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Packendes Kammerspiel mit Sogwirkung

ErdingMit Standing Ovations zollte das Premierenpublikum dem Team des Oberstufentheatertheaters am Korbinian-Aigner-Gymnasium (KAG) Erding um Regisseur Gerhard Häußler seinen Respekt. Es brachte am Dienstagabend das Theaterstück „Die zwölf Geschworenen“ nach der Filmvorlage von Reginald Rose auf die Bühne der Schulaula.

Ein Jahr lang hatte sich das Schulensemble auf die Vorstellungen vorbereitet und sich mit dem Stoff intensiv auseinandergesetzt. Das Ergebnis war überwältigend: Man erlebte eine packende Inszenierung, deren kammerspielartige Dichte die Zuhörer in ihren Bann zog.

Es war eine kluge Entscheidung, die Weite der Schulaula diesmal nicht zu nutzen, sondern das Publikum ganz nah um die mittige Bühne herum zu gruppieren und so eine Art intimes Werkraumtheater zu schaffen. So konnte das Theatergeschehen seine Sogwirkung entfalten, die alleine über die agierenden Personen entstand.

Zum Inhalt: Zwölf Menschen sollen in einem abgeschiedenen Raum einstimmig darüber entscheiden, ob ein 19-jähriger des Mordes schuldig ist. Wenn Ja, droht dem jungen Mann der Tod auf dem elektrischen Stuhl.

Feine Zwischentöne

Eine wild zusammengewürfelte Gruppe in einer von der Außenwelt abgeschnittenen Ausnahmesituation – das ist die Basis für eine brodelnde Gruppendynamik, die sich im Verlauf der Debatte mehr und mehr explosiv auflädt, zumal am Anfang ein einziger Geschworener (Johannes Schwinghammer) seinen Zweifel an der Schuld des Angeklagten äußert.

Seine Bedenken verhindern, es sich mit der Gewissensentscheidung leicht zu machen. Dabei würden sich die meisten Entscheidungsträger lieber übers Twittern im Alltäglichen verlieren, als gründlich nachzudenken.

Das hellsichtige Stück hat bis heute nichts von seiner gesellschaftlichen Relevanz verloren. Es erzählt von der Macht der Gruppe, von Zivilcourage und Demokratieverständnis, aber auch davon, wie sehr öffentliche Entscheidungen von persönlichen Empfindungen und biografischen Verwundungen beeinflusst werden können.

Und es gibt einen hoffnungsvollen Ausblick: Die mutige Positionierung eines verantwortungsvollen Einzelnen kann meinungsgepanzerte Vorurteile ins Wanken und Bewegung in erstarrte Gruppenprozesse bringen.

Mit feinen Zwischentönen, prägnanter Charakterisierung und Körpersprache verliehen die Schülerinnen und Schüler des KAG den zwölf Geschworenen Kontur. Aus namenlosen, nummerierten Gestalten wurden unverwechselbare Persönlichkeiten. Vroni Vogel

Weitere Vorstellungen

Das Stück „Die zwölf Geschworenen“ wird am heutigen Donnerstag, am Freitag, 24. November, und Montag 27. November, jeweils um 19.30 Uhr gezeigt. Wegen der begrenzten Plätze gibt es im Voraus kostenlose Karten in den Pausen und bei Gerhard Häußler.

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