Genügend Räder gibt es noch bei Zweirad Holbl auf Lager, vom Kinderrad über E-Bikes, etwa der Marke Liv, wie es Zweiradmechaniker David Lynch hält, bis zum KTM Gravel-Bike, das Andrea Holbl vor sich hat.
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Genügend Räder gibt es noch bei Zweirad Holbl auf Lager, vom Kinderrad über E-Bikes, etwa der Marke Liv, wie es Zweiradmechaniker David Lynch hält, bis zum KTM Gravel-Bike, das Andrea Holbl vor sich hat.

Die Radhändler und Corona

Die Pandemie beschleunigt den E-Bike-Boom

  • vonAlexandra Anderka
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Die Radhändler verzeichnen eine riesige Nachfrage. Räder und Ersatzteile werden knapp.

Landkreis – „Es ist der Wahnsinn!“ Oder: „Die Nachfrage ist gewaltig.“ Und: „Es ist wirklich irre.“ So lauteten die Antworten der hiesigen Fahrradhändler auf die Nachfrage der Heimatzeitung, wie das Geschäft im Augenblick laufe – sofern die Telefonleitung nach unzähligen Versuchen endlich frei war und sie sich überhaupt kurz Zeit für ein Gespräch nahmen. Es kamen auch Antworten wie: „Ich habe den Laden voller Kunden und absolut keine Zeit.“ Oder: „Ich rufe zurück“, was dann aber nie passierte.

Markus Stöckl aus Taufkirchen muss aktuell einen riesigen Kundenandrang bewältigen, „ausschließlich nach Terminvereinbarung“. Schon 2020 sei die Nachfrage gewaltig gewesen. „Ab Juni war der Laden leer“, sagt er. Viele Kunden hätten ihre Räder dann bereits im Herbst vorbestellt. E-Bikes seien derzeit ganz stark im Kommen, aber auch die „normalen Fahrräder“ nach wie vor beliebt. Die Frage, ob er sich zu den Corona-Gewinnern zähle, bejaht Stöckl, doch trotz des guten Umsatzes ist er nicht glücklich mit der Situation, denn: „Es ist ja nicht zufriedenstellend, wenn man den Kunden so viele Absagen erteilen muss.“

Das sieht auch sein Kollege Werner Bilda aus Wörth so: „Auch wenn wir keine finanziellen Einbußen haben und uns nicht beklagen dürfen, ist das im Augenblick keine schöne Situation.“ Den Fahrradhändler ärgert es, dass er die Räder dieses Jahr deutlich teurer einkaufen musste. Rund fünf bis zehn Prozent würden die Lieferanten mehr verlangen. Aber die Nachfrage regelt das Angebot und die sei auch bei Bilda „gewaltig“.

Zudem gerate die Lieferkette bei den Fahrrädern ins Stocken: „Die Räder werden ja aus vielen Einzelteilen zusammengebaut, wenn eines fehlt, kann das Rad nicht ausgeliefert werden.“ Im Augenblick ist Bilda vor allem damit beschäftigt, die vorbestellten Fahrräder an die Kunden auszuliefern. Den Fahrradmarkt sieht der Fahrradexperte Ende April leer gekauft.

Stöckl rechnet ebenfalls mit Engpässen, doch es sei nicht hoffnungslos: „Die Kunden müssen halt ein bisschen Geduld mitbringen. Wir haben schon einiges da.“

Entwarnung gibt diesbezüglich Andrea Holbl von Zweirad Holbl in Blainöd bei Taufkirchen. Sie habe sehr gut eingekauft und verfüge deshalb über einen großzügigen Lagerbestand. Doch auch sie stellt eine überdurchschnittliche Nachfrage fest: „Die Leute können nichts machen, also wollen sie zumindest Fahrrad fahren.“ Gut gingen bei ihr aufgrund der eingeschränkten Urlaubsmöglichkeiten Trekking- und Reiseräder, E-Bikes würden mittlerweile 60 Prozent des Gesamtverkaufs einnehmen.

Zu Fahrrädern mit unterstützendem Elektromotor rät auch Horst Weise, Kreisvorsitzender des 514 Mitglieder starken ADFC, und zwar „nicht nur den älteren Herrschaften, auch den unter 65-Jährigen“. Denn dadurch, so seine Beobachtung, würden die Leute wieder mehr Rad fahren, ein steiler Berg sei ja keine Entschuldigung mehr. „Außerdem wird wieder mehr zusammen gefahren, denn jeder kann individuell die elektrische Unterstützung einstellen, so können leicht Konditionsunterschiede ausgeglichen werden und man hat wieder mehr Spaß.“

Beim Fahrradkauf empfiehlt Weise, sich gut beraten zu lassen. Es mache einen großen Unterschied, ob man das Rad vorwiegend in der Stadt nutzt oder Touren damit plant. Bei einem Rad, mit dem man seine Einkäufe erledigen möchte, müsse man darauf achten, gut auf- und absteigen zu können. Wegen der Bordsteinkanten seien breitere Reifen anzuraten. „Sonst federt das Fahrrad nicht ab und die Einkäufe im Korb landen auf der Straße.“ Auch bei Schotteruntergrund hätten sich die breiteren Reifen bewährt.

Weise hat neben der gestiegen Nachfrage noch einen andere Beobachtung gemacht: „Es gibt keine Ersatzteile mehr. Wir haben unser Dienst-Pedelec vor Kurzem reparieren lassen. Wir hatten Glück und das letzte Ersatzteil bekommen, sonst hätten wir bis 2023 warten müssen.“ Für bestimmte Fahrradkomponenten gebe es aktuell eine Lieferzeit von bis zu 18 Monaten, habe ihm die Fahrradwerkstatt mitgeteilt.

Weise freut sich, dass sich während der Pandemie geradezu ein Fahrradboom entwickle. „Ich hoffe nur, dass das der motorisierte Verkehr dies auch berücksichtigt und auf die Radfahrer Acht gibt“, mahnt der ADFC-Kreischef.

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