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Hinter die Kulissen der Ball-Produktion ließ Referentin Kirstin Wolf die Mädchen und Buben bei der Kinder-Uni blicken.

Kinder-Uni Erding

Nur Fairtrade-Bälle sind eine runde Sache

Erding - Pakistanische Frauen nähen die meisten Bälle zusammen. Oft erhalten sie pro Stück nur 50 Cent. Bei der Kinder-Uni erfuhren Mädchen und Buben von dieser Ausbeutung – und fanden das ziemlich ungerecht.

Wie werden eigentlich Bälle hergestellt? Das war die Frage an der Kinder-Uni der Volkshochschule Erding. Dozentin Kirstin Wolf hatte für die erste Vorlesung des Sommersemesters verschiedene Bälle aufgeschnitten, um zu zeigen, dass diese immer aus einer Gummiblase und einem Kunstledermantel bestehen. Die meisten Bälle würden in Pakistan hergestellt, berichtete sie. Auf die Frage, warum denn so weit weg, wusste ein Bub die richtige Antwort: „Weil es dort billiger ist.“

Die einzelnen Teile werden zuerst von einer Maschine ausgestanzt und anschließend von Arbeiterinnen zusammengenäht, so Wolf. Warum machen diese Arbeit nur Frauen? „Weil die Männer mehr Geld verlangen“, vermutete ein Mädchen ganz richtig. Zwei Stunden brauche eine Näherin pro Ball und schaffe somit fünf Stück am Tag, erzählte Wolf. Pro Ball bekomme eine Arbeiterin nur 50 Cent. Das fanden die Kinder gar nicht gerecht.

Schließlich machte Wolf die Mini-Studenten auf ein Zeichen aufmerksam, das auf allen mitgebrachten Bällen zu sehen war. Die meisten Kinder wussten schon, dass es sich hierbei um das Fairtrade-Zeichen handelte. Für jeden Ball mit diesem Logo bekomme eine Näherin vier Euro, erzählte Wolf. „Immer noch wenig“, stellten die Kinder fest. „Aber immerhin mehr als vorher“, meinte ein Mädchen.

Auf den Fußbällen war noch ein Zeichen abgebildet: das der Stadt Erding. Diese hatte nämlich die Bälle in Auftrag gegeben. „Was will die Stadt Erding damit aussagen?“, fragte die Dozentin. „Wir unterstützen gerechten Handel mit fernen Ländern mit einem gerechten Gehalt“, folgerte ein Bub.

Beim Praxistest stellten die Mini-Studenten fest, dass es ziemlich schwer ist, mit einer Nadel durch zwei Lederstücke zu stechen. Sie konnten sich auch nicht vorstellen, einen ganzen Ball in zwei Stunden zu schaffen. Die Kinder nahmen sich vor, bei zukünftigen Ballkäufen auf das Fairtrade-Zeichen zu achten. Die Referentin, die auch „Eine Welt-Promoterin“ vom Eine Welt Netzwerk Bayern ist, will schon bei Kindern ein Bewusstsein dafür schaffen: „Kinder, die staunen noch. Wir Erwachsenen sind bei solchen Themen dagegen oft abgestumpft.“ In Erding könne man solche Bälle im Weltladen oder im Hotel Henry kaufen, sagte Wolf. (Maria Bachmaier)

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