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Chancen und Herausforderungen von Inklusion diskutierten (v. l.) Monika Eder, Walter Rauscher, Doris Rauscher, Franz Hofstetter, Wibke Stock und Christa Kaminski.

Podiumsdiskussion über Inklusion 

„Es ist normal, verschieden zu sein“

Aufkirchen – Inklusion wird im Landkreis Erding aktiv gelebt. Dazu tragen unter anderem die Montessori-Schule in Aufkirchen, die Grundschule am Grünen Markt und zahlreiche Ehrenamtliche bei.

Am Montagabend debattierten Vertreter aus Politik und Bildung über die Chancen und Herausforderungen von Inklusionsschulen. „Es ist normal, verschieden zu sein“ – mit diesem Zitat des früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker formulierte Montessori-Schulleiterin Ulrike Reinhardt das Thema der Podiumsdiskussion.

„Inklusion ist zwar in den Mündern der Menschen angekommen, aber noch lange nicht in deren Köpfen und Herzen“, erklärte Reinhardt. Bei der Veranstaltung im Rahmen der „Aufkirchener Gespräche“ stellten sich fünf Fachleute den Fragen von Moderatorin Christa Kaminski, früher Rektorin der Montessori-Schule Dietramszell.

Vorreiter in Sachen Inklusion ist im Landkreis die Grundschule am Grünen Markt in Erding. Ihr wurde als eine von zehn Schulen in Oberbayern dieses Profil zuerkannt. „Inklusion ist keine Entscheidung, sondern ein Prozess, auf den man sich einlassen muss“, erklärte Schulleiterin Monika Eder. Im vergangenen Jahr hätten 48 Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf die Regelschule besucht. Das entspricht jedem fünften Kind.

Der Unterricht in den zehn Klassen werde seit Erlangen des Status „Integrationsschule“ offener gestaltet als früher, berichtete sie. Um die neue Offenheit auch nach außen zu vermitteln, sind die Klassenzimmertüren während der Unterrichtsstunden geöffnet. Mit Hilfe von Wochenplanarbeit könnten alle Kinder das vorgegebene Pensum ihrem individuellen Tempo anpassen. Die Zusammenarbeit im Team ist ein weiterer Schwerpunkt, der den Schülern vermittelt wird.

Eder betonte auch die Notwendigkeit von Schulbegleitern, Eltern und Ehrenamtlichen, ohne die das Modell nicht funktionieren würde. „Um alles umzusetzen, was ich möchte, brauche ich mehr Personal“, zeigt die Leiterin die Schattenseiten auf.

„Mit dem Gedanken Schulbegleiter muss man sich erst abfinden. Auch das betroffene Kind, der Schulbegleiter selbst und die Lehrer müssen sich an die Situation gewöhnen“, erzählte Angela Gmelin. Sie ist Mutter eines Viertklässlers in der Montessori-Schule Aufkirchen. Ihr Sohn sei seit der ersten Klasse auf einen Schulbegleiter angewiesen.

Die Gemeinde Taufkirchen will nach den Worten von Bürgermeister Franz Hofstetter beim Thema Inklusion mit gutem Beispiel vorangehen. Der Ort soll barrierefrei werden, um Menschen mit körperlichen Einschränkungen im Alltag zu entlasten. Dafür sei er auch bereit, „Geld in die Hand zu nehmen“, sagte Hofstetter.

Als ehrenamtlicher Inklusionsreferent der Stadt Erding hat Walter Rauscher Pläne auf diesem Gebiet. So soll das Erdinger Rathauses durch weitere Behindertentoiletten und einen barrierefreien Zugang ergänzt werden. Rauschers persönliches Anliegen ist der Umbau des Naherholungsgebietes rund um den Kronthaler Weiher, der „so behindertengerecht wie möglich gestaltet werden soll“.

Anderssein ist normal – diese Einstellung will auch Doris Rauscher in den Köpfen der Bürger verankern. Die Landtagsabgeordnete und Familienpolitische Sprecherin der SPD setzt sich dafür ein, dass Inklusion auf allen politischen Ebenen thematisiert wird und ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung stehen.

Wibke Stock war langjähriges Vorstandsmitglied des Montessori-Landesverbandes Bayern und ist Mutter eines hörgeschädigten Sohnes. Ihrer Meinung nach müssten alle Bildungseinrichtungen so ausgestattet werden, dass inklusives Arbeiten verwirklicht werden kann. In Weizsäckers Worten: „Was im Vorhinein nicht ausgegrenzt wird, muss hinterher nicht eingegliedert werden.“

Julia Pfeil

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