Nach OP Clinch mit der Krankenkasse

Kostenstreit um Krebs-Impfung

Mädchen bis 14 Jahren wird eine Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs empfohlen. Eine 24-Jährige erkrankt trotzdem. Ärzte empfehlen eine Nachimpfung – die Kasse zahlt nicht.

Erding - Die Tochter (24) einer Bockhornerin erkrankte an einer Vorstufe von Gebärmutterhalskrebs. Mittlerweile hat sie eine Operation hinter sich: „Zusätzlich zur OP wurde ihr von einem Frauenarzt empfohlen, dass sie sich nachimpfen lässt“, erzählt die Mutter: „Die Impfung würde das Risiko, erneut an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, von sieben auf zwei Prozent senken“, berichtet sie. Aber: Ihre Krankenkasse, die AOK Erding, will die Kosten für die Impfung nicht übernehmen. Die Mutter ärgert sich: „Scheinbar ist den Krankenkassen nicht daran gelegen, Kosten zu sparen und präventiv Gelder für wirklich wichtige Dinge auszugeben.“

Zur Vorgeschichte: Die Tochter ließ sich bereits „mit 14 oder 15 Jahren“, so die Mutter, mit dem Impfstoff Gardasil 9 gegen Gebärmutterhalskrebs impfen. Grundsätzlich eine richtige Entscheidung, denn: „Die Impfempfehlung besteht für Mädchen zwischen neun und 14 Jahren“, sagt Siegfried Kübelsbeck von der AOK Erding: „Wir zahlen die Impfung aber für Mädchen bis 17 Jahre.“ Wichtig sei, dass sie vor dem ersten Geschlechtsverkehr erfolgt.

Denn Gebärmutterhalskrebs wird durch eine Infektion mit Humanen Papillomviren (HPV) verursacht. Frauen tragen HPV entweder schon in sich, oder sie werden unter anderem durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragen. „Wenn die Infektion erst einmal im Körper ist, dann bringt eine Impfung nichts mehr“, sagt Kübelsbeck – so sei eine Empfehlung des Robert-Koch-Instituts, ein Bundesinstitut, das Impfempfehlungen ausspricht.

Die Erdinger Frauenärztin Silke Wolfrum sieht das anders: „Es hat sich schon gezeigt, dass die Hälfte der Frauen auch nach einer OP am Gebärmutterhals von einer Nachimpfung profitieren. Das haben Studien gezeigt“, sagt die Gynäkologin und empfiehlt der Familie nochmals einen schriftlichen Antrag bei der Krankenkasse zu stellen.

Auch Frauen außerhalb der empfohlenen Altersgruppe zwischen neun und 17 Jahren können laut Wolfrum von der Impfung profitieren. „Denn die HPV-Viren übertragen sich über Geschlechtsverkehr, und junge Frauen haben oft noch mehrere sexuelle Kontakte“, sagt die Ärztin.

Impfungen gegen Gebärmutterhalskrebs helfen nach ihrer Schilderung also auch noch bei jungen Frauen. Der Tochter der Bockhornerin helfen diese Erkenntnisse nicht weiter. Sie muss den Impfstoff Gardasil 9 selbst in der Apotheke kaufen: „Eine Impfung kostet 160 Euro und sie braucht wohl drei davon. Da kommt sie dann so auf fast 500 Euro“, sagt die Mutter – viel Geld für eine junge Frau.

Anna Schwarz

Rubriklistenbild: © gms

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