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Bewährung statt Haft für Kindesmissbrauch

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Von: Hans Moritz

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Die Haft bleibt einem jungen Mann trotz sexuellen Missbrauchs von Kindern erspart. Das entschied die zweite Instanz. © Norbert Försterling/dpa

Für einen 25-Jährigen aus dem südlichen Landkreis hat sich die Berufung gelohnt. Wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern muss er nun doch nicht ins Gefängnis. Das ergab die Berufungsverhandlung am Landgericht Landshut.

Für den Austausch von Nacktbildern und sexuelle Handlungen mit Teenager-Mädchen war ein 25-Jähriger aus dem südlichen Landkreis ursprünglich zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Kennengelernt hatte er seine Opfer über die Jugendfeuerwehr und eine Tanzgruppe (wir berichteten).. Mit Erfolg legte der junge Mann nun Berufung gegen das erstinstanzliche Urteil des Amtsgerichts Erding ein. Die Jugendkammer des Landgerichts Landshut verhängte am Mittwoch eine Bewährungsstrafe.

Auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz wäre er ohne Unterstützung der Eltern nicht in die Gänge gekommen. Und er habe immer noch Probleme, sein Zimmer aufzuräumen, heißt es im ersten Urteil. Die Befriedigung seiner Triebe hatte der junge Mann zwischen 2017 und 2020 allerdings äußerst zielorientiert verfolgt: Deren Verliebtheit ausnutzend, hatte er zwei Mädchen und eine Jugendliche zu sexuellen Handlungen verleitet.

Das Amtsgericht Erding hatte dem geständigen 25-Jährigen vergangenen Herbst mangelnde Empathie bescheinigt und ihn zu der Jugendstrafe verurteilt. Die Vorstellung, in den Knast gehen zu müssen, behagte dem 25-Jährigen aber gar nicht: Er legte Berufung ein.

Auch die Staatsanwaltschaft hatte sich mit dem Urteil nicht einverstanden gezeigt. Bei einem Großteil der Taten sei der Angeklagte schon ein Erwachsener gewesen, sagte Staatsanwältin Barbara Streicher am Mittwoch vor der Berufungskammer des Landgerichts Landshut. Dementsprechend sei er mit einer „deutlich höheren Strafe“ zu ahnden.

Am Ende verhängte die Jugendkammer unter Vorsitzendem Richter Andreas Wiedemann wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in acht Fällen, des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in drei Fällen und des sexuellen Missbrauchs einer Jugendlichen eine Einheitsjugendstrafe von zwei Jahren, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wird. Die Berufung der Staatsanwaltschaft wurde als unbegründet verworfen.

Nach Beschluss der Kammer muss der Angeklagte 2000 Euro an das Landshuter Netzwerk zahlen. Im Rahmen eines Täter-Opfer-Ausgleichs vereinbarte Zahlungen in Höhe von 8000 Euro an das Geschwisterpaar beziehungsweise 1500 Euro waren bereits geleistet. Von den Mädchen muss sich der 25-Jährige fernhalten.

In einem Punkt waren sich die Verfahrensbeteiligten auch in zweiter Instanz einig: Man wolle den Mädchen eine Aussage vor Gericht ersparen. Stattdessen begnügte man sich mit der Befragung des 25-Jährigen unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Dem Ersturteil zufolge hatte der bis dato strafrechtlich nicht in Erscheinung getretene Angeklagte via WhatsApp zunächst zu einer damals 14-Jährigen Kontakt aufgenommen. Rasch kam es zum Austausch von Bildern und Videos, auf denen sie sich nackt oder bei der Selbstbefriedigung aufgenommen hatten. Es folgten Treffen im Wald oder im Elternhaus des Angeklagten, wo es jeweils zu sexuellen Handlungen kam.

Dann wandte er sich auf die gleiche Weise der 2006 geborenen Schwester und einem weiteren, 2005 geborenen Mädchen zu. Schließlich flog der 25-Jährige auf, weil die Mutter eines Opfers auf einen Chatverlauf gestoßen war. Den Ermittlungen zufolge hat der 25-Jährige die Mädchen, die er von Kindesbeinen an kannte, in ihrem Handeln beeinflusst. Gewalt oder Druck habe er aber nie anwenden müssen. Es sei vielmehr in Richtung eines „einvernehmlichen Verliebtseins“ gegangen. Die Einschätzung des Amtsgerichts war diesbezüglich anders ausgefallen: Die Mädchen seien für den Angeklagten reine Sexualobjekte gewesen. Liebe habe da keine Rolle gespielt.

Die Berufungskammer folgte nun aber Verteidiger Marc Wederhake, der erklärte, sein Mandant arbeite an sich und befinde sich immer noch in sexualtherapeutischer Behandlung. „So etwas soll nie wieder vorkommen.“

Im Rahmen der Hausdurchsuchung hatte die Kripo Material sichergestellt, das auf pädophile Neigungen schließen lässt. Das Hobby des 25-Jährigen, junge Mädchen bei Aerobictänzen zu fotografieren, erschien danach in gänzlich neuem Licht.

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