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Pfarrer Josef Mundigl (M.) war lange sehr beliebter Stadtpfarrer von Erding. Unser Bild zeigt ihn 1989 anlässlich des Besuchs des damaligen Freisinger Bischofs Joseph Ratzinger (l.) zu Mundigls 60. Geburtstag. 2005 wurde Ratzinger zum Papst gewählt. Am Ostersonntag feiert Benedikt XVI. in Rom 90. Geburtstag. 

Ostern in der Erinnerung von Stadtpfarrer a.D. Josef Mundigl 

Seppis Traum vom Schokohasen

Ostern – heute ist das oft ein Fest mit Geschenken wie an Weihnachten oder am Geburtstag. Wie das Hochfest der katholischen Kirche früher gefeiert wurde, verrät der einstige Erdinger Stadtpfarrer Josef Mundigl.

Erding/Landshut „Als Kind habe ich immer die 20 Zentimeter großen Schokoladenhasen in der Auslage des Kramers bewundert“, erzählt Josef Mundigl, ehemaliger Stadtpfarrer von Erding, der heute in Landshut lebt. Geboren wurde er am 22. Juli 1929 in Hubenstein, als eines von insgesamt acht Geschwistern. Bei ihnen gab es damals keine Schokoladenhasen.

Die Mutter hatte Eier für die Kinder versteckt. Traditionell wurde auch ein Osterlamm gebacken und nach der Weihe am Ostersonntag verspeist, so wie es viele Familien heutzutage noch tun.

Mundigl erinnert sich auch noch daran, wie er als kleiner Bub mit seinen Geschwistern am Karfreitag mit Ratschen durchs Dorf gezogen ist. Hintergrund war, dass von Gründonnerstag bis zum Ostermorgen keine Kirchenglocken läuten durften. Man sagte, die Glocken würden nach Rom fliegen. Die Ratschen riefen die Menschen zum Gottesdienst.

„Nach der Messe am Gründonnerstag wurde zusammen mit dem Mesner und dem Pfarrer das Heilige Grab aufgebaut“, erzählt der Geistliche Rat. Aufwändig geschmückt wurde das Ganze mit Blumen und Glaskugeln. Eine liegende Figur stellte den Leichnam Jesu dar. „Als junger Mensch kann man sich das heute gar nicht mehr vorstellen“, sagt Mundigl.

Am Karfreitag erfolgte dann die Anbetung am Heiligen Grab. In den 40er Jahren sangen die Gläubigen auch noch auf lateinisch. Am Karsamstag hat man die Figur aus dem Grab entfernt. Zur Osternacht oder beim Gottesdienst am Ostersonntag wurde sie dann zusammen mit einer Fahne hochgezogen. „Dies sollte die Auferstehung Jesu symbolisieren“, so Mundigl.

Der österliche Feldumgang am Ostermontag, den der Pfarrer noch lange selbst erlebt hat, ist ebenfalls ein Brauch, der heute nicht mehr gepflegt wird. „Mit Eierschalen, geweihtem Osterwasser und einfachen Kreuzen, die der Vater aus Palmzweigen geschnitzt hatte, sind wir auf die Felder gegangen“, erinnert sich der heute 87-Jährige. Der Gang fand nur auf den Wintergetreidefeldern statt, also auf Roggen- und Weizenfeldern. An jeder Ecke wurde dann ein Kreuz in die Erde gesteckt, die Eierschalen und das geweihte Wasser verteilt. Die Familie wandte sich mit der Bitte an Gott, dass das Getreide gut wachsen möge.

Ein weiterer Brauch ist die Fußwaschung. Diese, erklärt Mundigl, wird aber erst seit der Reform der Karwochen-Liturgie in den 50er Jahren, während des Gottesdienstes am Gründonnerstag durchgeführt. Auch Pfarrer Mundigl hat dies in Erding schon gemacht. „Es war aber oft schwierig, Leute zu finden, die bereit waren, ihre Socken auszuziehen.“ Dieser Brauch geht darauf zurück, als Jesus seinen zwölf Jüngern die Füße gewaschen hat. Mundigl bedauert, dass diese Tradition kaum noch gepflegt wird, denn „es ist ein schöner Brauch. Der Papst und der Bischof machen es noch.“

Das Osterfeuer dagegen ist ein Brauch, der heute noch praktiziert wird. Dabei weiht der Geistliche die Osterkerze. Die übrig gebliebenen Öle, also das Tauf-, Kranken- und Chrisamöl des alten Kirchenjahres verbrennen im Feuer. Dafür werden am Tag vor Gründonnerstag die neuen Öle vom Bischof geweiht, die dann für das kommende Kirchenjahr verwendet werden.

An eine Tradition zum Schmunzeln erinnert sich Mundigl. Derjenige, der an Palmsonntag als letztes aufsteht, wird Palmesel genannt. Das werden vermutlich die meisten kennen. Doch auch für die anderen Tage rund um Ostern gab es früher Bezeichnungen. Am Gründonnerstag war es das „Speispfinsda Kaibe“. Speispfinsda wurde früher der Gründonnerstag genannt, weil Jesus an diesem Tag das letzte Abendmahl feierte, und Pfinsda ist die Bezeichnung für Donnerstag im bairischen Dialekt.

Weitere Spitznamen waren „Karfreitagsratschn“ und „Karsamstagsbritschn“, welcher allerdings nur Mädchen galten. „Am Ostersonntag wollte jeder das Osterlampe werden“, erzählt Mundigl. Wer am Ostermontag das Pech hatte, als letztes aufzustehen, wurde „gstingads Henanest“ genannt. Woher diese Bezeichnung kommt, das weiß nicht einmal mehr Pfarrer Mundigl, der immer noch gern gesehener Gast an seiner früheren Wirkungsstätte ist.

Maria Bachmaier

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