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900 Teilnehmer bei „Montagsspaziergang“ in Erding: „Nicht komplett legal, aber noch tolerierbar“

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900 Gegner einer Impfpflicht und Kritiker der Corona-Maßnahmen versammelten sich am Montag auf dem Schrannenplatz in Erding und marschierten dann durch die Innenstadt – friedlich und ohne Transparente.
900 Gegner einer Impfpflicht und Kritiker der Corona-Maßnahmen versammelten sich am Montag auf dem Schrannenplatz in Erding und marschierten dann durch die Innenstadt – friedlich und ohne Transparente. © Bernd Heinzinger

Die Innenstadt voller Gegner der Corona-Maßnahmen: Bereits zum dritten Mal fand am Montag in Erding ein sogenannter Spaziergang der Gegner einer Impfpflicht statt – wieder einmal nicht angemeldet. Zunächst blieb alles ruhig, einzig die große Polizeipräsenz ließ vermuten, dass an diesem Abend etwas bevorsteht.

Erding – Einzelne Passanten fragten nach, was denn los sei, bekamen aber nur ausweichende Antworten. Abseits des Schrannenplatzes versammelte sich derweil eine kleinere Gruppe zu einer angemeldeten Veranstaltung in einem abgesperrten Bereich. Privatmann Steffen Walter organisierte diese im Gedenken an die mittlerweile 152 Corona-Toten im Landkreis sowie alle Opfer deutschland- und weltweit. Kurz vor 19 Uhr füllte sich auch der Schrannenplatz immer dichter.

Die „Spaziergänger“ versammelten sich dort in großer Zahl, von Mindestabständen geschweige den Masken fehlte jede Spur. Unterschiedlichste Leute waren dem Aufruf in den Sozialen Medien gefolgt – von Familien mit Kindern über eine Gruppe Heranwachsender bis zu Mitgliedern der AfD.

Die Polizei griff an diesem Abend nicht ein. Der Erdinger Inspektionschef Rainer Kroschwald meinte im Anschluss: „Wir wollten deeskalierend wirken. Bei einem friedlichen Verlauf sind wir daher nicht dazwischengegangen.“ Vielmehr richteten sich die Mikrofone an die Teilnehmer der Spaziergänge, dass diese den Polizeiwagen auf einer vorgegebenen Route folgen sollten.

Mehrere Dutzend Gegendemonstranten postierten sich ebenfalls am Montagabend in der Innenstadt – bei einer angemeldeten Kundgebung. Mit Kerzen gedachten sie der Covid-Toten.
Mehrere Dutzend Gegendemonstranten postierten sich ebenfalls am Montagabend in der Innenstadt – bei einer angemeldeten Kundgebung. Mit Kerzen gedachten sie der Covid-Toten. © Bernd Heinzinger

Applaus bei den Corona-Gegnern, welche dieser Aufforderung auch zumeist folgten. Ein Tross machte sich auf den Weg auf einen kurzen Rundgang von und bis zum Schrannenplatz. Dort wurde der Aufmarsch schließlich nach einer knappen Stunde beendet.

An die 900 Teilnehmer seien es diesmal gewesen 300 mehr als vor einer Woche, sagte Kroschwald: „Wir waren heute rein dafür vor Ort, um für den Schutz zu sorgen und die Wege abzusichern.“

Auf die Frage, ob es sich denn nicht um eine illegale Kundgebung gehalten habe, meinte der PI-Chef: „Natürlich muss eine Versammlung im Vorfeld angezeigt werden. Aber auch wenn das nicht der Fall ist, liegt nicht immer ein Verbot vor.“ Der Appell lautete, das nächste Mal bitteschön für eine Anmeldung zu sorgen. An diesem Abend herrschte allerdings das Motto: „Das Ganze ist zwar nicht komplett legal, aber irgendwie noch tolerierbar“.

Konfrontationen mit der Gegenveranstaltung gab es kaum. Zwar sahen sich immer mal wieder Teilnehmer des Spaziergangs das Ganze an und gaben auch den einen oder anderen Kommentar ab. Davon ließen sich Steffen Walter und die etwa 50 Teilnehmer, darunter auch lokale Politikprominenz wie beispielsweise Erdings OB Max Gotz und einige Kreis- und Stadträte nicht stören.

Walter sagte, dass es Zeit gewesen sei, Solidarität für die Gemeinschaft zu zeigen. Es sei ein Zeichen für die vielen Opfer der Pandemie, aber auch für die Helfer wie Ärzte oder Pflegepersonal. Walter meinte zudem: „Wir tolerieren andere Meinungen, aber jeder sollte aber Rechte und Pflichten respektieren.“

Für jeden Corona-Toten im Landkreis zündeten die Teilnehmer eine Kerze als Symbol der Trauer an. Oberbürgermeister Max Gotz sagte zu der Veranstaltung in „seiner“ Stadt, dass Erding für Vielfalt und Toleranz stehe und man auch andere Meinungen respektiere.

Im Vorfeld der Spaziergänge hoffte er, dass alles friedlich verlaufen werde: „Dann können wir das hier auch akzeptieren. Ich will aber keine unschönen Bilder sehen, wie man sie aus dem Fernsehen kennt.“ Generell dürfe sich die Gesellschaft nicht weiter spalten: „Die Diskussionen sollten fair verlaufen.“

Gotz zollte den vielen Einsatzkräften seinen vollen Respekt und kündigte eine Nachbetrachtung des Abends zwischen Stadt und Polizei an: „Wir erwarten schließlich, dass so etwas häufiger vorkommen wird. Die Bürger sollen sehen, dass ich mich darum kümmere.“ Friedlich blieb es an diesem Abend bis zum Schluss. Kurz nach der Beendigung durch die Polizeiansage verließen die Teilnehmer des Spaziergangs tatsächlich die Altstadt. Das abschließende Fazit von Rainer Kroschwald lautete: „Wir sind mit dem Ablauf heute sehr zufrieden.“

Auch in Dorfen fand ein Spaziergang mit etwa 250 Teilnehmern statt, der ebenso friedlich verlief.

Bernd Heinzinger

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