Der Erdinger Schrannenplatz mit Rathaus.
+
Der Erdinger Schrannenplatz mit Rathaus.

Obergrenze von 1 Prozent angepeilt

Oberbayerns Boom wird zum Fluch: Erding will nicht mehr weiter wachsen

Das Wirtschaftswachstum in Oberbayern hat auch seine Schattenseiten - in Erding sind sie stark zu spüren.

Erding - Der Wirtschaftsraum Oberbayern glänzt mit Spitzenwerten: Die Bevölkerung wächst, die Beschäftigung ist auf einen Höchststand, die Kaufkraft liegt weit über dem Bundesschnitt. Doch es gibt auch Schattenseiten: „Wir spüren die Folgen von zu viel Wachstum in vielfacher Weise“, sagt Erdings Oberbürgermeister Max Gotz (CSU) dem Münchner Merkur. „Die Stadtgesellschaft entfremdet sich, die Fluktuation nimmt zu.“ Um die Entfremdung zu stoppen, tritt die 39.000-Einwohner-Stadt Erding in den Wachstumsstreik: Nur noch ein Prozent Bevölkerungszuwachs will der Bürgermeister – pro Jahr!

Zwar gilt das Ein-Prozent-Wachsstumsziel bereits seit dem Jahr 2014, doch erst im vergangenen Jahr konnte es erstmals erreicht werden: „Wir haben es 2017 sogar unterschritten, da gab es faktisch Nullwachstum“, freut sich Gotz. Doch warum ist dem Stadt-Oberhaupt der Wachstumsstopp so wichtig? „Erding ist eine wunderbar gewachsene Stadt. Wir müssen aber darauf achten, dass die identitätsstiftenden Einrichtungen wie Grundschulen und Vereine mit dem Bevölkerungswachstum Schritt halten können.“ Ein „Noch mehr“ bedeute eine Verschlechterung.

Zwei schwere Ernteunfälle mit Traktor-Gespannen

Bürger stehen hinter der Wachstumsbremse

Das Ein-Prozent-Ziel ist freilich nicht in Stein gemeißelt: „Wir werden auch mal ein Jahr mit mehr Wachstum haben; etwa, wenn ein neues Baugebiet baureif ist“, erläutert der Oberbürgermeister. Die Bürger, so versichert der 54-Jährige, stünden jedenfalls voll und ganz hinter der Wachstumsbremse. „Wir haben eine überragende Zustimmung.“

Auch ein immer höher in der Wohnbebauung kommt für Gotz nicht unbedingt infrage: „Wir müssen darauf achten, dass die Städte ihr Gesicht behalten, gerade auf dem Land. Ich habe etwas gegen ständige Nachverdichtung.“ Dennoch bewege sich Erding – am Ortsrand seien jetzt zweistöckige Mehrfamilienhäuser erlaubt.

Im Übrigen findet Erdings Oberbürgermeister im Merkur-Gespräch: „Die Silhouette Münchens würde vielleicht einige Hochhäuser mehr vertragen. Aber ich will keinen schwarzen Peter nach München schieben.“ Denn: Seit Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) im Amt ist, klappe die Zusammenarbeit mit den Umlandgemeinden hervorragend, freut sich der CSU-Kommunalpolitiker.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Flut an kranken Kätzchen: Tierschutzjugend Erding schreitet ein
Flut an kranken Kätzchen: Tierschutzjugend Erding schreitet ein
B 15 neu: CSU sucht den Schulterschluss Im Kreis Erding und neue Verbündete
B 15 neu: CSU sucht den Schulterschluss Im Kreis Erding und neue Verbündete
„Kein Zuckerschlecken“: Wartenbergs VG-Geschäftsleiter spricht über seinen Aufstieg
„Kein Zuckerschlecken“: Wartenbergs VG-Geschäftsleiter spricht über seinen Aufstieg
Mehr Busse und längere Linien
Mehr Busse und längere Linien

Kommentare