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Die beiden Hochhäuser Max & Moritz in Altenerding werden gerade saniert. Doch von der neuen Fassade gehe keine Brandgefahr aus, versichert der Bauleiter. Hier werden Faserzementplatten verbaut.

Nach der Brandkatastrophe von London 

Die Angst im Hochhaus vor dem Feuer

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Nach dem Hochhausbrand am 14. Juni in London mit 80 Toten sowie der Evakuierung eines Wohnturms in Wuppertal am Dienstag treibt auch bei uns die Bewohner hoher Häuser die Frage um: Leben wir sicher? In Erding werden gerade zwei Hochhaus-Fassaden saniert. Ein Besuch.

Erding – Sie sind das Wahrzeichen des Erdinger Südens: Die beiden Wohnhochhäuser „Max & Moritz“ an der Wendelsteinstraße in Altenerding. Umgeben sind sie von weiteren mehrgeschossigen Häusern, den „Sieben Zwergen“. Max & Moritz werden seit vorigem Jahr saniert. Das zwölfstöckige Gebäude verfügt bereits über eine neue Fassade, das neunstückige Gebäude ist noch eingerüstet.

Diese Baustelle ist nach dem Hochhausbrand von London in den Fokus gerückt. Denn die Brandkatastrophe im Grenfell-Tower hatte sich über die brennbare Wärmedämm-Fassade – es handelte sich um eine Styropor-Art – ausgebreitet. In Erding kann das nicht passieren. Davon ist Marius Bajorek überzeugt. Er ist bei der Allgäuer Fassaden-Firma Hörmannsdorfer Bauleiter. „Die alte Asbest-Fassade wurde entfernt. Nun kommt eine neue mit besserer Dämmung drauf.“ Doch von der, versichert Bajorek, gehe keine Gefahr aus. Verbaut würden Aluprofile sowie Platten aus Faserzement. Hinter den Platten im Bereich der Dämmung werden nach den Worten des Bauleiters waag- und senkrechte Brandschwellen angebracht, die im Ernstfall verhindern, dass sich Flammen etwa vom Boden oder einem Balkon ausbreiten können.

EU erlaubt leicht entflammbare Stoffe

Bajorek erklärt, seit dem Großbrand in England werde man immer wieder von Bewohnern auf den Brandschutz angesprochen. „Wir können sie nicht nur wegen der Materialien beruhigen. Zudem stehen wir in engem Kontakt mit Brandschutzexperten vor Ort in Kontakt, die die Baustelle kontrollieren.

Tatsächlich darf auch bei uns das Material verbaut werden, das in London zum Inferno geführt hat. Hier gelten EU-weit die gleichen Standards. In Deutschland müssen jedoch andere, höhere Sicherheitsvorschriften beachtet werden.

Sebastian Haindl, Zimmerermeister aus Grucking, erklärt: „Es gibt unterschiedliche Gebäudeklassen. Bei üblichen Einzel- oder Doppelhäusern besteht die Fassade häufig aus chemisch erzeugten Stoffen, sprich Styropor. Diese in der Tat leicht entflammbaren Materialien sind nur erlaubt, weil man davon ausgeht, dass es keine großen Flächen sind und die Bewohner die Möglichkeit haben, sich rasch in Sicherheit zu bringen.“ Zwischen zwei Doppelhaushälften müssen Brandmauern eingezogen werden.

Haindl sagt aber auch: Selbst an Hochhaus-Fassaden findet man leicht entflammbare Dämmung. „Allerdings müssen dann in engen Abständen Brandriegel verbaut werden.“ Sie bestehen aus schwer entflammbarem Material und schirmen die Wandsegmente voneinander ab.

Damit aus Zimmer- keine Fassadenbrände entstehen, muss über jedem Fenster ebenfalls ein feuersicherer Stoff verbaut werden, in der Regel Steinwolle.

Dennoch: Einen Brand kann niemand ausschließen. Dann wird’s ein Fall für die Feuerwehr. Und die ist gerüstet, versichert Stephan Stanglmaier, Stadtbrandmeister und Kommandant der für die beiden Hochhäuser zuständigen Feuerwehr Altenerding.

„Wir unterscheiden zwischen hohen Häusern und Hochhäusern“, erklärt Stanglmaier. Max & Moritz fielen in beide Kategorien. In dem zwölfstöckigen Gebäude gibt es seinen Worten zufolge zwei baulich voneinander getrennte Treppenhäuser, also zwei Fluchtwege. Im neungeschossigen Gebäude nebenan reicht laut Stanglmaier ein Treppenhaus. „Hier kommen wir mit unserem Teleskopgelenkmast und mit der Drehleiter der Feuerwehr Erding bis in die oberste Etage. Das ist der zweite Fluchtweg.“ In beiden Wohnriesen befinden sich Steigleitungen, in die von unten rasch Löschwasser eingespeist werden kann.

Feuerwehrübung am Klinikwohnheim

Wenn es in einem Hochhaus brennt, wendet die Feuerwehr diese Taktik an: „Zwei Etagen unter dem Brandherd richten wir ein Depot unter anderem mit Sauerstoffflaschen und Masken ein. Von dort aus steigen die Einsatzkräfte dann zum Brandherd auf“, erklärt der Stadtbrandmeister. Das muss regelmäßig geübt werden. Am 14. Juli werden die Feuerwehren Altenerding und Erding im mehrstöckigen Schwesternwohnheim des Klinikums einen Brand simulieren. „Das hatten wir schon vor der Katastrophe von London geplant“, sagt Stanglmaier, der froh ist, „dass wir in den vergangenen Jahren von Hochhausbränden in Erding verschont geblieben sind“.

Von Hans Moritz

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