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Ein Raub der Flammen wurden Teile der Reihenhauszeile in der Parksiedlung in Erding am 20. April.

Drei Monate nach Feuer in der Parksiedlung 

Neustart nach Brandkatastrophe

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Erding – Zwei Monate lang hat Familie Borowski ein Nomadenleben geführt. Ein Brand im Nachbarhaus hatte ihr Eigenheim arg in Mitleidenschaft gezogen. Es war nicht mehr bewohnbar. Jetzt kehrte die Familie nach Hause zurück – und ist froh, gut versichert zu sein.

Es war ein Mittwochnachmittag im April, als im Dachgeschoss eines Reihenmittelhauses an der Fünfkirchener Straße Feuer ausbrach (wir berichteten). Die Ursache – fahrlässiges Verhalten oder ein technischer Defekt – wird gerade von Gutachtern geklärt. Das kann noch Wochen dauern. Erst dann steht fest, welche Versicherung für den Schaden aufkommen muss. Und der ist hoch. Erste Schätzungen gehen von mehr als 500 000 Euro aus. Schließlich müssen vier Dächer erneuert, die Reihenhäuser teils aufwändig gereinigt und saniert werden. Drei Häuser waren wochenlang nicht bewohnbar.

Eines davon gehört Hagen Borowski. Der IT-Spezialist ist mit seiner Frau und dem bald zweijährigen Sohn erst vor einem Dreivierteljahr dort eingezogen. „Wir hatten alles renoviert und frisch gestrichen“, erzählt er. Borowski war in der Arbeit, als das Feuer im Nachbarhaus ausbrach. Seine Gattin wollte gerade zum Einkaufen gehen, als sie herausgeklingelt wurde. Sie und der Sohn blieben wie alle anderen Anwohner unversehrt.

Borowski ist froh, so glimpflich davongekommen zu sein. „Der materielle Schaden hält sich in Grenzen. Wir sind gut versichert“, sagt er. Dennoch merkt man ihm den Stress und die Aufregung der vergangenen zwei Monate an. Da ihr Haus wegen der starken Ruß- und Rauchbelastung unbewohnbar war, musste die Familie ausziehen – nur mit dem Nötigsten im Gepäck. Die ersten Nächte kam sie bei Freunden in Erding unter. „Dann sind wir zwei Monate lang von Ferienwohnung zu Ferienwohnung gesprungen“, erzählt Borowski. Er hatte Glück, dass was frei war.

Seine Familie lebte aus dem Koffer. Nur zum Wäschewaschen und -trocknen konnte sie für kurze Zeit ins Haus zurück. Mit Mundschutz, so die Empfehlung. „Wir durften es betreten, aber nicht darin wohnen“, erklärt Borowski. Rauch und Ruß seien von oben über den Dachgiebel ins Haus reingedrückt worden. Viel schlimmer als der unangenehme Geruch sind die Giftstoffe, die sich an Wänden, Decken und auf dem Inventar abgelagert haben.

„Das ganze Kinderspielzeug, die Teppiche und Matratzen waren kaputt“, sagt Borowski. Die Familie musste viel wegwerfen. „Das Haus wurde komplett geräumt. Das Inventar, das noch zu reinigen war, ging in eine Spezialanlage“, schildert Borowski die Prozedur. Kleidung und Möbel seien mittlerweile gereinigt, die Wände mit einer Spezialchemikalie abgewaschen und mit besonderen Farbe versiegelt. „So kommt nichts mehr raus“, sagt Borowski. Es kommt aber auch nichts mehr rein. Die Wände seien nicht mehr atmungsaktiv: „Das müssen wir im Auge behalten“, weiß Borowski.

Mittlerweile hat sich auch der Brandgeruch verzogen. Nicht von selbst, sondern durch den Einsatz von Ozon. Das Gas bricht die Luftmoleküle auseinander und setzt sie in Wasserdampf um. Wird Frischluft zugeführt, entwickelt sich das Ozon schnell in seine normale Sauerstoffform zurück, so Experten.

Allein drei Gutachter seiner Versicherungen hatte Borowski im Haus. „Sie haben sehr schnell gearbeitet und sich alle sehr bemüht“, sagt der Familienvater. 80 bis 90 Seiten an Schriftverkehr seien bislang zusammengekommen. Er ist froh, gut abgesichert zu sein und kann das jedem Hausbesitzer nur empfehlen. Neben der Wohngebäudeversicherung, die ohnehin Pflicht ist, rät Borowski zu einer Hausratversicherung. „Außerdem ist es sinnvoll, im Handy die Nummern der Versicherungen und Notfallkontakte parat zu haben.“

Dankbar ist Borowski seinem Chef für die flexible Arbeitsgestaltung in den vergangenen Wochen. Auch der Feuerwehr und den Rettungskräften zollt er für deren vorbildlichen Einsatz Respekt. „Sie haben sich toll gekümmert und die Leute beruhigt.“

Was ihn dagegen enttäuscht hat, ist das Verhalten mancher Schaulustiger. Da sei nicht gefragt worden: „Können wir helfen?“ Vielmehr wollten sie neugierig wissen: „Hat’s bei Ihnen gebrannt?“ Das könne man in dieser Situation gar nicht brauchen, sagt Borowski.

Er ist froh, wenn wieder Ruhe einkehrt in das Leben seiner Familie. Was jetzt noch aussteht, ist das neue Dach. Bislang ist der Übergang vom ersten Stock ins Dachgeschoss noch versiegelt. Borowski sagt: „Normaler Alltag kehrt erst ein, wenn das Dach fertig ist.“

Gabi Zierz

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