Verkauft zur Zeit kaum Neuwagen: Michael Zachskorn, Geschäftsführer des Autohauses Kurth in Erding.
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Verkauft zur Zeit kaum Neuwagen: Michael Zachskorn, Geschäftsführer des Autohauses Kurth in Erding.

Autohändler im Landkreis leiden unter dem Corona-Lockdown – Bis zu 90 Prozent Einbußen

Neuwagen-Verkauf bricht ein

  • Henry Dinger
    vonHenry Dinger
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Die Autohändler im Landkreis Erding haben es in der Corona-Pandemie nicht leicht. Bei vielen ist der Neuwagen-Verkauf eingebrochen, auch Werkstatt-Aufträge sind rückläufig.

Landkreis – Die Autohändler im Landkreis haben in der Corona-Pandemie mit vielfältigen Problemen zu kämpfen: Der Neuwagen-Verkauf ist fast komplett weggebrochen, etwas besser sieht es bei den Gebrauchtwagen aus. Aber auch die Werkstatt-Aufträge sind rückläufig.

„Wer ein neues Auto kauft, möchte persönlich beraten werden, will vergleichen, sich reinsetzen, es fühlen, spüren und natürlich auch fahren“, sagt Michael Zachskorn, Inhaber vom Autohaus Kurth in Erding. Das ist zurzeit alles nicht erlaubt. Der Neuwagenverkauf ist im Corona-Lockdown um etwa 90 Prozent eingebrochen, schätzt der Honda- und Citroën-Händler.

Im Gebrauchtwagenbereich sind Zachskorn 60 Prozent weggefallen. Hier werde viel über Optik und Preis entschieden, weiß Zachskorn. „Wer ein Auto braucht, um mobil zu sein, kauft es auch jetzt“, sagt er. Er vermutet, dass durch das Homeoffice die Fahrten insgesamt zwar weniger geworden sind. Dennoch würde es eine Reihe von Leuten geben, die von den öffentlichen Verkehrsmitteln zurück ins Auto wechseln – vor allem, um die Ansteckungsgefahr zu verringern.

„Die Gebrauchten werden online ausgesucht und reserviert. Eine Probefahrt ist möglich, aber nur allein. Die Übergabe funktioniert kontaktlos, Fragen werden aber per Mail und Telefon beantwortet“, erklärt Zachskorn das Prozedere. Sein Verkäufer ist daher auch nicht in Kurzarbeit wie im ersten Lockdown – zu tun gibt es doch einiges.

Im Mitsubishi-Autohaus Weber zeigt sich bei Verkauf und Service ein ähnliches Bild. „Wir haben zu kämpfen“, sagt Firmenchef Harald Weber. Wenn er den Neu- und Gebrauchtwagenumsatz zusammengefasst mit dem Vorjahres-Januar vergleiche, komme er auf ein Viertel des Absatzes, so Weber. Dennoch sei diesmal keiner seiner Mitarbeiter in Kurzarbeit, der Fahrzeugbestand erfordere schon einiges an Arbeit. Und auch die Gebrauchtwagenkäufer müssen bedient werden, wenn auch hier nur „Click & Collect“ angeboten werden darf.

Andreas Maier, einer der drei Geschäftsführer der Hans Maier GmbH, die in Erding und Neufinsing VW- und Audi-Häuser und in Neufinsing zusätzlich einen Skoda-Service betreibt, berichtet Ähnliches. Die Mitarbeiter habe man im aktuellen Lockdown nicht in Kurzarbeit geschickt, „da hat uns das Prozedere abgeschreckt“. Die Mitarbeiter bauen vielmehr momentan ihre Zeitkonten wieder auf. Denn Arbeit gebe es nach wie vor.

„Natürlich könnte es besser sein, aber wir dürfen nicht jammern“, sagt Maier. Der Gebrauchtwagenverkauf laufe nach wie vor, wenngleich auch um die Hälfte reduziert. „Manche konnten doch ein wenig Geld sparen und kaufen jetzt ein Auto, um nicht S-Bahn fahren zu müssen“, sagt Andreas Maier.

Das Mercedes-Autohaus Nagel bedient Privat- und Geschäftskunden. „Bei den gebrauchten Pkw ist ein Rückgang spürbar“, sagt Geschäftsführer und Pkw-Verkaufsleiter Hans Joachim Jäger. Etwa ein Drittel weniger werden an die Frau oder den Mann gebracht.

Der Neuwagenverkauf ist um etwa die Hälfte geschrumpft. Dass es bei Mercedes im Vergleich zu anderen immer noch etwas besser läuft, ist auch dem Umstand zu verdanken, dass es hier viele Geschäftskunden gibt, die ihre Leasingautos tauschen. Offene Fragen an die Verkäufer werden online oder per Videochat beantwortet – „hier haben wir im Vergleich zum ersten Lockdown dazugelernt“, sagt Jäger.

Keine Abstriche muss der Mercedes-Händler bei gebrauchten Transportern hinnehmen. Diese ließen sich nach wie vor gut absetzen. Dafür ist der Neuwagen-Verkauf um etwa 40 Prozent gesunken. Daran, so Jäger, merke man, dass auch der Flughafen flach liegt, denn die Parkplatzbetreiber in der Umgebung hätten im Jahr 2020 keine neuen Shuttlefahrzeuge gebraucht.

Beim Service hat auch Jäger feststellen müssen: Mehr Homeoffice heißt weniger Fahrleistung, und das bedeutet weniger Inspektionen und Ersatzteile. Dadurch musste ein Teil der Mitarbeiter im Pkw-Service in Kurzarbeit geschickt werden. Viel zu tun gibt es dafür beim Lkw-Verkauf und -Service. Hier spielt die neue Abwrackprämie für Lkw dem Händler in die Karten.

Auch bei Ford Ewald in Erding spürt man laut Geschäftsführer Jürgen Koppenhöfer ein geändertes Kaufverhalten bei den Kunden. Während die Nachfrage nach Neuwagen gegen Null tendiert, zieht – seit Probefahrten wieder erlaubt sind – das Gebrauchtwagen-Geschäft wieder an. Ein Rückgang sei hier nur leicht spürbar. Dafür lechzt die Werkstatt nach Aufträgen. Das Unternehmen habe Kurzarbeit angemeldet und könne flexibel auf Veränderungen reagieren. Vor allem in den Bereichen Aftersales und Vertrieb sind Mitarbeiter betroffen.

Bei der Auto Hausmann GmbH, die Toyota-Autohäuser in Erding und Dorfen betreibt, ist das Hauptgeschäft um etwa die Hälfte zurückgegangen. „Entweder laufen Leasing oder Finanzierung aus, oder das eigene Auto hat einen Totalschaden. Es kommt keiner, der ein Auto ohne Grund kauft“, sagt Geschäftsführer Hans Hausmann. Die Leute, die sagen „wow, da gibt es ein neues Modell, das schaue ich mir mal an“, fehlten komplett, so Hausmann. Infolgedessen sind mehrere Mitarbeiter aus Verkauf und Werkstatt in Kurzarbeit. HENRY DINGER

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