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Versteckt hinter einer Mappe trat der Angeklagte am Mittwoch vor das Landgericht Landshut.

Urteil im Missbrauchsprozess

Pädophiler muss hinter Gitter

Südlicher Landkreis - Ein 46-Jähriger vergeht sich an einem Mädchen, das ihre Mutter zuvor betäubt. Wegen ihrer Geständnisse kommen beide mit moderaten Strafen davon. Der Täter gilt als pädophil. Er muss in Haft und in Therapie.

Eine 43-jährige Angestellte aus dem Kreis Ebersberg soll ihre sechs Jahre alte Tochter betäubt haben, damit ihr Lebensgefährte (46) seine sexuellen Fantasien an ihr ausleben kann (wir berichteten). Gestern fiel das Urteil in Landshut: Der Mann wurde zu knapp sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, die Mutter kommt mit 21 Monaten auf Bewährung davon.

Vorsitzender Richter Oliver Dopheide sprach vor der als Jugendschutzgericht tagenden Jugendkammer des Landshuter Landgerichts von einem ebenso ungewöhnlichen wie aufwühlenden Fall. Dennoch kamen der 46-jähriger IT-Berater aus dem südlichen Landkreis und seine ehemalige Geliebte mit moderaten Strafen davon.

Unter anderem wegen schweren sexuellen Missbrauchs in drei Fällen beziehungsweise sexuellen Missbrauchs, schwerer Vergewaltigung und sexuellen Missbrauchs widerstandsunfähiger Personen verhängte die Kammer gegen den IT-Berater eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und zehn Monaten. Einbezogen wurde eine dreijährige Freiheitsstrafe, die der 46-Jährige derzeit wegen sexuellen Missbrauchs einer damals 13-Jährigen verbüßt. Die Angestellte kam unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs und Beihilfe zum schweren sexuellen Missbrauch von Kindern mit einer Bewährungsstrafe davon.

Opfer erinnert sich an nichts

Der aktuelle Fall sei ungewöhnlich, erklärte Vorsitzender Richter Dopheide, weil die Vorwürfe gegen den IT-Berater und die Angestellte erst aus Chatverläufen und E-Mails ermittelt werden konnten, die aus einem früheren Verfahren vorlagen. Zudem habe das Opfer von den an ihm begangenen Taten bis zur Befragung der Ermittlungsbeamten nichts gewusst und habe sich bis dahin auch nicht traumatisiert gezeigt.

Daher seien die Geständnisse besonders wertvoll gewesen, sonst wäre der Schuldnachweis mühsam geworden. Strafmildernd für die Angestellte wirkte sich aus, dass sie ihre Tochter mit Baldrian in Tiefschlaf versetzt habe und nicht wie angenommen mit Schlaf- oder Betäubungsmitteln. So entfalle der Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung.

Zugunsten beider habe sich dazu ausgewirkt, dass die Taten viele Jahre zurücklägen, beide zur Tatzeit nicht vorbestraft gewesen seien und bei der 43-Jährige jeweils auch alkoholische Enthemmung eine Rolle gespielt habe. Straferschwerend sei bei ihr der massive Vertrauensmissbrauch gegenüber der Tochter und beim Täter die inzwischen erfolgte einschlägige Vorverurteilung.

Bei der Mutter sei eine Vollzugsstrafe nicht notwendig gewesen. Eine Wiederholungsgefahr bestehe nicht. Ihr könne eine positive Sozialprognose gestellt werden. Bei dem 46-Jährigen dagegen liege eine pädophile Neigung vor, untherapiert stelle er deshalb weiter eine Gefahr für Kinder dar. Allerdings habe er im Rahmen seines Geständnisses Therapiewilligkeit zum Ausdruck gebracht.

Sowohl die Geständnisse als auch die Plädoyers fanden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Landgerichts-Vizepräsident Dr. Rainer Wiedemann berichtete im Anschluss, dass der 46-Jährige in seinem letzten Wort Reue bekundet und geäußert habe, dass er die gesamte Verantwortung übernehme.

Mutter hat noch das Sorgerecht

Wie am Rande des Prozesses zu erfahren war, hat die Angestellte nach wie vor das Sorgerecht für ihre Kinder. Allerdings sei das zuständige Jugendamt über den Prozess und das Geständnis informiert, sodass in absehbarer Zeit ein Familiengericht über die Zukunft der heute 17-Jährigen entscheiden wird

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