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Nach dem Freispruch hatte Prof. Dr. Michael B. noch gut lachen. 

Revision am Landgericht Landshut

Neuer Totschlagsprozess: Die Flucht nach Chile war vergebens

15 Verhandlungstage, 23 Zeugen und ein Dutzend Gutachter – die Neuauflage des Totschlagsprozesses gegen Frauenarzt Prof. Dr. Michael B. (57) beginnt am 26. April.

Erding/Landshut – Die Neuauflage des Totschlagsprozesses gegen den Ex-Erdinger Frauenarzt Prof. Dr. Michael B. (57) wird erneut eine Mammutverhandlung. Das geht aus den Planungen für den Verlauf der Beweisaufnahme durch die als Schwurgericht tagende 6. Strafkammer des Landgerichts Landshut hervor.

Der inzwischen 57-Jährige hatte sich bereits ab November 2014 im Schwurgerichtsprozess vor dem Landgericht zu verantworten, der sich dann über 19 Verhandlungstage hinzog. Im Januar 2015 verkündete die Vorsitzende Richterin, für viele Prozessbeobachter überraschend, einen Freispruch – „wenn auch zweiter Klasse“, wie es die Richterin damals formulierte, also aus Mangel an Beweisen (wir berichteten).

Dem Frauenarzt wurde vorgeworfen, seine damals 60-jährige Ehefrau Brigitte am 4. Dezember 2013 im gemeinsamen Reihenhaus in Pretzen zunächst brutal verprügelt und misshandelt und dann erwürgt zu haben. Diesen Vorwurf hatte Prof. Dr. B. nachdrücklich bestritten. Den Freispruch begründete die Schwurgerichtskammer damals mit der Feststellung, dass die Indizien für eine Verurteilung nicht ausgereicht hätten.

Die Staatsanwaltschaft hatte dagegen den Tatnachweis als erwiesen erachtet und eine Freiheitsstrafe von 14 Jahren beantragt. Die Ankläger gingen ebenso in Revision wie die Anwälte der als Nebenkläger auftretenden zwei leiblichen Kinder des Opfers.

Prof. Dr. B. war nach dem ersten Urteil samt über 400 Tagen Untersuchungshaft in das geerbte Haus seiner Eltern in der Nähe von Osnabrück gezogen. Die Erste Kammer des Bundesgerichts hob im Dezember 2015 das Freispruch-Urteil mit der Begründung auf, dass die Indizien in ihrer Gesamtheit betrachtet und im Zusammenhang bewertet durchaus für den 57-Jährigen als Täter sprächen. Bevor das schriftliche Urteil der Karlsruher Richter als Grundlage für den Erlass eines neuerlichen Haftbefehls vorlag, setzte sich B. nach Chile ab, ein Land, das kein Auslieferungsabkommen mit Deutschland hat und Verdächtige nur nach eigenem Ermessen nach einer Einzelfallprüfung durch den Obersten Gerichtshof ausliefert.

Der 57-Jährige hatte sich allerdings verrechnet: Die Landshuter Staatsanwaltschaft hatte mit ihrem Auslieferungsantrag Erfolg. Prof. Dr. B., der zwischendurch sogar wieder in einem Hospital in Santiago gearbeitet und sich zuletzt in der Küstenstadt Papudo aufgehalten haben soll, wurde festgenommen und dann Ende Februar 2017 ausgeliefert. Beim Landgericht Landshut wurde ihm nach seiner Ankunft der neue Haftbefehl eröffnet, seitdem sitzt der Frauenarzt wieder in Untersuchungshaft.

Der Auftakt für die Neuauflage des Prozesses ist am 26. April, wobei nach der Verlesung der Anklage der 57-Jährige Gelegenheit bekommen wird, seinen Werdegang zu schildern und zum Anklagevorwurf Stellung zu beziehen. Der zweite Verhandlungstag ist der Vernehmung des Ermittlungsführers der Erdinger Kripo vorbehalten.

Bis 2. Juni sind dann weitere 13 Verhandlungstage anberaumt, in deren Verlauf noch ein Dutzend Beamter der Kripo sowie der Polizeiinspektion Erding vernommen werden. Zudem kommt ein Dutzend Sachverständiger und sachverständiger Zeugen – unter anderem Gerichtsmediziner, psychiatrische und psychologische Gutachter – zu Wort.

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