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Unten Läden, oben Wohnungen: So stellen sich die Eigentümer das teilerneuerte und aufgestockte Anwesen an der Sempt vor. Das Bild zeigt die Ansicht einmal von der Haager Straße und einmal von der anderen Seite.

Zu groß, zu hoch, zu wuchtig: Pläne für Umbau des früheren Möbelhauses Falterer sind gescheitert

Neues Wohn- und Geschäftshaus mitten in Erding fällt im Stadtrat durch

  • Hans Moritz
    vonHans Moritz
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Die Investoren an der Haager Straße in der Erdinger Altstadt warten seit Jahren auf Baurecht. Jetzt hat der Stadtrat alle Hoffnungen zunichte gemacht.

Erding – Es ist hinter dem über die Haager Straße ragenden Kunstwerk das Eingangstor in die Erdinger Altstadt: das ehemalige Falterer-Haus an der Sempt, in dem im Erdgeschoss bis 2009 ein Möbelhaus beheimatet war. Seit Jahren bemühen sich die neuen Eigentümer um die Sanierung und Teilerneuerung des stattlichen, vier Stockwerke hohen Wohn- und Geschäftshauses. Nun ist alles wieder auf Anfang gesetzt. Denn die Pläne fielen am Dienstag im Planungs- und Bauausschuss des Stadtrats gnadenlos durch – zu groß, zu hoch, zu wuchtig.

Auch mehrere Fachbehörden und vor allem eine große Zahl an Nachbarn hatten sich im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens gegen die Teilerneuerung und Kernsanierung ausgesprochen. Zwei Stunden lang sammelten die Stadträte Argumente gegen das Millionenvorhaben.

1971 war das Wohn- und Geschäftshaus an der Haager Straße und Hennengasse gebaut worden – mit vier Stockwerken. Im Erdgeschoss des früheren Möbelhauses gibt es noch einige Läden, drüber steht ein Stockwerk komplett leer.

Fünf Stockwerke sind geplant

Auf dem 20 000 Quadratmeter großen Grundstück soll das Gebäude fünf- statt vierstöckig teils neu errichtet werden, die oberste Etage als zurückgesetztes Terrassengeschoss. So soll der Komplex von unten nur vierstöckig wirken. Die Wandhöhen sind zwischen 9,40 und 15,60 Metern, die Firsthöhen mit 12,2 bis 16,2 Metern angegeben.

An der Haager Straße planen die Eigentümer fünf Geschäfte, eine Wohnung und eine Gastronomie. Ansonsten sind rund 30 hochpreisige Apartments geplant – in bester Lage in der Haager Vorstadt. Zudem ist eine Tiefgarage mit 35 Stellplätzen vorgesehen. Bisher führte die Rampe im Bereich der Bachinger/Prielmayerstraße in die Tiefe, künftig soll ein Aufzug an der Hennengasse die Autos heben und senken.

„Gewässer sind keine Baugrundstücke“

Auf der Südseite, zur Sempt hin, ist der Fluss bereits heute überbaut. Diese Fläche wollen die Investoren ausweiten, um einen zweigeschossigen Bau über dem Wasser anzugliedern.

Bereits vor vier Jahren hatte der Stadtrat beschlossen, für das Vorhaben einen Bebauungsplan aufzustellen. Im März 2019 wurde dieser vorgestellt. Nun ist die erste Runde der Öffentlichkeitsbeteiligung vorbei – mit für die Eigentümer vernichtenden Ergebnissen. 33 durchgängig ablehnende Eingaben kamen von Anliegern, auch elf Träger öffentlicher Belange äußerten sich überwiegend ablehnend. Zwei Stunden brauchte Lolita Liening vom Stadtplanungsamt, um alles zu verlesen, ehe der Ausschuss einstimmig den Daumen senkte.

Das Wasserwirtschaftsamt München sieht die Überbauung der Sempt kritisch, auch wenn die Hochwassersituation sogar verbessert werde. Dennoch sei es heute unüblich, Flüsse zu überbauen. „Gewässer sind keine Baugrundstücke“, teilt das WWA mit. Auch die Abteilung Wasserrecht im Landratsamt äußerte sich in diese Richtung. Die Immissionsschutzbehörde im gleichen Haus sieht die Einstufung als Urbanes Gebiet kritisch, weil dort auch lärmintensiveres Gewerbe angesiedelt werden könnte. Aber auch eine Kita oder eine kulturelle Einrichtung ist dort denkbar, erwidert die Stadt in ihrer Stellungnahme.

Denkmalamt schlägt die Hände über dem Kopf zusammen

Eine unmissverständliche Absage erteilt auch das Landesamt für Denkmalspflege. Höhe und Länge des Baukörpers stellten in der historischen Altstadt eine „Störung“ dar, die Sichtachse zum Stadtturm drohe zugebaut zu werden. „Das sprengt vollends den Maßstab“, teilen die Denkmalschützer mit. Die Dachform und die Ausrichtung der noch dazu in den Straßenraum ragenden West-Balkone „gehören nicht zum innerstädtischen Repertoire“. Fazit: „Das Landesamt lehnt das Bauvorhaben mit Entschiedenheit ab.“ Die Stadträte teilten diese Auffassungen. OB Max Gotz (CSU) konnte sich den Hinweis nicht verkneifen, „dass es schon außergewöhnlich ist, dass wir mit dem Denkmalschutz mal so auf einer Linie liegen“.

Gleich 33 Nachbarn wehren sich gegen Bau

Aber auch die Einwendungen der 33 Nachbarn hatten es in sich. Sie sprechen sich vor allem gegen die Tiefgarageneinfahrt an der Hennengasse aus – zu viel Verkehr. In der Tiefgarage seien nur 35 Stellplätze vorgesehen, erforderlich seien aber 62. Das werde den Parkdruck in der Seitenstraße und die Gefährdung der dort spielenden Kinder weiter erhöhen. Dort würde es zudem immer dann kein Durchkommen mehr geben, wenn die Mülltonnen vor die Tür gestellt werden.

Unmittelbare Nachbarn wollen ihre Immobilien von dem fünfgeschossigen Bau nicht zu sehr verschatten lassen.

Nach der Debatte kam Gotz zu dem Schluss: „Da müssen wir neu starten. Ein Satzungsbeschluss macht keinen Sinn.“ Einstimmig beschloss der Ausschuss, dass der Investor die Tiefgaragenzufahrt nicht an der Hennengasse planen und im Bereich der Sempt die Bebauung nicht größer als bisher ausfallen darf. Grundsätzlich sei zusätzlicher Wohnraum aber wünschenswert, so Gotz. Er erwartet nun, dass die Pläne geändert werden. „Dazu müssen die Eigentümer auf uns zukommen – nicht umgekehrt.“

ham

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