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Nach der Ernte ist vor der Ernte: Das machen Ackerbauern im Winter

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Von: Uta Künkler

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Dinkel entspelzen ist typische Winterarbeit: Raphaela Lex (oben, l.) und Auszubildende Sabine Ziegltrum schälen auf dem Biohof Lex in Emling (Gemeinde Bockhorn) vom Getreide ab, was beim Dreschen dran geblieben ist.
Dinkel entspelzen ist typische Winterarbeit: Raphaela Lex (oben, l.) und Auszubildende Sabine Ziegltrum schälen auf dem Biohof Lex in Emling (Gemeinde Bockhorn) vom Getreide ab, was beim Dreschen dran geblieben ist. © Bernadette Lex

Büroarbeit, Maschinenpflege, Kartoffeln sortieren: Die Winterarbeiten von Landwirten sind vielfältig.

Landkreis – Im Frühjahr sieht man sie die Felder umgraben, im Sommer und Herbst oft von früh bis spät die Ernte einfahren. Doch was machen Ackerbauern eigentlich im Winter? Jedenfalls nicht sich auf der Ofenbank langweilen – oder nur ein ganz klein wenig. „Wir halten gerade mal eine Woche Winterschlaf“, sagt Biobäuerin Bernadette Lex aus Emling. Nach der Saison ist eben vor der Saison: Neben Maschinenpflege, Kartoffelsortieren und Vermarktung steht im Winter vor allem Büroarbeit an.

Draußen ist es kalt. Die Bäume sind kahl, die Felder liegen brach. „Im Winter herrscht bei uns die so genannte vegetationslose Zeit. Es gibt Sperrfristen, in denen auch keine Gülle aufgetragen werden darf“, erklärt Katharina Binsteiner, Bereichsleiterin Landwirtschaft am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ebersberg-Erding. Erst ab Ende Januar darf wieder gedüngt werden.

Die Landschaft scheint unwirtlich in diesen Tagen. Doch es gibt Gemüsesorten, die gerade zu dieser frostigen Jahreszeit gedeihen. In Moosinning, am Naturland-Hof von Amadé Billesberger, genannt Mogli, herrscht auch in den Wintermonaten rege Betriebsamkeit auf dem Acker. „Gerade ernten wir für die Biokisten, die wir einmal wöchentlich an private Haushalte bis nach München liefern. Rein kommt, was gerade Saison hat. Zum Beispiel Grünkohl, Schwarzwurzeln und Lauch“, erklärt der 39-jährige Landwirt. Die größte Herausforderung beim Anbau von Wintergemüse sei es, den richtigen Zeitpunkt beim Säen und Pflanzen zu erwischen. „Ein bisschen Glück gehört hier auf jeden Fall dazu“, sagt der Biobauer.

Das Wintergemüse hält Biobauer Amadé Billesberger in Moosinning auf Trab. Derzeit erntet er Grünkohl, Schwarzwurzeln und Lauch für Biokisten.
Das Wintergemüse hält Biobauer Amadé Billesberger in Moosinning auf Trab. Derzeit erntet er Grünkohl, Schwarzwurzeln und Lauch für Biokisten. © André Goerschel

Neben dem Wintergemüse gibt es auf dem Billesberger- Hof außerdem einen großen Vorrat an Lagergemüse. Ende Herbst, Anfang Winter werden beispielsweise Schwarzkohl, Weißkraut, Gelbe Rüben, Pastinaken und Knollensellerie geerntet und eingelagert. „Ganz wichtig dabei: Wir waschen das Gemüse nicht, sondern lagern es mitsamt den Erdresten ein. Diese dienen als natürliche Konservierung und halten lange frisch“, erklärt der Landwirt.

Auch am Hof von Georg und Monika Stemmer in Niederding sind derzeit die Hallen voll. Sein Getreide und den Mais lässt der Ackerbauer gleich nach der Ernte vom Hof holen. Aber Kartoffeln, Zwiebeln und Rote Beete werden über die Wintermonate hinweg immer wieder Lastwagen für Lastwagen zur Weiterverarbeitung abtransportiert. Außerdem sind die Stemmers als Direktvermarkter auch mit dem Abpacken der Produkte für ihren Hofladen beschäftigt.

Ein Lied davon singen kann Bernadette Lex. Die Biobäuerin betreibt mit ihrer Familie einen Hof in Emling und bewirtschaftet 200 Hektar Land. „Alles, was wir ernten, bereiten wir auch selber auf“, sagt die junge Landwirtin. Die Familie vertreibt Saatgut für andere Landwirte sowie Körner und Mehle für den Großmarkt und Endkunden. Sie baut unter anderem verschiedene Getreidearten, Soja, Hirse, Buchweizen und Kümmel an. Von der Ernte bis zum Verpacken geschieht hier alles am Hof.

Dieser Tage läuft die Getreidereinigungsmaschine von morgens bis abends. Auch das Mehl muss gemahlen werden. „Und dann packen wir das Ganze in 500-Gramm-Packerl ab“, erzählt Lex. „Und wenn’s mal sonst nix mehr zu tun gibt, dann werden bei uns Kartoffeln sortiert. Das machen wir eigentlich den ganzen Winter lang, bis es auf dem Acker wieder losgeht“, sagt die Biobäuerin.

Ihr Hof liegt mitten im gemüselastigen Moos. Auf dem leichten Boden werden traditionell Kartoffeln und Gemüsesorten angebaut. Der Landkreis Erding lässt sich von den Bodengegebenheiten in mehrere Zonen einteilen, informiert Binsteiner vom Landwirtschaftsamt. Neben dem Moos gebe es das tertiäre Hügelland Richtung Hohenpolding und Isen hinaus. „Entlang der Milchstraße B 15“, erklärt Binsteiner, „ist Grünlandgebiet, perfekt für Rinderhalter und Maisanbau“. Und in den südlichen Landkreis ziehe sich ein Ausläufer der Münchner Schotterebene.

Tiere müssen selbstverständlich das ganze Jahr über versorgt werden. Aber auch ansonsten sei immer genug zu tun, betont Binsteiner. Nicht nur die Planung der neuen Saison samt Bedarfsermittlung für Dünger, Saatgutbestellung und Co. laufe dieser Tage auf den meisten Höfen. Außerdem sind viele Landwirte auch Waldbesitzer, und „Winterzeit ist Waldarbeitszeit“, sagt Binsteiner. Viele sind mit ihren Traktoren auch im Winterdienst im Einsatz. Wie Georg Stemmer, der mit mehreren Fahrzeugen beim Schneeräumen am Flughafen hilft.

Dennoch: Nach dem ruhigsten Monat im Jahr gefragt, antworten die Landwirte unisono Dezember. Trotz Bürokratie und Vorausplanung bietet der Winter den Bauern also auch heute noch Zeit zum Durchschnaufen. „A bisserl Work-Life-Balance“, nennt Binsteiner das. Und eine Zeit, um wieder Kraft zu schöpfen für die nächste Saison. Bald geht’s schon wieder los, sagt Binsteiner. „Im Sommer und Herbst wird oft 14 bis 16 Stunden gearbeitet – jeden Tag.“

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