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Eine Erinnerung an Erding in Bildern erhielt Pfarrerin Andrea Oechslen von OB Max Gotz (l.) Lobende Worte fand auch Dekan Christian Weigl. 

Nach zwölf Jahren verlässt Pfarrerin Oechslen die evangelische Gemeinde nach Rothenburg

Ein letztes Mal auf zu neuen Ufern

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Sie hat viel von der (Kirchen-)Welt gesehen, nun bricht Andrea Oechslen mit 59 Jahren zu ihrer wohl letzten beruflichen Station auf. Am Sonntag verabschiedete sich die Pfarrerin von der evangelisch-lutherischen Gemeinde Erding, der sie zwölf Jahre lang angehörte.

Erding – Ihre nächste Station wird Rothenburg ob der Tauber sein. Nachdem das Pfarrhaus dort endlich saniert ist, steht dem Wechsel zum 1. April nichts mehr im Wege.

Gleich zwei Abschiedsgottesdienste fanden dazu in der Erlöserkirche in Klettham statt, jenes Gotteshaus, das in Oechslens Erdinger Zeit aufwändig saniert worden war. Aber auch Abriss und Neubau des evangelischen Gemeindezentrums in Altenerding fallen in ihre Zeit. Zudem hat sie viele kirchliche Reisen in die Welt unternommen und Hunderte Konfirmanden an die Kirche herangeführt.

Unserer Zeitung sagte die Theologin, es seien zwölf schöne Jahre in Erding gewesen, „aber nach so vielen Jahren ist es noch einmal Zeit für einen Wechsel, es wird der letzte in meinem Berufsleben sein“. Daher habe sie sich auf die Stelle in der weltberühmten historischen Stadt beworben. „Ich möchte noch einmal eine neue Aufgabe und Herausforderung annehmen, das brauche ich.“

Ursprünglich stammt Oechslen aus Mittelfranken, aufgewachsen ist sie im Kreis Ansbach. Theologie studierte die 59-Jährige in Regensburg, Neuendettelsau, Heidelberg und München. Das Vikariat führte sie nach Mitwitz, einer kleinen Gemeinde bei Kronach in Oberfranken. Die erste Pfarrstelle übernahm sie nicht weit entfernt davon – in Coburg. Danach zog es Oechseln ins Ausland, elf Jahre betreute sie eine Gemeinde in Oberösterreich, ehe sie nach Erding kam.

Die beiden – früh ausgebuchten – Abschiedsgottesdienste zelebrierte Oechslen gemeinsam mit dem Freisinger Dekan Christian Weigl. Mit einem Schmunzeln erinnerte sich Oechslen, „als vor bald 13 Jahren eine Delegation aus Erding inkognito nach Österreich kam, um einen Gottesdienst von mir zu hören“. Natürlich sei die Abordnung in der kleinen Dorfgemeinde sofort aufgefallen.

Ihr Abschied fiel ausgerechnet auf den Lätare-Sonntag, auch Freudensonntag genannt. „Die Freude wird das letzte Wort behalten“, sagte die scheidende Pfarrerin. In Erding habe sie eine lange, aber auch erfüllende Zeit verbracht.

Dekan Weigl bedauerte es, „dass wir heute nicht in einer vollen Kirche und mit einem Fest feiern können. Aber die Zeit ist nicht so“. Nun sei es ein sehr intimer Abschied. Er zitierte Psalm 37 „Befiehl dem Herrn Deine Wege“. Oechslen sei stets freundlich, klar in ihren Aussagen und zuverlässig gewesen. Auch in der Zeit von Vakanzen habe sie die Mehrarbeit „konstruktiv und ohne Klagen getragen“. Seine Kollegin sei „einfach immer da gewesen“. Besonders hob Weigl hervor, dass Oechslen „denen eine Stimme gegeben hat, die sonst oft unter den Tisch fallen“. Ihr Herz habe für die „kleinen Leute“ geschlagen.

Stellvertretender Landrat Franz Hofstetter dankte Oechslen, „dass Sie in den zwölf Jahren in Stadt und Landkreis so viele Menschen begleitet haben“. Die Kirche übernehme in der Gesellschaft eine wichtige Aufgabe, meinte er in Hinblick auf die Senioren- und Kinderarbeit.

OB Max Gotz gab zu: „Ich hätte nicht gedacht, dass Sie schon zwölf Jahre hier sind. Wir sind uns oft begegnet.“ In dieser Zeit habe man viele Veränderungen erlebt, gesellschaftlich wie baulich. Besonders hob Gotz Oechslens „mutigen Einsatz“ für die Stärkung der Rolle der Frauen hervor. „Da ist noch viel zu tun.“

Der katholische Pfarrer Jan-Christoph Vogler blickte auf neun gemeinsame Jahre zurück. Es gehöre Mut dazu, etwas Neues zu beginnen. Zum Abschied überreichte er zwei Dosensuppen – als Erinnerung an ökumenische Fastensuppenessen. Heuer sei es coronabedingt ausgefallen.

Und wie geht es in Erding weiter? Pfarrer Christoph Keller sagte unserer Zeitung, die Wiederbesetzung sei für Juli geplant, realistischer sei aber der Herbst dieses Jahres.

ham

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