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Das Ende des Fliegerhorsts ist wieder offen. Den Jet im Eingangsbereich will OB Max Gotz Erding erhalten. 

Schließung des Erdinger Fliegerhorsts 

„Manche in Berlin sind weltfremd“

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Die Mitteilung des Verteidigungsministeriums, den Fliegerhorst nicht 2021, sondern wohl erst 2024 zu schließen, löst bei Erdings OB Max Gotz Zorn aus. In Berlin hat man größere Probleme, den Verzug sachlich überhaupt zu begründen. Auch die Luftwaffe weiß nur das Nötigste.

Erding/Manching – Es ist schon kurios: Erst am 16. März hatte Fliegerhorst-Kommandeur Stefan Schmid-Schickhardt beim definitiv letzten Jahresempfang im Fliegerhorst erklärt, dass der Umzug von Erding nach Manching laufe und es dabei bleibe, dass die Erdinger Kaserne 2021 geschlossen wird.

Nur zwei Monate später erfahren nicht nur die erstaunte Öffentlichkeit, sondern auch der vor den Kopf gestoßene Schmid-Schickhardt und das Waffensystemunterstützungszentrum 1 aus Berlin, dass die Schließung bis 2024 verschoben werde. Das hatte Verteidigungsstaatssekretär Thomas Silberhorn dem Erdinger CSU-Bundestagsabgeordnetem Andreas Lenz mitgeteilt (wir berichteten).

Als Lenz mit der mittlerweile dritten Terminverschiebung an die Öffentlichkeit ging, weilte Erdings OB Max Gotz im Urlaub. Mit der Erholung war es rasch vorbei.

Der CSU-Politiker ist stinksauer. Die Verzögerung und deren Bekanntmachung sind für ihn eine „grandiose Despektierlichkeit“, die zeige, „wie weltfremd manche in Berlin sind“. Da nicht nur Erding, sondern auch andere Standorte im Raum München betroffen sind, attestiert Gotz dem Ministerium, „alles andere als kommunalfreundlich“ zu sein. Der Bund sei unzuverlässig. Denn: 2011 wurde die Schließung verkündet. Das Datum 2017 war ebenso wenig zu halten wie 2019. Daraus wurden dann 2021 und nun 2024. Und auch dieses Datum zieht Gotz in Zweifel.

Die Konversion stelle für jede Stadt und Gemeinde eine große Herausforderung dar. „Da werden auch in Erding viele personelle und finanzielle Kapazitäten gebunden, und dann geht nichts weiter“, erklärt der OB.

Blockiert sei erneut die Stadtentwicklung. „Der Druck auf die Region nimmt zu. Wir haben damit gerechnet, den Fliegerhorst für das dringend gebotene Wachstum nutzen zu können.“ Das sei jetzt erforderlich, denn nach 2030 sehen die Prognosen ein Abschmelzen der Bevölkerungszahlen vor. Beim Fliegerhorst gehe es um 365 Hektar.

Für Gotz steht fest: „Was auf keinen Fall passieren darf, ist eine Gefährdung des S-Bahn-Ringschlusses und der Walpertskirchener Spange. Ich bin eigentlich davon ausgegangen, dass bei den dafür erforderlichen Flächen im Fliegerhorst demnächst der Eigentumswechsel erfolgt.“

Sauer ist Gotz auch, weil die Bewerbung um die Landesgartenschau 2028 wackelt. Denn das Konzept sieht die Einbeziehung des neuen Stadtteils im Nordosten Erdings explizit vor.

Welche Liegenschaften am neuen Standort Manching nicht fertig werden, was in der Folge die Erdinger Kaserne nicht entbehrlich macht, ist schwer zu sagen. Das Ministeriums braucht eigenen Angaben zufolge mehrere Tage, um das herauszufinden.

Es dürfte aber um die Umsiedelung des Instandsetzungszentrums 11 gehen, das Jets und Waffensysteme repariert. Im März hatte Schmid-Schickhardt nämlich erklärt, diese Gliederung werde 2021 abgesiedelt. Bei der Auflösung des Materialdepots bis Ende dieses Jahres bleibt es dem Vernehmen nach.

Derzeit sind nach den Worten von Fliegerhorst-Sprecher Peter Jentscher neben Instandsetzungszentrum und Depot noch diese Einrichtungen in Erding: die Ausbildungswerkstatt, die Arbeitsgruppe Technische Untersuchungen, die Triebwerk-Kooperation mit MTU, das Dienstleistungszentrum, die Feuerwehr und die Sanitätsversorgung, der Technische Zug, das Elektronikzentrum, die Truppenküche, das Casino, das Mannschaftsheim sowie das Kreisverbindungskommando. Das Institut Wiweb ist von der Schließung bekanntlich nicht betroffen.

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