Leere Säle sind Schlecht fürs Geschäft. Vroni Fläxl, Geschäftsführerin des Cineplex-Kinos in Erding, ist gerüstet für einen Neustart. 
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Leere Säle sind schlecht fürs Geschäft. Vroni Fläxl, Geschäftsführerin der Cineplex-Kinos in Erding, Vilsbiburg und Neufahrn,  ist gerüstet für einen Neustart. 

Neustart Kinos

Ohne Popcorn droht Kinos die Pleite

Die drei Kinos im Landkreis Erding stehen in den Startlöchern, doch ein Termin für die Öffnung seitens der  Regierung ist noch nicht in Sicht. Was die Betreiber dazu sagen:

LandkreisNachdem nun die Gastronomie ihre Pforten öffnen darf, stellen sich auch die Kinobetreiber die Frage, wie es mit ihrer Branche während der Pandemie weitergehen soll. „Alles, was die Gastronomen zu beachten haben, wird auch für uns gelten, das kann man ja erahnen“, sagt Veronika Fläxl, Geschäftsführerin der Cineplex Kinos in Erding, Vilsbiburg und Neufahrn.

Ein Hygienekonzept für ihre drei Kinos stehe bereits. Doch Details seien noch nicht geklärt, denn auch da geht die Kino-Chefin von „klaren Vorgaben der Regierung“ aus, die wenig Spielraum zulassen werden, wie das Kultusministerium vergangene Woche bekannt gegeben hat. Grundsätzlich sei vieles möglich, beschreibt Fläxl, die das Unternehmen zusammen mit ihren Eltern und ihren Geschwistern leitet, die Optionen einer Wiedereröffnung.

Man würde vorerst zwischen jedem Platz zwei Sitze frei lassen, denn der 1,5 Meter Abstand werde gefordert. Das sei im Buchungssystem so eingegeben. Und die Tickets könnten auch nur online gekauft werden. Auch da sieht Fläxl keine Schwierigkeiten. „Unsere Gäste kennen das. Wir nutzen schon lange das Online-Tool und 70 Prozent der Buchungen laufen darüber.“ Trotz der enormen finanziellen Einbußen in den vergangenen zwei Monaten findet Fläxl das Vorgehen der bayerischen Staatsregierung „sehr gut“. „Die Politik macht alles in Ruhe, das kommt uns sehr zugute. Denn voreilige Öffnungen sind nicht sinnvoll. Ich kann ja nicht über Nacht mein Personal rekrutieren und die Cola-Tanks auffüllen.“

Apropos Cola-Tanks. Wird auch der Verkauf von Popcorn, Nachos und Co. anlaufen? „Wenn die Gastronomie wieder verkaufen darf, kann man da ja seine Schlussfolgerungen ziehen.“ Falls ein Verkauf nicht möglich sein sollte, wäre das „unser finanzieller Ruin. Und nicht nur unserer. Alle Kinos in Deutschland wären dann pleite und damit die ganze deutsche Filmindustrie. Netflix kauft nicht bei den Babelsberg und Bavaria Filmstudios.“

Es werde oft vergessen, dass Kinos ein wesentlicher Faktor im Kulturbetrieb seien. Die Verleiher würden sehnlichst darauf warten, dass die Kinos wieder Filme spielen dürften. „Da sind kurzfristige Streaming-Angebote ein Tropfen auf dem heißen Stein. Kinofilme können nur über Kinos das Geld reinspielen, die werden eigens für das Kino produziert.“

Fläxl hat sich gefreut, dass ihre Kunden sie mit Internetfilmen, die den Kinos zugute kamen, unterstützten. „Das ist wirklich eine schöne Geste, aber das ist als Spende zu sehen, davon können wir nicht leben.“ Spannend werde die Phase der Öffnung der Kinos – vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. „In den vergangenen zwei Monaten hatten wir keine Einnahmen, doch auch die Ausgaben waren überschaubar. Wenn wir wieder öffnen, haben wir beinahe die gleich hohen Anfangskosten bei nur rund einem Drittel der Gäste. Das heißt, die Phase der Wiedereröffnung ist noch gefährlicher als die der Schließung. Sie darf nicht zu lange dauern.“ Über mangelndes Interesse macht sie sich keine Sorgen. „Wir sind mit vielen Gästen online in Kontakt und wissen, dass unsere Kunden das Kino sehr vermissen.“

Das hingegen sieht Andreas vom Hofe, Eigentümer des Kino-Café in Taufkirchen, anders. Er befürchtet, dass sich das Verhalten der Leute „nachdrücklich ändern wird“. „Man wird sich nicht mehr unbeschwert mit fremden Leuten in einen dunklen Raum begeben. Eine Grundangst wird vorerst bleiben“, befürchtet vom Hofe. Er vermutet, dass viele Kinogänger anfangs zurückhaltend sein werden. Mit den Abstandsregeln hätte das Kino-Café gar kein Problem. „Mein Kino ist sowieso überdimensioniert. Ich habe Platz für 75 Gäste, in der Regel kommen zehn in die Vorstellung. Die könnten sich also gut verteilen.“ Das Café will der 53-Jährige auch erst wieder öffnen, wenn er Filme zeigen kann, denn Café und Kino würden eng zusammenhängen. Finanziell komme er deshalb gut über die Runden, weil er eine Zusage über einen Zuschuss des Film FernsehFonds (FFF) Bayern bekommen habe. „Dieser Fond will kleine Kinos retten und das hilft mir sehr. Ich bin ja alleine, habe keine Angestellten, damit kann ich die Fixkosten für drei Monate decken.“ Die freie Zeit nutze er im Wesentlichen für eine ungeplante Auszeit.

Auch Georg Schmederer, Mitglied der Freunde des Jakobmayer und verantwortlich für S’Kino in Dorfen, kann sich gelassen zeigen, denn das Kino war auch vor der Corona-Krise nicht wirtschaftlich ausgerichtet. Die Kosten trägt die Stadt Dorfen. „Das Kino ist ein Plus-Minus-Geschäft und das war immer so geplant. Die Stadt leistet sich da für ihre Bürger was ganz Großes“, freut sich der Dorfener. Nichtsdestotrotz: „Sobald wir dürfen, legen wir wieder los.“ Schmederer rechnet mit Anfang Juli. Die Hygieneregeln könnten eingehalten werden. Der Spuckschutz für den Kassenbereich sei bestellt, Ein- und Auslass könnten getrennt abgewickelt werden. Da es sich beim S’Kino um ein sogenanntes Arthouse handle, das eher anspruchsvollere Filme zeigt, sei der Saal, in dem 50 Cineasten Platz haben, meist eh nicht voll. Eine Ausnahme machten die Eberhofer-Krimis, die in den vergangenen beiden Jahren im August anliefen und damit dem Kino ausgerechnet im Hochsommer die besten Zahlen bescherten. Darauf hofft Schmederer auch heuer. Doch selbst wenn das nicht klappen sollte, macht sich der Filmliebhaber keine Sorgen um den Fortbestand des Dorfener Kinos. „Wir haben sehr aktive Spender bei den Freunden des Jakobmayer. Zur Not veranstalten wir eine große Spendenaktion.“ Alexandra Anderka

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