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Der Erdinger Westen aus der Luft: Die markierte Fläche zeigt die Umrisse des Industriegebietes an. Ganz oben entsteht die Logistikhalle, darunter Flächen für Gewerbe und Handwerk sowie für einen Recyclinghof. In der Bildmitte ist das Gewerbegebiet Erding-West zu erkennen, darunter die Wohnbaugebiete Erdbeerfeld und Sandgrubensiedlung.

Neues Industriegebiet Erding-West 

Logistik-Investor: Sorgen sind unbegründet

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Erding – Kaum ein Bauprojekt in Erding in den vergangenen Jahren stößt auf so viel Skepsis und Ablehnung wie das geplante Industriegebiet an der Dachauer Straße mit einer riesigen Logistikhalle. Noch ist fast nichts bekannt. Wir sprachen mit dem Investor.

Die Dimensionen sind gewaltig: An der Dachauer Straße, gegenüber des Gewerbegebiets Erding-West, plant die Stadt ein neues Industriegebiet. Während ein neuer Recyclinghof mit 5000 Quadratmetern sowie Handwerker- und Gewerbeflächen mit 16 000 Quadratmetern weitgehend unstrittig sind, scheiden sich an dem Logistikkomplex neben der Firma Baustoffe Auer die Geister. Wie berichtet, sollen unter einem Dach acht Hallen mit einer Fläche von 80 000 Quadratmetern entstehen. Der gesamte Komplex soll sogar 150 000 Quadratmeter umfassen. Allein die Halle, die bis zu 20 Meter hoch werden darf, entspricht elf Fußballfeldern.

Konkret ist noch nichts, denn der Bauausschuss hatte Anfang Dezember lediglich den Beschluss gefasst, einen Bebauungsplan aufzustellen. Seither hagelt es Kritik. Immer mehr Stadträte, Verbände und Bürger lehnen den Koloss ab, fürchten noch mehr Verkehr und rechnen mit Billigarbeitsplätzen und nur mageren Gewerbesteuerzahlungen. Zuletzt im Strukturausschuss am Dienstag wurde wieder einmal die Forderung laut, endlich ein Modell oder eine Visualisierung vorzulegen. Doch das entsprechende Material liegt weder Oberbürgermeister Max Gotz noch Stadtbaumeister Sebastian Henrich vor. Sie verweisen auf den Investor. Den kennt in Erding freilich kaum einer.

Der Erdinger/Dorfener Anzeiger hat ihn ausfindig gemacht – und mit ihm gesprochen. Hinter dem Industriegebiet steckt die VIB Vermögen AG mit Sitz in Neuburg/Donau. Ihr Vorstandsvorsitzender Martin Pfandzelter kann die Sorgen verstehen und versucht im Gespräch mit unserer Zeitung, Ängste zu zerstreuen. Derzeit werde an einem Modell gearbeitet: „Ich kann es noch nicht vorlegen, weil wir bei der Planung erst ganz am Anfang stehen.“ Er ist aber überzeugt, mit der Visualisierung viele Bedenken abräumen zu können.

In der Tat plant die VIB Vermögen AG einen etwa 200 mal 400 Meter großen Hallenkomplex. „Es wird aber sicher kein Klotz mit vier langen und hohen glatten Wänden“, verspricht Pfandzelter. Stattdessen plane man eine gegliederte Fassade, die mal nach vorne und mal nach hinten springe sowie auch vertikal gegliedert sei – etwa in Form von Treppenhäusern oder Büros. Auch farblich seien Abstufungen vorgesehen.

Weiter sagt Pfandzelter, dass das Gebäude gar nicht so stark auffallen werde. „In Absprache mit der Naturschutzbehörde im Landratsamt werden wir einen Grüngürtel, ja fast einen kleinen Park schaffen, der bis zu 65 Meter breit und mit Bäumen bepflanzt wird.“ Dieses Grün werde nicht zuletzt für die Entwässerung benötigt. „Hier kann man aber auch Spazieren gehen, den Hund ausführen oder Fahrrad fahren. Der Abstand zum Korbinian-Aigner-Gymnasium beziehungsweise zur Wohnbebauung an der Sigwolfstraße werde „mehrere hundert Meter“ betragen. Ob die maximale Höhe tatsächlich 20 Meter sein werde, „kann ich heute noch nicht sagen“. Zunächst einmal gehe man planerisch vom Maximum aus. Es könne aber gut sein, „dass es am Ende nur 14 oder 15 Meter sind“. Das hänge ab, welche Firmen man ansiedeln könne.

Pfandzelter versichert, dass niemand Angst vor einem Verkehrschaos haben müsse. Der Hallenkomplex werde nicht nur eine eigene Abfahrt von der Dachauer Straße bekommen: „Wir planen definitiv keine Hochfrequenz-Logistik mit permanentem Lieferverkehr.“ Er geht in der Hauptarbeitszeit von 6 bis 22 Uhr von maximal 28 Lkw pro Stunde aus. „Möglicherweise sind es aber viel weniger. Sollte in den Hallen leichte industrielle Fertigung stattfinden, ein Kommissionierer im Online-Handel oder das Lager eines Handelsunternehmens einziehen, „werden zum Beispiel morgens die Waren geliefert und abends wieder ausgefahren“. In Ingolstadt habe man ein vergleichbares Projekt, in dem Audi eine Vorserie fertige: „Da haben wir sehr wenig Lkw-Verkehr.“ Außerhalb der Kernzeit rechnet Pfandzelter mit bis zu fünf Lkw pro Stunde. „Ein dauerndes Kommen und Gehen von Lieferdiensten ist an diesem Standort unwahrscheinlich. Denn für einen Online-Händler, der binnen weniger Stunden die Kunden bedient, ist Erding zu weit weg von München.“

Aufgrund der Lieferbeziehungen, so der Vorstandsvorsitzende, sei auch nicht damit zu rechnen, dass viele Lastwagen durch die Stadt kommen. „Die nehmen den schnellsten Weg, und der führt über die Flughafentangente“, glaubt Pfandzelter.

Was die Nachfrage nach Hallen wie diese betrifft, kann Pfandzelter noch nicht konkreter werden – dafür sei das Vorhaben noch in einem zu frühen Stadium. „Wenn es sehr gut läuft, können wir 2018 mit dem Bau beginnen. Sie werden niemanden finden, der jetzt schon zugreift.“ Deswegen sei es schwer abschätzbar, wie viele Firmen nach Erding kommen. „Es können zwei bis vier, aber auch fünf bis sieben sein.“ Klar sei nur: Schwerindustrie werde es nicht geben.

Dass das Industriegebiet aber mehr Verkehr auslösen wird, daraus macht der Diplom-Kaufmann keinen Hehl. Wie viele Menschen hier eines Tages arbeiten werden, kann er nur grob abschätzen – vermutlich eine mittlere dreistellige Zahl. „Davon werden natürlich viele mit dem Auto kommen, deswegen bauen wir auch ein Parkhaus.“

Pfandzelter weiß, dass er in einer Region mit nahezu Vollbeschäftigung investieren will. Das Argument, dass das Vorhaben dann doch gar nicht erforderlich sei, will er nicht gelten lassen. „Vollbeschäftigung heißt ja nicht, dass die Menschen an ihrem Wohnort arbeiten können. Viele nehmen lange Wege in Kauf, um an den Arbeitsplatz zu kommen. Wir bieten dann Arbeitsplätze vor der Haustüre.“

In diesem Zusammenhang versichert der Unternehmenschef, dass die VIB Vermögen AG das Projekt selbst stemmen und betreiben werde. „Wir bleiben Ansprechpartner und geben das nicht aus der Hand.“ Man blicke auf über 20 Jahre Erfahrung im Bereich Logistik und leichte industrielle Fertigung zurück und sei vor allem im süddeutschen Raum tätig.

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