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Ihre deutsche Staatsbürgerschaft feierten die Gäste des Empfangs im Landratsamt.

Empfang im Landratsamt 

107 Neubürger: Eine Chance für alle Seiten

Erding – 107 Menschen sind im vergangenen Jahr im Landkreis Erding eingebürgert worden. Sie kommen aus den verschiedensten Ländern, von Tschechien über Kenia bis Kuba. Um die besondere Bedeutung dieses Schritts zu würdigen, lud der Landkreis zur Einbürgerungsfeier im Großen Sitzungssaal des Landratsamtes. Dabei erzählte Schiller Modjeu Kinne am Dienstagabend die Geschichte, wie er von Kamerun nach Bayern gekommen war. „Es war nicht so einfach für mich, ich musste bei der Sprache ganz von vorn anfangen“, berichtete er von den ersten Tagen, als er wegen eines Studiums nach Deutschland gezogen war.

Landrat Martin Bayerstorfer zeigte sich stolz auf die 107 Neubürger. „Das Thema Integration ist seit einigen Jahren allgegenwärtig. Vielen ist klar geworden, dass wir gefordert sind, Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in unserem Land eine Zukunft zu ermöglichen“, erklärte er. Er zeigte sich dankbar für die Hilfsbereitschaft und Solidarität im Landkreis. „Sie haben die Chance und die Verantwortung sich einzubringen.“ Dies umfasse viel mehr als nur wählen zu gehen, sagte Bayerstorfer zu den Gästen.

Auch der Wartenberger Pfarrer Gregor Bartkowski sprach bei dem Empfang. Er wies die Anwesenden darauf hin, dass „das Leben in der Gesellschaft nur durch ein Geben und Nehmen funktioniert“. Er selbst stammt aus Polen lebt seit 20 Jahren hier. Bayern sei für ihn zur Heimat geworden. „Mein großer Wunsch ist, dass sie auch so ein Gefühl entwickeln.“

Wie auch der Pfarrer sagte Schiller Modjeu Kinne. „Ohne Sprache geht es nicht.“ 2002 habe er sich für einen Deutschkurs in Würzburg angemeldet, die Prüfung gemacht und sich danach für Elektrotechnik in Darmstadt eingeschrieben. Diese Zeit war nicht ganz einfach für ihn, da er keine finanzielle Unterstützung bekam und Geld nach Hause schicken musste.

„2004 lernte ich meine Frau kennen. Bei unserer ersten Begegnung wollte ich ihr ein Kompliment machen, da sie immer so viel gelacht hat“, erzählt er. Leider habe er aber damals zu ihr gesagt: „Du bist aber lächerlich. Sie hat mich zum Glück verstanden“, meinte Kinne. Die beiden haben jetzt zwei Kinder.

„Das Leben als Ausländer ist nicht so einfach. Persönlich wurde ich noch nicht beschimpft, aber mir wurde durch Taten bewusst, dass ich nicht willkommen bin“, sagte Kinne. Für die deutsche Staatsangehörigkeit habe er sich entschieden, erklärt er, „weil ich wählen will“.  

Sebastian Hartinger

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