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Die Zukunft: Wiweb-Direktor Dr. Wolfgang Kreuzer an einem 3D-Kunststoffdrucker im Labor des Wiweb.

Neuer Wiweb-Direktor Wolfgang Kreuzer 

Erdinger Forschung für Afghanistan: 3D-Druck als Zukunft

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3D-Druck ist eines der Zukunftsthemen bei der Ausrüstung der Bundeswehr. Am Wiweb in Erding wird daran unter neuer Leitung geforscht. Dr. Wolfgang Kreuzer ist seit Februar der Chef.

Erding– In Panzerspähwagen gehen Bundeswehrsoldaten in Afghanistan auf Patrouille. Auch diese rollenden Festungen brauchen Ersatzteile. Manches davon stellen die Soldaten selbst her. In einem klimatisierten Container am Hindukusch läuft eine Hightech-Maschine mit Knowhow aus Erding: ein 3D-Kunststoff-Drucker, so groß wie drei Kühlschränke. Das Gerät druckt die Kunststoff-Einsätze für Kotflügel, die ab und zu kaputt gehen. Dieses Pilotprojekt wird betreut von Forschern des Wehrwissenschaftlichen Instituts für Werk- und Betriebsstoffe (Wiweb) in Erding. Dort ist Wolfgang Kreuzer nun der neue Direktor.

„Die Richtschnur ist, unseren Soldaten die beste Ausrüstung zur Verfügung zu stellen“, sagte der promovierte Ingenieur in seiner Antrittsrede bei der Amtseinführungsfeier am Mittwoch im Institut. Der 3D-Druck sei eines von drei großen Zukunftsthemen bei der Bundeswehrausrüstung, erläuterte der 62-Jährige im Pressegespräch. Für dieses Arbeitsfeld wurde erst vor einem Jahr am Wiweb ein eigenes Forschungszentrum eröffnet.

Für den Feldeinsatz des 3D-Druckers in Afghanistan würden die Soldaten in Erding geschult, das Wiweb liefere die digitalen Baupläne und übernehme die Online-Störungsüberwachung. Alternative Energieversorgung und smarte Textilien, also Kleidungsstücke mit digitalen Funktionen, seien weitere Zukunftsfelder, sagte der Werkstoffwissenschaftler, dessen Wiweb-Laufbahn bereits 1984 begann. Auch ein weiteres Szenario für Einsatzkleidung beschrieb er. Schon jetzt würden Rekruten mit einem Ganzkörper-Scan vermessen. Mit diesen Daten werde man Ausrüstungsgegenstände künftig personalisieren, also zum Beispiel aufgrund eines Fuß-Scans individuelle Einlegesohlen drucken können.

Die Forschungsschwerpunkte des Wiweb liegen aktuell unter anderem bei Verbundwerkstoffen und Leichtbau, der Sicherheit von Betriebsstoffen sowie Materialentwicklung für Textilien von Tarnung bis Tragekomfort.

In seiner Antrittsrede lobte Kreuzer auch die Standortfaktoren Erdings für die 220 Beschäftigten. Abgesehen von den hohen Mietpreisen seien die gute Infrastruktur von Verkehr über Schulen bis hin zur ärztlichen Versorgung und der hohe Freizeitwert der Region wichtig für die Gewinnung exzellenter Mitarbeiter, sagte der gebürtige Oberfranke, der mit seiner Frau Renate in Eichenried lebt. Nur einen Radweg für die gefährlichen hundert Meter vom Ortsschild zum Institut wünschte er sich von OB Max Gotz, der im Publikum saß.

Der Standortälteste am Fliegerhorst, Oberst Stefan Schmid-Schickhardt, freute sich, dass mit Kreuzer ein Kenner der Erdinger Situation die Führung übernimmt. Mit der Auflösung des Fliegerhorsts und dem Umzug nach Manching sei das nun umso wichtiger. Die ersten 15 Mitarbeiter seines Stabs seien dort bereits angekommen, die weiteren würden bis Ende März folgen, berichtete der Oberst. „Das Wiweb wird ab 2021 die einzige Dienststelle der Bundeswehr in Erding sein.“ Darauf ging auch Personalratsvorsitzende Yvonne Böhm-Bayer ein. „Die Betroffenen sehen das Wiweb als Arche und hoffen, bei uns unterzukommen“, sagte sie.

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