+
Zukunftsvision: So könnte das Wohngebiet rund um die Grundschule am Ludwig-Simmet-Anger und das BRK-Kinderhaus in Altenerding in ein paar Jahren aussehen. Oben ist die Haager Straße zu sehen, unten die B 388.

Große Pläne in Altenerding - Streit um Verdichtung in Eichenkofen

Neue Siedlung: Platz für mehrere hundert neue Erdinger

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
    schließen

Seit Jahren wächst Erding nicht mehr. Das wird sich in den nächsten Jahren massiv ändern.

Erding – Die Neubaugebiete Thermengarten und Poststadl/B 388 sind im Bau oder bereits bezogen. Der Stadtentwicklungsausschuss stellte nun zudem die Weichen für eine dritte Siedlung – rund um die Grundschule am Ludwig-Simmet-Anger und das BRK-Kinderhaus „Die Wolperdinger“, eingerahmt von der Haager Straße Ost und (wiederum) der B 388.

Schule und Kindergarten sind schon da

Das Besondere dieser Siedlung: Mit dem Bau der Schule und des Kindergartens vor 15 beziehungsweise zehn Jahren hat die Stadt die soziale Infrastruktur geschaffen, ehe das erste Haus auch nur geplant war. Der Bebauungsplan stammt aus dem Jahr 2003, er wurde allerdings in mehrere Abschnitte aufgeteilt. In seiner Sitzung am Dienstag zog der Ausschuss die Grenzen des Bebauungsplans noch einmal neu: Er wird nach Süden in Richtung Ardeostraße verlängert, um Teile einer Retentionsfläche für den Hochwasserschutz integrieren zu können.

Hochwassergefahr muss vorher gebannt sein

Das Gebiet Haager Straße Ost ist nämlich hochwassergefährdet. Der Investor hat sich, um schneller zu Baurecht zu kommen, bereit erklärt, ein temporäres Rückhaltebecken zu schaffen, bis der Hochwasserschutz für die Stadt umgesetzt ist (wir berichteten). „Ist das Becken fertig, könnte im Norden mit der Bebauung begonnen werden“, erklärte Lolita Liening vom Stadtplanungsamt – bis zur so genannten Bürgermeistersiedlung (Reihenhaussiedlung Erding-Ost).

Helga Stieglmeier (Grüne) wollte wissen, für wie viele Menschen gebaut werde. Das könne man noch nicht sagen“, erwiderte OB Max Gotz. Auf jeden Fall soll Wohnraum für mehrere hundert Bürger geschaffen werden – ähnlich wie ein paar Meter weiter rund um den früheren Poststadl. Dort sind 70 Häuser und 275 Wohneinheiten geplant. Stieglmeiers ins Feld geführte Zahl von 800 Wohnungen seien aber zu hoch gegriffen, so der OB. Zur Höhenentwicklung merkte er an: „Die Silhouette Erdings und Altenerdings muss weiterhin zu sehen sein.“

Schule kann erweitert werden

Weiter wollte Stieglmeier wissen, ob die Grundschule am Ludwig-Simmet-Anger auf so viele Neubürger ausgelegt sei. Gotz erklärte: „Man kann aufstocken, im Süden der Schule haben wir zudem ein Grundstück erworben, auf dem ein Erweiterungsbau möglich ist.“ Spätestens im Zuge der Konversion des Fliegerhorsts müsse die Erdinger Grundschullandschaft ohnehin neu sortiert werden, so Gotz in Anspielung auf die nahe beieinander liegenden Grundschulen am Lodererplatz und am Grünen Markt.

Zur Erschließung erklärte Stadtbaumeister Sebastian Henrich auf die Frage von Burkhard Köppen (CSU) , diese werde über die B 388 auf Höhe der Schule erfolgen, möglicherweise über einen Kreisverkehr, nicht aber über eine Ampel.

Wie teuer werden die Häuser?

Stefan Grabrucker (SPD) erkundigte sich im Hinblick auf bezahlbaren Wohnraum nach der Möglichkeit, hier die Soziale Bodennutzung (SoBoN) anzuwenden, die Investoren verpflichtet, einen Teil der Wohnungen preisgünstig beziehungsweise auf Sozialniveau anzubieten. Gotz erwiderte, das hätte man bei der Aufstellung des Bebauungsplans regeln müssen. Hinzu komme, dass SoBoN bei der späteren Verwaltung des Wohnraums einen großen Aufwand bedeute. „München ist dabei, sich davon schon wieder zu verabschieden.“

In einem zweiten Tagesordnungspunkt beschäftigte das Areal Haager Straße Ost den Ausschuss, nämlich der nordwestliche Teil. Hier wurde der Geltungsbereich ebenfalls geändert, „damit wir unter anderem die Erweiterung der Grundschule planen können“, so Liening.

Der Bebauungsplan geht nun ins Verfahren. Bis hier gebaut werden kann, wird es also noch Jahre dauern. Voraussetzung ist ohnehin: Das Rückhaltebecken muss vorher fertig sein.

Wohnhäuser und Sportplatz - passt das zusammen?

Diskussionsbedarf gab es über einen weiteren Bebauungsplan, den „Nördlich der Eittinger Straße“ in Eichenkofen. Östlich des Sportgeländes der Spielvereinigung soll eine größere Wiese als Bauland ausgewiesen werden. Das Areal ist 7600 Quadratmeter groß, erste Überlegungen einer Bebauung datieren aus dem Jahr 2013.

Gerhard Ippisch (Grüne) erinnerte daran, dass die Eichenkofener stets signalisiert hätten, keine Verdichtung zu wünschen, und wenn, dann nur östlich der Sempt. Die Fläche befinde sich aber westlich des Flusses. Gotz sagte, er kenne mehrere Bauwillige. Ippisch befürchtet Ärger wegen des Lärms vom benachbarten Fußballplatz. Petra Bauernfeind (FW) witterte Konflikte wegen der geplanten Flutlichtbeleuchtung der SpVgg sowie wegen des Straßenlärms von der Ortsdurchfahrt Richtung ED 19/Eitting.

Thomas Schmidbauer (Erding Jetzt) sah im Bebauungsplan „deutlich mehr als nur eine Ortsabrundung“. Auch sein Fraktionskollege Hans Egger erkannte eine „sehr massive Entwicklung“, die einen größeren Baudruck in Gang setzen könnte. Der Aufstellungsbeschluss erging bei drei Gegenstimmen.

Höhere und dichtere Bebauung im Gewerbegebiet Erding-Südwest

Planungsrechtlich neu geregelt werden soll zudem das Gewerbe- und Mischgebiet Erding-Südwest zwischen Münchener Straße und Max-Planck-Straße in Altenerding. Bis dato sind laut Liening im Norden und Osten (Richtung Altenerding) Wandhöhen von 6,50 Metern und im Süden (Richtung Max-Planck-Straße) bis zu zehn Metern erlaubt. Um den Flächenverbrauch zu stoppen, soll nach der Änderung des Bebauungsplans höher gebaut werden dürfen. Auch die Grundflächenzahl wird aufgestockt. Ziel der Stadt, so Liening, sei eine „städtebauliche Neuordnung“ des Gebietes.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare