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Das geplante Industriegebiet südlich von Erding-West entlang der Dachauer Straße. Der erste Plan zeigt (v. l.) die Logistikhalle mit variabler Nutzung, das Areal für Handwerk und Mittelstand sowie den Recyclinghof (gelb). Umgeben wird das Areal von einem parkähnlichen Grüngürtel. Oben rechts ist für einen Größenvergleich der Grundriss der ersten Ausbaustufe von Erding-West mit Hagebau- und Media-Markt zu sehen.  Plan: Stadtbauamt ERding

Neues Industriegebiet in Erding

Eine Halle so groß wie elf Fußballfelder

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Erding - Vom geplanten Industriegebiet an der Dachauer Straße gibt es ein erstes Bild: Die Stadt Erding will nicht nur einen neuen Recyclinghof und Flächen für Handwerk und Mittelstand realisieren. Dominant ist ein riesiger Logistik-Hallenkomplex. Einige Stadträte sind sehr skeptisch.

Ein Jahr nach dem Beschluss, zwischen Dachauer Straße und Sigwolfstraße ein neues Industriegebiet zu errichten, bekamen die Mitglieder des Planungs- und Bauausschusses am Dienstag einen ersten Entwurf für einen Bebauungsplan zu Gesicht. Der war alles andere als unumstritten. Der Beschluss von 13:1 Stimmen gibt die Skepsis nur bedingt wieder.

Alexandra Weichenrieder vom Bauamt stellte den Plan vor. Im Westen – neben Baustoffe Auer – entsteht eine große Logistikfläche mit 150 000 Quadratmetern. Der Hallenkomplex, unter dessen Dach acht Hallen für mehrere Nutzer variabel eingerichtet werden können, misst 80 000 Quadratmeter.

Daran schließen sich östlich 16 000 Quadratmeter an, auf denen Handwerk und Mittelstand neu ansiedeln oder erweitern können. Dort ist auch ein Parkhaus geplant. Einzelhandel sei definitiv nicht vorgesehen, betonte OB Max Gotz (CSU). Im Osten des Areals könnte der neue Wertstoffhof des Landkreises entstehen. Mit 5000 Quadratmetern steht laut Gotz das fünffache Platzangebot im Vergleich zum Bestand am Rennweg zur Verfügung.

Die Verkehrserschließung erfolgt nach Angaben Weichenrieders über die beiden bestehenden Kreisverkehre auf der Dachauer Straße. Der Recyclinghof bekommt eine eigene Zufahrt.

In Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt wird das Industriegebiet von einem parkähnlichen Grünen Ring mit Bäumen, Wiesen, Wegen und Versickerungsflächen umgeben. Für Lärmschutz werden laut Weichenrieder so genannte Emmissionskontingente festgesetzt. Wer die überschreitet, muss selbst für mehr Lärmschutz sorgen.

Informationen zu der Logistikhalle, in der auch lärmintensive Produktion erlaubt sein wird, flossen nur spärlich. Von einer „sehr großflächigen Anlage“ war die Rede sowie von einer maximalen Höhe von 19,5 Metern. Bemerkenswert: Außer Burkhard Köppen (CSU) hatte keiner der Stadträte ein Informationsbedürfnis nach der Architektur der Halle. Köppens Anfrage bleib freilich unbeantwortet.

Recherchen des Erdinger/Dorfener Anzeiger haben ergeben, dass hier eines der größten Gebäude der Stadt entstehen wird. Es soll sich um einen in sich geschlossenen Komplex handeln, unter dessen Dach acht Hallen variabel zur Verfügung stehen. Die groben Ausmaße werden bei 400 Meter Länge und 200 Meter Breite liegen – das entspricht besagten 80 000 Quadratmetern und der Größe von mehr als elf Fußballfeldern im Länderspielformat. Bereits die erste Skizze macht deutlich: Die Logistikhalle wird in etwa so groß wie die erste Ausbaustufe von Erding-West: das Geviert zwischen Body & Soul, Hagebau- und Media-Markt. Nach Informationen unserer Zeitung soll die Fassade aber aufgegliedert werden, um ein zu dominantes Erscheinungsbild zu vermeiden. Der frühe Planungsstand erlaubt noch keine konkreten Modelle.

Wegen der Flächen für den Mittelstand kündigte Gotz „eine weitere Gewerbekonferenz in den nächsten Wochen an“. Nachfrage sei vorhanden. Das gelte auch für die Logistik.

Günther Kuhn (Grüne), Stephan Treffler (ÖDP), Hans Egger (Erding Jetzt) und andere Redner bewerteten die Logistikflächen kritisch. Der Antrag, den Bebauungsplan zu teilen, scheiterte jedoch. Die Kritiker warnten vor deutlich mehr Verkehr, der sich auch in die Innenstadt ergießen werde. Zudem gebe es in dieser Branche viele schlecht bezahlte und einfache Arbeitsplätze. Wiederholt wurde befürchtet, dass sich die Menschen das Leben hier nicht leisten könnten und deswegen pendeln müssten. Das wiederum sorge für mehr Verkehr. Gotz erwiderte, hier sei auch industrielle Veredelung vorgesehen, also nennenswerte Wertschöpfung. Markus Marschall (SPD) befand, Logistik, unter anderem der Paketversand, sei heute Teil der Gesellschaft. „Für mich ist das okay.“

Hubert Sandtner (CSU) äußerte Bedenken, ob die Flächen für den Mittelstand mittelfristig ausreichend seien.

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