere das immer wieder. „Wer einen Termin hat, kommt auch dran.“

Ungerechte Warteliste

Wie kann es sein, dass manche erst in ein paar Wochen einen Termin haben, während andere schon am nächsten Tag kommen dürfen? Das führt König auf die noch unstete Versorgung mit dem Serum zurück. „Im Moment könnten wir 150 Menschen am Tag impfen, wir vergeben aber maximal 100 Termine. Wird überraschend mehr Impfstoff geliefert, füllen wir Terminlücken kurzfristig auf. Andererseits kann er nicht ausschließen, „dass wir Termine canceln müssen, weil zu wenig geliefert wurde“.

Volle Halle/ schlechte Luft

BRK-Kreisgeschäftsführerin Gisela van der Heijden berichtet, dass maximal 25 Personen gleichzeitig in der Halle sein dürften. „Der Sicherheitsdienst überwacht das auch.“ Zudem werde die Halle regelmäßig gelüftet. „Wir verfügen über ein Lüftungs- und Hygienekonzept, das vom Gesundheitsamt abgenommen worden ist“, so die BRK-Chefin.

Komplikationen

„Bisher gab es keinerlei Probleme“, versichert König. Eine Frau habe sanitätsdienstlich betreut werden müssen, allerdings wegen einer schweren chronischen Vorerkrankung.

Lage in den Heimen

Im Landkreis gibt es gut 20 Alten- und Pflegeheime. Im Marienstift in Dorfen konnten bereits alle Bewohner und Pfleger, die das wollten, geimpft werden, „Das war toll vorbereitet.“ In der Hälfte habe das mobile Team mit dem Impfschutz begonnen. „Es gibt aber auch ein halbes Dutzend Einrichtungen, die bislang noch nicht auf unsere Bedarfsabfrage reagiert haben“, wundert sich König.

Reaktionen

Wir haben mit zwei Geimpften gesprochen. Franz Grabmayr aus Reichenkirchen sagt: „Für mich stand von Anfang an fest, dass ich mich impfen lassen. Ich habe vor der Spritze keine Angst und will mich vor Corona schützen.“ Der 80-Jährige ist voll des Lobes: „Das hat hier sehr gut geklappt. Alles war gut organisiert und lief schnell ab. Gleicher Meinung ist Lorenz Lex aus Langengeisling. Auch er ist 80. „Die Impfung ist der einzige und beste Schutz – und der Schlüssel, dass wir die Pandemie hinter uns lassen können.“ Auch er habe im Impfzentrum nur gute Erfahrungen gemacht.

Weitere Infos gibt es auf der Internetseite des BRK: www.brk-erding.de. Anmelden kann man sich unter Tel. (0 81 22) 5 53 79 40 oder per E-Mail an impftermin@kverding .brk.de oder zentral im Internet auf www.impfzentren.bayern.

ham

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